Bierfranken im Jubiläumsfieber
Bierfranken im Jubiläumsfieber
26. August 2016

Bamberg sollte bei Bierfans als Reiseziel ganz oben stehen, denn hier wird Biertradition groß geschrieben. 50 verschiedene Sorten des Gerstensaftes kann man in der Stadt probieren, im Umland sogar mehr als 300. Und kulturelle Highlights gibt’s obendrauf.

Die Sommersonne hat ordentlich eingeheizt – wunderbar, wenn nach einer Wanderung oder Radtour schattige Plätze unter hohen Bäumen in einem alten Biergarten zum Verweilen einladen. Das verheißungsvolle „Plopp“ der Bügelflasche vom Nachbartisch weckt die Vorfreude auf ein kühles „Helles“. Derartige Idylle hat Oberfranken in Bayern, oder Bierfranken, wie es auch liebevoll genannt wird, mehr als genug zu bieten.

Das Reinheitsgebot machte Schluss mit Giftkräutern

Malz, Hopfen, Hefe und Wasser sind die einzigen Zutaten, die gut gebraut und in der richtigen Kombination das flüssige Gold ergeben. So will es das deutsche Reinheitsgebot, das auf einen Erlass des bayerischen Fürsten Wilhelm IV. zurückgeht und sich im aktuellen Jahr zum 500sten Mal jährt. Es ist also kein Wunder, dass sich gerade in Oberfranken in diesem Festjahr alles ums Bier dreht.

Der Gerstensaft wird in Bamberg und Umland urkundlich dokumentiert seit über 900 Jahren gebraut. Heute gibt es noch zehn Brauereien in der Stadt und 90 im direkten Umland. Obwohl die Zahl deutlich zurückging, ist man in Franken nach wie vor stolz auf sein Bier. Bei deutschlandweit über 1.300 Brauereien führt Bayern mit 620 eindeutig die Spitze an.

Besonders die Vielfalt begeistert Fans. Sie können in Bamberg 50 verschiedene Biere verkosten, im Umland sogar mehr als 300. Geschätzt wird in der Gegend das Rauchbier. Gebraut werden auch Pils, Lager, Bock, Märzen und andere.

Bayern hat die meisten Brauereien in Deutschland

Fast jeder Meter in Bambergs Altstadt bezeugt ein Stück Biertradition. In den lebhaften Gassen treffen Einheimische und Touristen auf historisches Erbe. Es geht zurück auf Kaiser Heinrich II. Er gründete 1007 das Bistum Bamberg und erhob die Stadt damit zum religiösen und politischen Zentrum.

Im Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont, dehnt sich Bambergs historischer Stadtkern auf 142 Hektar aus. 1993 nahm die Unesco die Altstadt in die Liste des Weltkulturerbes auf. Sie besteht aus Berg-, Insel- und Gärtnerstadt.

Am besten erschließt man sich die kulturellen Highlights zu Fuß. Auf alten Handelsstraßen führen Stadtrundgänge an bekannten Zeitzeugen vorbei. Sehenswert sind der Kaiserdom, barocke Paläste, mittelalterliche Kirchen, das alte Rathaus mitten in der Regnitz oder die als „Klein Venedig“ bekannte ehemalige Fischersiedlung. Unweigerlich kommt man an Traditionsbrauereien wie der „Brauerei Fässla“ und der „Brauerei Spezial“ vorbei. Früher lockte das „Fenster zum Glück“ – dort holte man sich „Gassenbier“. Für den Transport brachten Nachbarn und Gäste eigene Gefäße mit. Braumeister Brockard vom Brauereigasthof „Greifenklau“ hat Bier schon in Eimer, Vasen und andere Gefäße abgefüllt.

Außen eher unscheinbar, überrascht das „Greifenklau“ mit seinem Traditionsbiergarten im Hinterhof. Ordentlich unter großen Kastanien aufgestellt, erwarten typische Bierschrannen – besondere Biertische und -bänke – ihre Gäste. Bei Fränkischen Spezialitäten und Hausgebrautem genießt man den Blick ins Tal und auf die Altenburg.

„Greifenklau“ ist nicht nur Brauerei­gasthof, sondern auch Keller. Im Gewölbe unter der Brauerei liegt der ehemalige Bierlagerkeller. Er wurde vor der Zeit der Kühlhallen im Winter mit Eisplatten aus überfrorenen Weihern bestückt, die das Bier im Sommer abkühlten. „Auf den Keller gehen“ sagt man deshalb, weil sich die Schankstätten über den jeweiligen Bierkellern befanden, damit das Bier kühl beim Gast ankam.

Selbstredend locken in Bamberg zum Festjahr unterschiedliche Angebote Bier-Fans in die Stadt. Sei es zur Bierverkostung, Bier-Entdeckungsreisen durch die Brauereilandschaft, am Bier orientierte Stadtführungen oder Vorträge.

Im Brauereimuseum erfährt man Wissenswertes über die Herstellung des Gerstensafts, und wem das nicht genügt, der taucht an der Bierakademie ganz tief in die Bier-Materie ein. Zu Bambergs „Bierkosmos“ zählen neben Brauereien, jungen Braumanufakturen und Bierkellern auch zwei Mälzereien sowie die weltweit älteste Brauereimaschinenfabrik.

Offenbar wurde das deutsche Reinheitsgebot 1516 dringend notwendig. Nach dem Bierkonsum traten bei Gästen Halluzinationen auf. Damals setzte man dem Bier giftige Kräuter zur Würzung zu. Als Maßnahme verbot man alle Zutaten außer Wasser, Hefe, Gerste und Malz im edlen Gerstensaft.

Heute erlebt die Bierwelt eine Veränderung: Das handgebraute „Craft Beer“ macht auch vor dem eher Bier-konservativen Oberfranken nicht halt. Es schwappte als Gegentrend zum industriell produzierten Bier für den Massenmarkt aus den USA nach Europa.

Vor allem junge Braumeister wie David Hertl experimentieren in Mini-Braumanufakturen mit neuen Kombinationen und Geschmacksrichtungen. Vom Reinheitsgebot weicht er dabei ab. Er braut Bier zusammen mit Weinen, Bränden oder Obst. Heraus kommen Kreationen mit klangvollen Namen, die lecker oder für die Geschmacksknospen auf der Zunge eine Herausforderung sein können.

Nach dem Mittelalter erlebte Bamberg im Barock dank seiner Fürstbischöfe eine zweite Blüte. Viel Geld und Energie wurde in die zeitgemäße Umgestaltung der Stadt investiert. Das mittelalterliche Fachwerk ließ man übermalen und für die Anstriche neuer Bauten gab es sogar steuerliche Anreize.

Auch für die Errichtung ihrer Sommerresidenzen gaben die Fürstbischöfe großzügig Geld aus. So finden sich in Bambergs Umland immer noch gut erhaltene Spuren fränkischen Barocks. Ein Abschnitt der Burgenstraße führt zu den Schlössern Greifenstein, Rentweinsdorf und Schloss Seehof.

Ganz im Sinne des herrschenden Zeitgeists schuf Johann Dientzenhofer neben dem pompös ausgestatteten Schloss Weissenstein in Pommersfelden 1714 auch das etwas kleinere Schloss Reichmannsdorf. Er baute es als Sommerresidenz für Wolf Philipp von Schrottenberg.

Neben dem Schlossgeist, den bislang noch niemand zu Gesicht bekam, hat das alte Gebäude auch in diesem Jahr eine gut sichtbare Attraktion: Ein Storchenpaar zieht auf dem Dach seine Jungen groß. Nahrung findet es genug am angrenzenden, idyllisch gelegenen Schlossteich. Dieser gehört zu einem gut gepflegten 18-Loch-Golfplatz.

Direkt am Schloss liegt das „Lindner Hotel Schloss Reichmannsdorf“ bei Schlüsselfeld. In schönem Ambiente bietet es Raum für 75 Hotelgäste, Tagungen, Hochzeiten und andere Events. Teile des Schlosses werden für Tagungszwecke genutzt. Für das „Bier-Jahr“ hat sich das Management besondere kulinarische Angebote ausgedacht.

Wer sich direkt um Bamberg nach kulinarischen Ausschweifungen und Biergenüssen etwas Gutes tun möchte, radelt oder wandert sich die angetrunkenen Extrapfunde auf den eigens ausgetüftelten Bierwegen wieder ab. Automatisch und regelmäßig kommt man zum Nachfüllen an zahlreichen kleinen Brauereien und idyllischen Bierkellern und -gärten am Wegesrand vorbei.

Mehrere hundert Kilometer Wander- und Radwege

Natürlich gibt es in der Region auch unabhängig vom Bier mehrere hundert Kilometer Wander- und Radwege. Beispielsweise der „Auenweg Obermain“ oder der „Sieben-Flüsse-Wanderweg“. Neben dem Maintal gehören zum Bamberger Umland auch Teile der Naturparks Steigerwald, der Haßberge und der Fränkischen Schweiz.

Der „Methusalem-Wanderweg“ führt direkt an der neuesten Attraktion im Steigerwald vorbei: dem Baumwipfelpfad bei Ebrach. Seit März 2016 hat er seine Pforten für Jung und Alt geöffnet. Auf 41 Meter schraubt er sich in einer Spirale über neun Etagen mitten im alten Buchenbestand in den Himmel.

Von Heike Pander





Info:

Allgemeine Stadt-Infos:
www.stadt.bamberg.de

Brauereimuseum:
www.brauereimuseum.de

Brauereimanufaktur Hertl:
www.brauereimanufaktur-hertl.de

Wandern & Radeln:
www.steigerwald-info.de
www.netzwerk-steigerwald.de
www.steigerwald-panoramaweg.de




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