Kleine Indianer auf Entdeckertour
Kleine Indianer auf Entdeckertour
14. Juli 2017

Das Freizeitzentrum Finkenrech in Dirmingen ist bei gutem Wetter immer einen Besuch wert. Kinder erleben hier spielerisch Natur und Umwelt.

Lautes Indianer-Geschrei ist zu hören. Blätter rascheln, Äste knacksen. Eine Schar Kinder rennt quer durch den Wald. Mittendrin Agnes Schmal. Sie ist Angestellte bei der Tourismus- und Kulturzentrale des Landkreises Neunkirchen. Eine ihrer Aufgaben ist die Durchführung verschiedenster Gruppenführungen am Freizeitzentrum Finkenrech in Dirmingen. Von März bis Oktober steht ein vielfältiges Mitmachangebot unter dem Motto „Natur und Umwelt erleben“ auf dem Programm.

Gerade erkundet Agnes Schmal mit einer Horde Grundschüler den Lebensraum Wald. Als Indianer heißt es, Tieren und Pflanzen auf die Spur zu kommen. „Fühlt, wie weich das Moos ist. Hier könnten Hasen schlafen“, animiert die erfahrene Gruppenleiterin die Kinder, ihre Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen. Begeistert wollen die Kleinen das Bettchen im Wald ausprobieren. Die siebenjährige Emma aus Eppelborn kuschelt sich auf das grüne Moos. Wo leben Fuchs und Eichhörnchen? Was kann man essen und was besser nicht? Das sind Fragen, die Schmal den Kindern auf ihrer Tour näherbringt. Durch Sehen, Hören, Schmecken und Tasten. „Meine Mission ist, die Kinder aufmerksam und neugierig für die Umgebung zu machen“, meint Schmal, „dabei dürfen und sollen die Kinder frei spielen können, ihre Fantasie öffnen. Manche Kinder wirken, als würden sie das erste Mal mitten durch den Wald gehen. Aber auch Achtsamkeit ist wichtig.“ Spielerisch lernen die Kinder.

Ähnlich geht es auch bei dem Programm „Finkis abenteuerliche Weltreise“ zu. Ebenfalls unter der Leitung von Agnes Schmal. Seit zehn Jahren betreut sie bereits die Gruppen am Finkenrech. Die dreifache Mutter hat dabei ihre eigenen Ideen für die Entdeckertouren ausgearbeitet. Bei der fantasievollen Entdeckungsreise erfahren die Kinder, wo der Pfeffer wächst und erforschen, ob der Kaugummibaum schon Früchte trägt. Im spielerischen Wettbewerb mit Wissensfragen zu Ländern und Erdteilen, Bewegungsspielen oder kreativen Basteleien sammeln die Kinder Punkte, die am Schluss in einen „Finki-Weltreise-Orden“ umgewandelt werden.

Tierisch geht es bei einer Wanderung mit Eseln zu. Durch die Wälder rund um Finkenrech führt der Weg. Die Kinder lernen das Verhalten der Tiere kennen und erfahren, was deren Lieblingsspeisen sind. Warum wird der Wald nicht mehr aufgeräumt? Und wieso sind einige Pilze an den Bäumen keine Schädlinge? Diese und andere Fragen werden ganz nebenbei in kindgerechter Art und Weise beantwortet.

Die Angebote richten sich an Kinder zwischen vier und 15 Jahren. Die Gruppengröße beträgt dabei maximal 25 Personen und kostet durchschnittlich 60 Euro pro Gruppe. Schulklassen, Gäste von Kindergeburtstagen oder Ferienfreizeiten nehmen regelmäßig daran teil. Ein bis zwei Erwachsene sollten als Betreuer mitgehen, damit Agnes Schmal unbekümmert ihre Tour innerhalb von zwei Stunden durchführen kann. Was die Kinder brauchen? „Vor allem die passende Kleidung“, betont Schmal, „und das sind auch im Sommer lange Hosen, Strümpfe und feste Schuhe. Es gibt Zecken, Ameisen, die kribbeln, Stöcke, die piksen.“ An Proviant sollte außer Trinken nichts im Rucksack sein. Zeit für ein Picknick ist hinterher. Bei Bedarf kann eine Grillhütte angemietet werden. „Das ist auch aus hygienischen Gründen wichtig. Die Kinder sollen schließlich alles anfassen, erleben dürfen.“ Deshalb ist das Händewaschen am Ende obligatorisch.

Für etwas ältere Schüler gibt es eine GPS-Entdeckertour. Nach einer Einführung in das Thema GPS und den Umgang mit den erforderlichen Geräten machen sich die Teilnehmer in kleinen Gruppen auf die Suche nach spannenden Entdeckerpunkten rund um Finkenrech. Hierbei gilt es, Beobachtungen zu machen und Hinweise auf die jeweils nächste Station zu finden. Das selbstständige Agieren der jungen Menschen stehe im Vordergrund, da es gemeinschaftliches, kommunikatives und kreatives Handeln fördere.

Woher kommt der Honig?

Wer es etwas ruhiger mag, für den stehen drei kulinarische Themen zur Wahl. In „Finkis Bäckerei“ zeigt Agnes Schmal den Kindern den Weizen, mahlt die Körner und rührt den Teig an, um dann im selbst angefeuerten Holzofen frische Brötchen zu backen. Und bei „Finkis Küchenwerkstatt“ nutzen die Teilnehmer den malerisch angelegten Garten des Freizeitzentrums. „Ich ernte mit den Kindern das Gemüse der Saison, wenn möglich, damit kochen wir dann gemeinsam“, berichtet Schmal. Dazu erfahren die Kinder einiges über die ausgewogene und gesunde Zusammenstellung unseres Essens. Nach der Ernte wird geputzt, geschnippelt und je nach Jahreszeit aus Gemüse, Kräutern, Beeren oder Teeblättern etwas Leckereres zubereitet. Knabbergemüse mit Dip, Brotgesichter, Waffeln oder Gemüsesuppe sehen nicht nur toll aus, sondern schmecken auch köstlich. Und schließlich summt und brummt es ja auch noch überall an den farbenprächtigen Blumen der Gartenanlage. Woher kommt der Honig auf unseren Frühstücksbroten und was liefern die Bienen außer Honig noch? Im kurzweiligen Biologieunterricht am Imkerlehrstand werden der Lebenslauf einer Biene und die Bedeutung in ihrer Funktion als Blütenbestäuber dokumentiert. Eine Filmvorführung und eine kleine Honigverkostung runden das Programm ab.

Zum Schluss wartet ein großer Abenteuerspielplatz, der selbst für Kleinkinder und Rollstuhlfahrer geeignet ist, auf die Racker. Rund 56.800 Euro wurden in den barrierefreien Spielplatz, der im vergangenen Jahr fertiggestellt wurde, investiert. Hier kann getobt, gerutscht und geschaukelt werden. Am Ende eines solch erlebnisreichen Tages träumt das kleine Indianer-Mädchen Emma sicher von Hasen auf kuschelweichem Moos.

Marny Meyer

Weitere Informationen unter: www.regionneunkirchen.de/finkenrech/




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