Kuba für alle Sinne
Kuba für alle Sinne
24. Februar 2017

Der Inselstaat in der Karibik ist der Aufsteiger unter den Urlaubszielen – kein Wunder, denn das Land gilt als sicher und hat von wunderbaren Stränden über freundliche Menschen bis hin zu aufregenden Städten viel zu bieten.

Um zu verdeutlichen, dass Kuba DAS Boomland unter den Reisezielen weltweit ist, genügen fürs Erste Zahlen. In Trinidad gab es 2011 nur drei private Restaurants. Heute sind es etwa 100. An den Keys der Nordküste der Provinz Santa Clara entstand 1998 ein erstes Hotel. Heute sind es mehr als ein Dutzend Luxusresorts mit mehreren tausend Zimmern – und die Bagger rollen munter weiter. Das 7.000 Einwohner kleine Örtchen Varadero an der Küste rund 120 Kilometer von Havanna entfernt, wird in jedem Jahr von mehr als einer halben Million Touristen aufgesucht.

Doch was macht Kuba zum aufstrebenden Reise-Traumland? Carlos, der Guide, sagt, man müsse drei Dinge in Kuba dringend tun: Rum trinken, Zigarre rauchen und Salsa tanzen. Es sind die Stereotypen, die einem sofort einfallen, wenn man an Kuba denkt. Gemeinsam mit den alten Autos, die das Bild von Kuba prägen. Die Bilder hat jeder vor sich, der noch nicht in Kuba war. In Deutschland spätestens seit der Regisseur Wim Wenders das Land 1998 mit seinem Dokumentarfilm „Buena Vista Social Club“ mehr als einer Million Kinobesuchern nahebrachte. Und der Soundtrack zur Sehnsuchtsmelodie für viele Reisende wurde. Doch Kuba kann man nicht sehen oder hören, Kuba muss man erleben.

Denn diese wunderbare Insel ist nicht nur sicherer als fast jedes Land auf dem amerikanischen Kontinent, sondern auch unheimlich vielseitig. In jedem Fall ist Kuba kein Land, in dem man einen Ort ansteuert und an diesem zwei bis drei Wochen verbringt. Kuba muss man bereisen. Idealerweise gleich zweimal, denn mit seinen 1.250 Kilometern Ost-West-Ausdehnung ist es kaum in einem Urlaub zu bewältigen. Ideal sind eine West-Tour zum Auftakt und eine Ost-Tour beim Wiederkommen. Wir haben uns zunächst die West-Tour vorgenommen.

Günstig wohnen in Privatunterkünften

Sie startet in Varadero. Ein Strand-Paradies, von einer amerikanischen Touristin nicht ganz zu Unrecht als „plastic“ bezeichnet. Die Strände sind schön, das Städtchen nett, mit Kuba hat es aber wenig zu tun. Als Startpunkt für ein oder zwei Tage, um am Strand runterzukommen, ist es ideal.

Weiter geht es nach Havanna. Die Hauptstadt ist aufregend, spannend und pulsierend. Doch sie lässt sich für den Touristen nahezu komplett auf den Stadtteil Habana Vieja reduzieren. Dort findet er alles, was er sucht. Den wunderbaren Plaza Vieja, die kleinen Gässchen und die schöne Uferpromenade Malecon. Dort schwappt das Meer des öfteren über. Am Tag unseres Besuchs so heftig wie seit Jahren nicht.

Havanna steht auch als lebender Beweis dafür, dass man in Kuba nie in Hotels wohnen sollte. Unsere Nachfragen ergeben: Das kleine Zimmer im Hinterhof eines Cafés, im Reiseführer noch mit 75 CUC angegeben, soll nun 280 CUC kosten. Ein CUC ist in etwa 1:1 zu tauschen mit dem Euro und dem Dollar und eine eigene Währung praktisch nur für Touristen. Einheimische zahlen in Peso und meist einen Bruchteil dessen, was Touristen für das Gleiche zahlen. Man mag das als Abzocke empfinden. Oder als Unterstützung für ein faszinierendes Land mit wunderbaren Menschen, mit denen es ihre Oberen nicht immer gut gemeint haben. Für ein Zimmer im Hostel werden gar 350 CUC aufgerufen. Man kommt sich vor, als habe man einen kleinen Jungen gefragt, was der Apfel in seinem Spiel-Supermarkt kostet und zur Antwort „20 Euro“ bekommen. hören von der Dame an der Rezeption des Hostels: „Aber wir sind ausgebucht“. Wieso zahlt jemand diese Fantasiepreise? Wo man doch in den Privatunterkünften, genannt „Casas Particulares“, wunderbar leben kann. Fast immer mit eigenem Bad und Klimaanlage, fast nie mit Fernseher (aber wer braucht den schon?), aber für 25 bis 30 CUC mit kostenloser Tourismusberatung und regelmäßig billigem und wunderbarem Frühstück.

Regelrecht explodiert ist die Casa-Szene in Vinales, einem kleinen Dörfchen im Westen. Nahezu jedes Haus bietet sich als Casa an, die Stadt ist voll von Touristen und dennoch wunderbar entspannt. In den Bergen kann man reiten, Plantagen besichtigen und hat die beste Aussicht des Landes – zum Beispiel im Restaurant „Balcon del Valle“ auf einem Hügel. Ebenfalls Pflicht ist das erwähnte Trinidad, in dem angeblich seit 1860 nicht wirklich etwas verändert wurde. Auch Strände sind mit Tagesausflügen erreichbar: Von Vinales aus Cayo Jutias und nahe Trinidad der Cayo Ancon.

Und zum Abschluss geht es nach Santa Clara, der Stadt von Ché Guevara. Zwei Statuen, zwei Museen und das Mausoleum des in Argentinien geborenen Revolutionärs, dem es vor allem Kuba angetan hatte, finden sich hier. 1958 brachte er in Santa Clara mit 18 Gehilfen und einem geliehenen Bulldozer einen gepanzerten Sonderzug mit 373 Soldaten, Waffen und Munition zum Entgleisen. Es gilt als der entscheidende Schritt zum Sturz des Batista-Regimes und der Machtübernahme von Präsident Fidel Castro.

Nach dessen Übergabe der Amtsgeschäfte 2008 an Bruder Raúl und seinem Tod im Vorjahr hat sich das Land nicht wirklich verändert, erzählt uns Bernd, ein Deutscher, der seit zehn Jahren in Kuba lebt und arbeitet. Das Land wolle dies auch gar nicht und wisse nicht so recht, wo es hinwolle. Und es sei weiterhin eines der bestüberwachten der Welt. Überall gebe es Spitzel. Mehrmals schon klingelte irgendwer einfach bei seinen Nachbarn und fragte, was der komische Deutsche denn den ganzen Tag so treibe.

Castros Kommunismus hat den Menschen Sicherheit gegeben, an die die Kubaner heute noch glauben. 70.000 Ärzte gibt es in Kuba, in ganz Afrika gerade mal 50.000. So haben sie auch keinen Aufstand gegen Castro angezettelt, als ihre Wirtschaft 1991 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kollabierte. Der Tourismus und die Öffnung für den Westen bringen ihnen aber auch neue Möglichkeiten. Er sei überzeugter Fidelista gewesen, erzählt uns Julio, ein ehemaliger Maschinenbau-Dozent an der Uni. Dort verdiente er die staatlichen 30 CUC im Monat. Heute fährt er Taxi in Santa Clara. Und zwar weder ein neues mit Klimaanlage, noch einen der alten Schlitten, sondern einem hässlichen, klapprigen Lada. „Und ich verdiene heute am Tag, was ich vorher im Monat hatte“, verrät er. Weil der Tourismus lange nicht staatlich geregelt war vom Land, das sich einigelte und durch ein Handelsembargo von vielem ausgeschlossen war, ist er für viele Bewohner die große Chance. Eine Art freie Marktwirtschaft. Sie bieten eben ihr Privatauto als Taxi an und ihre Häuser als Unterkünfte.

Rum gibt es schon zum Frühstück 

Und sie kultivieren die Liebe zu Rum, Tabak und Salsa. Weil sie es lieben. Und weil sie wissen, dass sich damit Touristen locken lassen. Rum gibt es überall, gerne auch schon zum Frühstück, von der Bretterbude bis zu wahren Touristen-Hotspots wie dem „Floridita“ in Havanna. Jener Bar, in der der Daiquiri erfunden wurde, von denen der Kuba-Liebhaber und Stammgast Ernest Hemingway immer noch den Rekord mit 18 an einem Abend halten soll.

Noch deutlicher als der Zuckerrohrschnaps prägen aber die Zigarren Kuba. Weil es überall Plantagen und Fabriken gibt. Und weil überall Qualm aufsteigt. Das Rollen der Zigarren ist fast eine Wissenschaft für sich. Kubanische Zigarren gelten wegen des guten Tabaks als die besten der Welt. Und auch als relativ wenig gesundheitsschädlich. Sind die Tabakblätter trocken, befindet sich das Nikotin fast komplett im Strang. Der wird entnommen. So fehlt den Zigarren das am meisten süchtig machende Mittel fast komplett. Auch Chemikalien sind nicht zugesetzt. Dafür kosten sie auch eine Menge. Eine echte Cohiba beispielsweise etwa 22 CUC. Gar nicht entgehen kann man in Kuba dem Salsa. Nahezu jede Bar und jedes Restaurant bietet Livemusik. Der Beat ist etwa so abwechslungsreich wie bei Dieter Bohlen. Doch man kann Beine und Finger nicht still halten. Praktisch gar nicht sattsehen kann man sich an den alten Autos. Den meist roten, grünen oder blauen Chevrolets, Buicks oder Fords aus den 50er-Jahren, die für Kuba Fluch und Segen sind. Denn die wunderbaren, alten Autos bergen ein riesiges Problem: Nämlich das der Luftverschmutzung. Wer zehn Minuten an einer Ampel an einem Berg sitzt, an dem alle anfahrenden Autos eine schwarze Wolke ausstoßen, bekommt Kopfschmerzen und kann gar nicht mehr aufhören zu husten. Im Endeffekt beweist das Erlebnis in Kuba: Autos sind im Laufe der Jahre sicherer geworden, bequemer, funktionaler, umweltfreundlicher und technisch ausgefeilter – aber sicher nicht schöner.

Und ob die Welt ohne Internet schöner wäre – in Kuba kann man es herausfinden. W-Lan gibt es meist nur an einem Standort pro Stadt. Für vier bis sieben CUC pro Stunde. Am Ende stört es nicht, denn Kuba bietet so viel. Viel Altes, viel Unbekanntes, viel komplett anderes. Auf jeden Fall vieles, was erlebt werden will. Im weltweiten Tourismus-Boomland Nummer eins.

Holger Schmidt


Info:

Wohnen:
Casa Particulares,
www.bbinnvinales.com.

Einreise:
Der Beleg einer Auslandskrankenversicherung muss vorliegen, idealerweise in Spanisch. Außerdem benötigt man eine Touristenkarte beziehungsweise ein  Visum und der gebuchte Rückflug muss dokumentiert vorliegen. Ein Visum wird nicht benötigt bei einem Aufenthalt bis zu 30 Tagen.

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