Artenschutz hautnah
Artenschutz hautnah
17. März 2017

Wildtiere aus nächster Nähe erleben, Lagerfeuerromantik und ein gutes Gefühl, das bleibt – im Gondwana-Reservat in Südafrika können Urlauber Rangern bei ihrer Arbeit helfen.

Es ist halb sieben Uhr morgens und es tutet. Wie auf einem Schiff. Ein leichtes Blinzeln durch den halboffenen Zelteingang bringt die Realität des südafrikanischen Buschs zurück. Brendons Kudu-Horn ertönt erneut. Für alle, die noch mal eingeschlafen sind, und für die, die von den Eindrücken des Vortages schlichtweg überwältigt wurden. Also für „die Ranger auf Zeit“, versteht sich – diejenigen, die im Dienst des Artenschutzes und der Natur hier sind. So wie Christiane. Die Berlinerin hat lange nach einer Reise mit sozialem Engagement gesucht. „Die meisten Freiwilligenprogramme sind für junge Leute unter 26 Jahre. Und alle anderen kosten richtig viel Geld.“ So kam die 52-Jährige auf das Gondwana EcoCamp. Denn hier kann man mit anpacken, die Wildhüter auf ihrer täglichen Tour in die Wildnis begleiten.

„Tiere zählen und beobachten, ihre Wanderungen feststellen, ihr Verhalten dokumentieren und weitergeben und mit den Wildhütern zusammenarbeiten“, fasst es Sandra Claassen von Elela Africa zusammen. Sie hat das Programm für Naturliebhaber, gestresste Manager und Familien gegründet. „Hier kann jeder mitmachen und dabei den Tieren ganz nah sein, auch die Kleinsten“, sagt die geborene Hessin.

Nach einem gemeinsamen Frühstück in der gemütlichen Lodge klettern alle in den Landrover. Brendon Strydom steuert das schwere Gefährt entlang der Schotterpisten des Reservates. In der Ferne sind die ersten Zebras zu sehen. Die müssen gezählt werden. Auch die Koordinaten sind wichtig, um ihre Bewegungen zu analysieren. Zwei Breitmaulnashörner liegen faul im Gras. Der Südafrikaner fährt ganz dicht an sie heran. „Das Paar war die ganze Nacht unterwegs und hat gefressen. Gut“, sagt Strydom, der mit Leidenschaft Ranger ist. Beide Tiere, wie auch Löwen oder Zebras, tragen Chips, mit denen man sie immer und überall lokalisieren kann.

Die Zebras müssen gezählt werden

„Wir beobachten die Tiere jeden Tag“, sagt er. Zu ihrem Schutz sind im Park bewaffnete Patrouillen unterwegs, besonders in der Nähe der Nashörner und Elefanten. „Ein Kilo Horn bringt auf dem asiatischen Markt 50.000 Euro.“ Die als Aphrodisiakum begehrten Produkte sind vor allem bei den Chinesen und Vietnamesen beliebt. „Diese Tiere wird es bald nicht mehr geben. Es geht dabei um organisierte Wilderei. Derjenige, der das Tier erschießt, bekommt am wenigsten, umgerechnet etwa 200 Euro.“ Brendon erklärt, dass alles sehr schnell geht. Nach dem Töten wird dem Tier das wertvolle Horn abgetrennt und umgehend außer Landes gebracht. „Wir sind fast machtlos, obwohl wir die Tiere durch Bodyguards  beschützen. Denn auf die Wilderer können wir nicht so einfach schießen, das wird in Südafrika als versuchter Mord angesehen.“ Den Rangern sind somit die Hände gebunden, manchmal können sie nur tatenlos zusehen. Und die Strafe, die Wilderer bekommen, ist gering. Daher werden im Gondwana-Reservat auch ganze Schulklassen unterrichtet. Die Kleinen sehen die Tiere oft zum ersten Mal und sind begeistert. „Damit sie lernen, ihre Umwelt zu schützen“, sagt Sandra Claassen. „Tierarten wie Nashörner wird es bald nicht mehr in freier Wildbahn geben.“ Die 44-Jährige ist immer dabei, wenn es um Artenschutz geht, zum Beispiel bei einem Fest der Deutschen Schule in Kapstadt.

Zum Mittagessen kommen Wildhüter und Touristen zurück ins Camp. Am Spätnachmittag beginnt die zweite Tour. Diesmal wird eine Elefantenherde aufgespürt. Auch hier geht es ganz nah ran. Koordinaten werden ausgetauscht und aufgeschrieben. Anhand der Exkremente lässt sich erkennen, welche Pflanzen gefressen wurden. Plötzlich macht ein Bulle mit zwei riesigen Stoßzähnen kehrt und kommt direkt auf den Landrover der Urlaubs-Ranger zu. Zwei Meter davor bleibt er stehen.

Brendon startet den Wagen und fährt ein Stück zurück. Das ist alles, was der Elefant will. Hier beginnt sein Reich, und das macht er den Besuchern mit dieser Geste unmissverständlich klar. Dann trottet der graue Riese auch schon von dannen. „Es ist nicht schwer, zu verstehen, was Elefanten uns mitteilen wollen“, sagt der 32-Jährige. Die kurze Anspannung steht den Gästen noch ins Gesicht geschrieben. Weiter geht es zu den Löwen, die erstmal mittels Satellitenfunk und Antenne geortet werden. Und schließlich bewundern alle den roten Sonnenuntergang über der Savanne mit seinem milden glühenden Licht. Zurück im Camp wird geduscht und auf der Terrasse des Lounge-Zeltes ein später Sundowner genossen. Das Kudo-Horn ertönt wieder. Zwei lang gezogene Töne kündigen das Abendessen an. Danach sitzen Gäste und Ranger zusammen am Lagerfeuer, bei einem kühlen Bier, einem südafrikanischem Wein oder einem Buschtee, je nach Gusto.

Und gemeinsam erinnern sie sich an die Begegnungen des Tages: An die zwei schläfrigen Nashörner, die sich der Gefahr, der sie täglich ausgesetzt sind, niemals bewusst werden, an den Elefantenbullen mit den zwei riesigen Stoßzähnen und seine unmissverständliche Warnung. Außerdem an die zwei Löwinnen und ihre Jungen, die unbeschwert durch den Busch tollen. Die „Ranger auf Zeit“ nehmen schließlich das gute Gefühl mit in ihre Zelte, ein Stück weit zu deren Rettung beigetragen zu haben.

Sabine Ludwig




Weitere Infos: www.elelaafrica.com

Die Reise wurde von Elela Africa unterstützt.

Merken

Merken

Bild der Woche