Faszinierende Welten
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7. April 2017

Meeresschildkröten, Mangrovenwälder und traditionelle Heilkunst: Thailands Süden beeindruckt mit Natur und Kultur.

Missoni und Dory, die beiden Grünen Meeresschildkröten, die eigentlich nicht grün gefärbt sind, sondern grau-orangefarben, zögern keine Sekunde. Kaum sind sie am Thai-Muang-Strand in der thailändischen Provinz Phang Nga in den Sand gesetzt, kennen die beiden Tiere nur noch eine Richtung. Sie pflügen sich geradeaus durch den Sand und steuern zielsicher das weiß schäumende Wasser der Andamanensee an, das hier rhythmisch auf den Sand schwappt. Dabei haben die beiden Schildkröten das Meer bislang noch gar nicht kennengelernt, sondern die etwa acht Monate ihres bisherigen Lebens ausschließlich in einem kleinen Becken verbracht. Dieses Becken befindet sich im Phang Nga Coastal Fisheries Research and Development Center, einer Einrichtung des thailändischen Fischereiministeriums. Dort sind die beiden Schildkröten untergebracht worden, nachdem sie an einem gesicherten Ort aus den Eiern geschlüpft waren. Diese haben Mitarbeiter des Schildkrötenschutzprojektes, das in dem Zentrum angesiedelt ist und von der Provinz Phang Nga finanziert wird, auf den Similian- und den Surin-Inseln eingesammelt. In den Naturschutzgebieten auf diesen Inseln wären die Eier zwar nicht von Menschen bedroht gewesen, die solche Schildkröteneier sammeln und essen, aber möglicherweise wären sie bei Sturm und hohem Seegang vom Meer weggespült worden.

Programm zum Schutz der Schildkröten

Seit es in Thailand immer weniger Meeresschildkröten gibt, will man das verhindern. „Die Tiere sind bedroht durch die Verbauung der Küsten, aber auch durch die großen Fischereiflotten vor unseren Küsten und entlang der Schwimmroute der Tiere, bei denen die Schildkröten häufig als Beifang im Netz landen“, berichtet Nipon Seanin, der Leiter des Schutzprojekts. Als das Schildkrötenschutzprogramm vor zehn Jahren gestartet worden war, gab es in Thailand noch fünf verschiedene Arten von Meeresschildkröten, eine davon, die Unechte Karettschildkröte, ist seither bereits verschwunden.

Der Biologe Nipon Seanin, der in seinem Zentrum immer wieder auch verletzte Schildkröten aufnimmt, sorgt sich, dass bald weitere Arten verschwinden könnten. Zumindest bei den Grünen Meeresschildkröten will er dem entgegenwirken, indem die Jungtiere in Salzwasserbecken durch die kritischen Monate gebracht werden.

Schildkröten schwimmen weite Strecken, von Thailand geht es zuweilen bis auf die Philippinen, nach Indonesien und sogar nach Australien, doch irgendwann, meist nach zehn bis 15 Jahren, kehren sie dorthin zurück, wo sie geboren wurden – und legen dort ihre Eier in den Sand. Ob und wann Missoni und Dory den Thai-Muang-Strand wieder ansteuern, das will Nipon Seanin herausfinden. Deshalb ist den beiden Tieren ein Chip implantiert worden, der es ermöglicht, ihren Aufenthaltsort festzustellen, vorausgesetzt, sie befinden sich in der Nähe der thailändischen Küste.

Eines der wichtigsten Ökosysteme in Küstennähe, gewissermaßen die Kinderstube des Meeres, sind Mangrovenwälder. An der Andamanenküste wurden diese im Jahr 2004 durch den verheerenden Tsunami stark beschädigt, doch mittlerweile haben sie sich vielerorts regeneriert. Im Dorf Tha Din Daeng haben sich einige Einheimische zu Guides ausbilden lassen, die in- und ausländische Besucher im Kajak durch die Mangroven schippern. Das verschafft ihnen Einkommen und erhält die dörflichen Strukturen ebenso wie die Fischerei und der Gemüseanbau in Permakultur, der in dem Dorf ebenfalls gefördert wird. Auf dem Weg zu unserer Anlagestelle kommen wir an einer abschüssigen Rampe, deren Steine von Moos überwuchert sind. Die Region Phang Nga und die Insel Phuket lebten Jahrzehnte lang vor allem vom Zinnabbau, der meist im Tagebau betrieben wurde. Heute ist dieser Rohstoffboom vorbei, doch seine Überreste, etwa die alte Rampe, sind vielerorts zu finden – auch wenn die Bergbaugebiete inzwischen oft in Lagunen und sogar in Golfplätze verwandelt wurden. Oder man hat sie mit Cashewbäumen bepflanzt, weil diese auch auf schlechten Böden gedeihen.

Nur wenige Touristen bereisen Tha Din Daen

Während wir zu Fuß zur Einsatzstelle gehen, werden die Kajaks auf einem Motorradbeiwagen transportiert. Anschließend dürfen sich jeweils ein bis zwei Besucher zusammen mit einem einheimischen Paddler in ein Boot setzen – und nun können sie die Umgebung genießen und immer wieder die verschiedenen Lebewesen im Mangrovenholz beäugen, etwa Muscheln, Fische, Krebse, Garnelen oder Krabben.

Nach etwa einer Stunde auf dem Wasser legen sie am Ufer an – auf einem Pfad geht es durch eine grüne Buschlandschaft, die, so betonten die Guides, sich in der Trockenzeit ab Ende Januar gelb färbt und dann anmutet, als wäre es afren über Kräuter und traditionelle chinesische Heilkunst.

Der 43-jährige Thanakrit Sukjirung pflegt diese Traditionen noch heute, er ist Inhaber einer der ältesten chinesischen Apotheken in der Region und verkauft an seine Gäste Kräuter- und Rindenmischungen, die als Tee aufgebrüht oder in Alkohol eingelegt werden. „Am häufigsten kommen Leute zu uns, die Fieber oder Menstruationsbeschwerden haben“, berichtet der Apotheker – und gibt einem seiner Kunden eine passende Rindenmischung für Menstruationsbeschwerden in die Hand. Der Mann wurde von seiner Frau geschickt, um diese zu holen.

Während sein Vater Viboon Sukjirung und sein Urgroßvater die Apotheke noch im traditionellen Stil betrieben haben, hat Thanakrit das althergebrachte Wissen durch eine fundierte Ausbildung in traditioneller chinesischer Medizin an einer Bangkoker Universität ergänzt. Dadurch hat er den Vorteil, nicht nur Wirkstoffe verkaufen zu können, sondern ist auch in der Lage, fundierte Diagnosen zu erstellen. Einer unserer Mitreisenden, er ist eher kahlköpfig, nutzt die Chancen, den Experten nach einem Mittel gegen Haarausfall zu fragen – doch da muss Thanakrit Sukjirung leider passen. Traditionelle Heilmittel hat er im Angebot, Wundermittel jedoch nicht.

Eine ganz spezielle Mischkultur wurde hier geformt

In der Zeit, in der die Region boomte, strömten nicht nur Arbeiter, Apotheker und Händler aus China hierher, auch zahlreiche Menschen aus Malaysia, Indonesien und Indien ließen sich hier nieder. Sie formten eine ganz spezielle Mischkultur – die Peranakan- oder Baba-Kultur, an die im Ort Takua Pa ein kleines Museum erinnert, in der etliche Multikulti-Trachten ausgestellt sind. Die meisten von ihnen verbinden eine bestickte Bluse mit einem Batiksarong. Eine einzigartige kulturelle Mischung, die in dieser Form typisch sind für den thailändischen Süden – und die bei einer Reise in die Region Phang Nga entdeckt werden kann, ebenso wie die von sinoportugiesischer Architektur geprägte Stadt Takua Pa. Sie liegt von den Stränden bei Khao Lak nur etwa 30 Kilometer entfernt und wirkt, als läge sie in einer Art Dornröschenschlaf. Doch wer weiß, vielleicht verpasst ihr der Arzt und Apotheker Thanakrit Sukjirung ja bald schon eine Hallowach-Kräutermischung.

Rainer Heubeck


Info

Einreise Touristische Aufenthalte bis zu 30 Tage sind für Deutsche, Österreicher und Schweizer visafrei. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein.

Übernachten und Aktivitäten
Die Region Phang Nga erkundet man idealerweise von einem Strandhotel in Khao Lak aus. Vor allem bei deutschen Gästen sehr beliebt ist das Ramada Khao Lak Resort, rsvn@ramadakhaolak.com, www.ramadakhaolak.com.
Neu und exklusiver ist das Fünfsternehotel The Sands Khaolak, E-Mail booking@thesandskhaolak.com, www.thesandskhaolak.com.
Ein erfahrener Anbieter für geführte Ausflüge in der Region ist Eco Khao-lak Adventure, kwan@ecokhaolak.com, www.ecokhaolak.com. Der Veranstalter organisiert unter anderem Stadtbesichtigungen in Takua Pa und Kajaktouren durch die Mangroven.
Das Thai Muang Turtle Sanctuary befindet sich im Phang Nga Coastal Fisheries Research and Development Center etwa 30 Kilometer südlich von Khao Lak, es hat normalerweise von 8.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Weitere Infos gibt es bei Miss Patcharee Nuansritong, Telefon 0066-890391852.

Klima
In der Region Phang Nga herrscht tropisches Klima mit einer hohen Luftfeuchtigkeit, die beste Reisezeit ist die Trockenzeit von November bis Mai, wobei auch in dieser Zeit Niederschläge möglich sind. Die Hauptregenzeit ist von Juni bis Oktober.

Infos
Thailändisches Fremdenverkehrsamt, Bethmannstraße 58, 60311 Frankfurt/Main
Telefon 069-1381390, info@thailandtourismus.de, www.thailandtourismus.de.




Schon gewusst?

Kinderprostitution
In den 90er-Jahren klebte an Thailand in dieser Hinsicht ein übler Ruf – und dies auch zu Recht. Inzwischen haben diverse Maßnahmen der Regierung aber Wirkung gezeigt. Kinderprostitution wird in Thailand scharf verfolgt und entsprechend geahndet. Zu den härteren Gesetzen kommen noch Nichtregierungsorganisationen wie beispielsweise ECPAT (End Child Prostitution and Trafficking of Children) und HHNFT (Human Help Network Foundation Thailand), die sich stark für den Kinderschutz engagieren.

Trotzdem wäre es naiv, anzunehmen, dass Kinderprostitution komplett aus Thailand verschwunden wäre. Und zur Wahrheit gehört auch, dass sich das abscheuliche Treiben in den vergangenen 15 Jahren einfach nur schrittweise verlagert hat: über die Grenze ins deutlich ärmere Kambodscha.

Religion

Die Staatsreligion in Thailand ist der Buddhismus, der sich generell sehr tolerant und liberal zeigt. So ist auch den Anhängern anderer Religionen der Zugang zu den heiligsten Stätten erlaubt. Entsprechend respektvoll sollte man sich als Tourist dort verhalten. Tempel dürfen nur ohne Schuhe und in gebührlicher Kleidung betreten werden. Schulterfreie Oberteile oder kurze Hosen und Röcke sind unangebracht.

Fettnäpfchen vermeiden
Der Kopf gilt in Thailand als heilig. Dementsprechend sollte man einen Menschen nie am Kopf berühren – das gilt auch für Kinder. Auch Händeschütteln kommt in der thailändischen Kultur nicht vor. Man sollte dies also nur tun, wenn ein Thai es von sich aus anbietet. Als unreiner Körperteil gelten die Fußsohlen. Es ist daher zu vermeiden, mit den Füßen auf andere Personen oder gar ein Abbild des Königs zu zeigen, der in Thailand extrem verehrt wird. Dies gilt für den verstorbenen König Bhumibol als auch für seinen Nachfolger Maha Vajiralongkorn. Majestätsbeleidigung ist in Thailand ein ernsthaftes Vergehen und wird strikt geahndet.

Nacktheit ist in Thailand grundsätzlich ein Tabu. Es gibt keine FKK-Strände, und das Baden „oben ohne“ ist für Frauen an Stränden und Hotelpools nicht gestattet. Auch allzu intime Liebesbekundungen wie Küsse sind in der Öffentlichkeit verpönt.
Beim Betreten eines Tempels oder eines Wohnhauses sollen grundsätzlich die Schuhe ausgezogen werden – dies gilt mitunter auch für Geschäfte und Arztpraxen.



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