"Die geilste Ausstellung"
"Die geilste Ausstellung"
6. März 2015

In Stuttgart-Zuffenhausen haben sich zwei Unikate zusammengeschlossen: der Autobauer Porsche und Kultrocker Udo Lindenberg. Heraus kam die einzigartige Ausstellung „Porsche.Panik.Power“.

Dass Deutschlands bekanntester Rockmusiker auch ein erfolgreicher Pop-Art-Künstler ist, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Seine Bilder malt er mit Likör und nennt sie „Likörell“ – seine weltweit patentierte Erfindung.

Nun hat der Autohersteller Porsche Udo Lindenbergs eigenwillige Kunst mit seinen Luxus-Wagen in der Ausstellung „Porsche.Panik.Power“ zusammengebracht. Über 400 Exponate von Udo Lindenberg in Verbindung mit verschiedenen Porschemodellen aus unterschiedlichen Zeitepochen sind zu sehen. Neben besagten Likörellen und Installationen auch zahlreiche Stücke aus seiner Privatsammlung. Stationen seiner Karriere, sein gesellschaftliches Engagement und sein künstlerisches Wirken finden sich da.

FORUM traf den Musiker vor Ort beim offiziellen Presserundgang. Udo locker voran, mit alkoholfreiem Weizenbier und einer Zigarre in der Hand.
„Es ist die geilste Ausstellung, die man in Deutschland so sehen kann“, sagt er begeistert. „Finde nicht nur ich, finden viele. Und in Kombination mit diesen fixen Autos, mit denen ich ja auch viel unterwegs bin und meine Texte darin mache. Dazu sind es auch noch fast emissionsfreie Autos, ich lege da selber großen Wert drauf. Hab‘ den Porsche-Ingenieuren auch immer gesagt: wenig fossile Brennstoffe, viel Hybrid, damit der Igel am Straßenrand mal wieder ordentlich durchatmen kann.“
Auf die Frage, was das mit seinem Leben zu tun habe, Udo und Porsche, meint er: „Nun, ich bin ja viel unterwegs, auf Tournee und viele andere Sachen. Das ist eine straighte Firma, wie mein Hut. Sie sind auch die Unterstützer unserer Stiftung, die ja ihren Sitz in Calw hat, ein paar Kilometer weiter. Tun auch gut Kohle spenden für unsere Afrika-Initiativen. Das läuft prima und hier in diesen wunderbaren Räumen zu sein – architektonisch herausragend. Da waren Weltmeister am Start. Treffen der Champs!“

Es ist ein beeindruckender Rundgang durch Udo Lindenbergs Leben. Zum Beispiel hat er auch Exponate seines Bruders mitgebracht, des Kunstprofessors Erich Lindenberg, dessen überraschenden Tod am 16. September 2006 Udo Lindenberg in seinem Lied „Stark wie zwei“ verarbeitete.

Private Fotos und die Stasi-Akte

Fotos sind zu sehen, zum Beispiel von seinen Eltern, Gustav und Hermine – er widmete ihnen jeweils eine ganze Platte. Auch Dokumente und Stationen seines politischen Lebens stellt der Künstler zur Schau. Darunter natürlich auch Auszüge aus seiner Stasi-Akte.

Der Leiter des Porschemuseums, Achim Stejskal, dazu: „Für uns ist die Ausstellung ‚Porsche.Panik.Power‘ natürlich sehr wichtig. Es gibt sehr viele Parallelen zwischen dem Lebenswerk von Udo Lindenberg und Porsche. Genauso haben wir die Ausstellung auch hier konzipiert und gestaltet. Es gibt nicht nur die Bilder und die Musikgeschichte von Udo Lindenberg, sondern immer die Verknüpfung zwischen dem zeitgeschichtlichen Hintergrund der Porschefahrzeuge und seiner Malerei und dem Leben von Udo Lindenberg.“ Porsche sei genauso wie Udo Lindenberg eine Kultmarke, so Stejskal weiter. „Seit über 40 Jahren hat er die deutsche Musik geprägt. Und wir haben das deutsche Automobil geprägt.“

Was die Besucher betrifft, hat der Museumsleiter eine ganz klare Erwartungshaltung: „Wir sind ja grundsätzlich international. Wir haben 30 Prozent ausländische Besucher. Aber auch Udo Lindenberg ist im Ausland sehr wohl bekannt. Von daher erwarten wir sehr viele Besucher, vor allem, da wir mit dieser Ausstellung auch eine ganz andere Zielgruppe ansprechen.“ Nicht nur Autofans will Stejskal erreichen, sondern auch Menschen, die sich für Udo Lindenberg oder Kunst interessieren. „In Verbindung mit diesem einzigartigen Gebäude hier in Zuffenhausen, der Kunst und den über 100 Fahrzeugen, die wir zeigen, haben wir ein sehr unikatives Ausstellungskonzept geschaffen.“

Wer Udo Lindenberg kennt wie kein anderer ist der Bassist und Mitgründer seines Panik-Orchesters, Steffi Stephan. „Schon als kleine Jungs träumten wir von Porsche“, verrät er. „Da waren wir so um die 15 Jahre. Das erste richtige Auto, das Udo sich kaufte, war ein Porsche. Das war bei mir übrigens genauso.“ Stephan bezeichnet deshalb das Ausstellungskonzept als „sehr authentisch“. „Diese Nähe zu dieser Firma, die ja weltweit Qualität von deutschen Autos repräsentiert, das ist schon schön. Und dass Porsche selber Udos Nähe sucht und dies alles in diesem herrlichen Museum präsentiert! Dies ins Verhältnis zu Udos Bildern zu stellen, ist eine gelungene Idee. Ich selber finde es hervorragend gelöst.“

Farbe spritzendes Schlagzeug

Nach dem Presserundgang liefert Panikrocker Udo dann eine besondere Show. Mit einem Farbe spritzenden Schlagzeug, dem von ihm selbst erfundenen „Ejakulator“, malt Udo ein wandgroßes Bild auf eine über sieben Meter große Leinwand.
Bevor er dann mit dem Panik-Orchester zum Mikro greift, werden noch Exponate für seine Stiftung und ein Stuttgarter Kinderkrankenhaus versteigert.

Musikalisch tourt der Rocker gerade mit seiner „Panikparty“ durch die Republik. Ins Saarland hat es ihn allerdings schon lange nicht mehr verschlagen. Liegt wohl an den zu kleinen Hallen, die er nicht mit einem Zeppelin durchfliegen könnte, wie er das auf der letzten Tour bei seinen Konzerten machte.Aber: „Saarland, da habe ich große Sehnsucht“, sagt er.

„Muss mal bald wieder hinkommen. Auf der nächsten Tour müssen wir das mal wieder mit einplanen. 2015 sind ja nur Stadionkonzerte, etwa am 18. Juli in Frankfurt um die Ecke, da machen wir große Familienfeier, da freue ich mich auch auf viele aus dem Saarland! Und dann starten wir die Planung für das nächste Konzert im Saarland! I love Saarland!“

Rolf Klöckner

INFO

„Porsche.Panik.Power.“
Eine Ausstellung von und
mit Udo Lindenberg
Bis 12. April
Porscheplatz 1
70435 Stuttgart-Zuffenhausen
Telefon 0711-91120911
info.museum@porsche.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 9 bis 18 Uhr



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