Kurzer Weg mit großer Wirkung
Kurzer Weg mit großer Wirkung
11. August 2017

Die Landschaft zwischen den ehemaligen Bergwerken Reden im Osten und Itzenplitz im Westen der Gemeinde Schiffweiler ist heute ein Naher­holungs­gebiet mit großem Waldreichtum. Dort verläuft der Höfertaler Waldpfad.

Das zwischen 1936 und 1942 erbaute neoklassizistische Eingangsportal des Redener Zechenhauses ist vom Parkplatz aus durchaus gut erkennbar. Davor steht überlebensgroß der „Redener Hannes“, geschaffen im Jahr 1937 vom Bildhauer Fritz Koelle.

Im ehemaligen Zechenhaus ist mittlerweile das Zentrum für Biodokumentation entstanden. Es beherbergt die naturkundlichen Sammlungen des Saarlandes mit Exponaten aus den Bereichen Flora, Fauna und Geologie. In den ehemaligen Bergwerksräumen finden Ausstellungen statt. Inzwischen sind das Landesdenkmalamt, das Bergamt Saarbrücken und das Oberbergamt des Saarlandes hier angesiedelt sowie das Institut für Landeskunde im Saarland und die Tourismus- und Kulturzentrale des Landkreises Neunkirchen. Außerdem befindet sich in den unteren Räumen die Cafeteria „Redener Hannes.“

Vom Parkplatz gelangen wir nach wenigen Schritten zur kleinen Parkanlage. Linker Hand, auf der anderen Straßenseite, passieren wir das imposante, aus roten Backsteinen gebaute Zechenhaus. Dahinter recken sich der alte Schornstein und ein Förderturm in die Höhe. In der Parkanlage erinnern zwei Denkmäler an zwei verheerende Schlagwetterexplosionen. Im Januar 1907 fanden 150 Bergleute den Tod, als sich im Fettkohlenfeld der Grube Reden eine Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion ereignete. 43 Jahre zuvor starben 35 Bergleute bei einer ähnlichen Explosion im Flöz Kallenberg.

Von der Parkanlage wandern wir durch eine kleine Siedlung Richtung Wald. Bald erkennen wir rechter Hand unten im Tal einen Weiher, auf dem sich im Sommer ein Seerosenteppich ausbreitet. In den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten Bildstocker Bürger die Idee, im Tal einen Badeweiher anzulegen. Zehn Jahre später wurde der Badeweiher eingeweiht – allerdings schon sechs Jahre später aus hygienischen Gründen wieder geschlossen.

Zeugnis der Industriekultur

Bis zum Bahnhof von Bildstock sind wir fast ausnahmslos im Wald unterwegs. Bevor wir die Gleisanlage mittels Brücke überqueren, besteht die Möglichkeit, zum Rechtsschutzsaal oberhalb des Höfertales in der Hofstraße in Bildstock zu gelangen.

Ein schlichter, schmuckloser Backsteinbau, der beim bloßen Hinsehen seine geschichtliche Rolle und seine sicherlich auch überregionale Bedeutung für die Bergleute nicht preisgibt. Der Saalbau des Rechtsschutzvereins ist Zeugnis und Denkmal der Industriekultur. Er dokumentiert den Beginn der Bergarbeiterbewegung an der Saar. Selbst August Bebel besuchte im Herbst 1892 im Rahmen einer Agitationsreise durch die Pfalz eine sozialdemokratische Versammlung im Bildstocker Rechtsschutzsaal.

Im Vorgarten des Rechtsschutzsaals erinnert ein Gedenkstein an Nikolaus Warken, den Gründer des Rechtsschutzvereins und Erbauer des Rechtsschutzsaales. Nachdem wir die Gleisanlage überquert haben, wandern wir teilweise entlang der Eisenbahnlinie, die Neunkirchen über das Sulzbachtal mit Saarbrücken verbindet. Die Eisenbahn durchs Höfertal war 1847 vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm genehmigt worden: „Eine Eisenbahn von der bayrischen Landesgrenze bei Wellesweiler … über Neunkirchen, Landsweiler, Sulzbach und St. Johann.“

Später verlassen wir zunächst den Verlauf des Schienenstrangs, wandern zwischen Höfertal und dem Gebiet rund um den Itzenplitzer Weiher, ehe wir unterhalb des Böskopfes bis zum Parkplatz am Zechengelände der Grube Reden entlang der Bahnlinie unseren Weg weiter fortsetzen.

Günter Schmitt



Info:

Tour kompakt:

Anspruch: leicht  
 
Strecke: fünf Kilometer   

Höhendifferenz: 200 Meter

Gehzeit: eineinhalb Stunden

Wegmarkierung: roter Schriftzug/ Höfertaler Waldpfad mit stilisiertem Pumpenhaus und Förderturm

Startpunkt/GPS: Parkplatz gegenüber Zechenhaus Reden 7° 06‘ 74‘‘ O – 49° 20‘ 97‘‘ N

Anfahrt mit der Bahn:
Mit der Bahn bis Landsweiler-Reden, vom Bahnhof zu Fuß weiter durch die Bahnhofstraße nach links oben. Am Ende der Straße nach links durch die Straße „Am Bergwerk Reden“, direkt hinter der Bahnüberführung befindet sich die ehemalige Zechenanlage

Anfahrt mit dem Auto:
A8, Ausfahrt Richtung Friedrichsthal-Bildstock nehmen, Richtung Bildstock durch den Maybacher Weg (L262), nach Bildstock über die Illinger Straße und die Neunkircher Straße zur Redener Straße, dann zum Bergwerksgelände.

Parken:
Parkplatz gegenüber dem Zechenhaus Reden, Am Bergwerk Reden 10, 66578 Schiffweiler-Lands­weiler-Reden

Einkehren:
„Redener Hannes“
Am Bergwerk Reden
Telefon 06821-8690774

Tipp des Autors:
Seit Mai ist die neu eröffnete Almgastronomie auf der Redener Bergehalde geöffnet. Über einen gemütlichen Fußweg ist die Alm gut erreichbar. Das Alm-Taxi bringt Besucher rasch nach oben.

Alm-Öffnungszeiten:
Di. bis So. 10 bis 22 Uhr
Telefon 06821-9598500
www.bergmannsalm.de

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