Malerische Bergwelt
Malerische Bergwelt
17. Februar 2017

Verträumte Dörfchen, bizarre Felsen und herrliche Mandelblüten – im Hinterland von Gran Canaria zeigt die Insel ihre ursprüngliche Schönheit.

Das beliebteste Fotomotiv und das meist beschriebene Wahrzeichen Gran Canarias ist Las Cumbres, das Zentralmassiv Gran Canarias. Berge wie aus Hagel, Blitz und Donner geformt. Monolithen, die wie Finger in den Himmel ragen. Wind und Regen formten in Jahrmillionen Zacken, Klippen und Kegel. Der spanische Philosoph und Schriftsteller Miguel de Unamuno nannte es „Gewitter aus Stein”. Neben den beeindruckenden Bauwerken gibt es zahlreiche Wege ins Hinterland, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Mountainbike, Auto, Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen sind. Es gibt Dörfer mit Höhlenwohnungen, uralten Kirchen oder sich durch ausgefallene Backkreationen auszeichnen.

Hinter dem Fischerort Puerto de Mogán beginnt das Hinterland Gran Canarias, da wo die Straßen eng und kurvig sind und mit atemberaubenden und schwindelerregenden Ausblicken belohnen. Hier zeigt die Kanareninsel ihre schroffe und ursprüngliche Schönheit. Am Stausee Presa de Las Niñas ist die Naturlandschaft für einen perfekten Tag in freier Natur geschaffen. Dieser künstliche See ist von kanarischen Kiefern umgeben, und es gibt einen Zeltplatz, auf dem man übernachten kann. Verschiedene Wanderwege führen an dem Stausee vorbei und bieten die Möglichkeit, die Umgebung zu erforschen.

Zwischen kleinen Dörfern ziehen sich groß gewachsene Kakteen in breiten Gürteln die Hänge hinauf, manchmal ragt ein riesiger Agavenbaum in die Höhe. Weiße Häuser mit grünen Fensterläden und kanarischen Holzbalkonen wirken wie festgeklebt auf einem Felsen. Hirten im traditionellen Wollmantel ziehen mit ihrer Herde in die Berge. In den Bergorten folgt der Alltag einem gemächlichen Rhythmus. Eng scharen sich die Häuser um die Kirche, davor die schattige Plaza als Spielplatz für Kinder und Treffpunkt der Bewohner.

In Artenara gibt es noch heute bewohnte Höhlenwohnungen

Artenara erreicht man auf über 1.300 Meter Höhe, und es ist das höchst gelegene Dorf in den Bergen. Es lohnt sich, die Höhlenkirche aus dem 14. Jahrhundert, die der Jungfrau der Höhle Virgen de la Cuevita geweiht wurde, zu besichtigen. Im älteren Teil des Ortes gibt es auch bewohnte Höhlenwohnungen. Von Artenara gibt es Wanderwege durch das Naturschutzgebiet in das obere Agaete Tal. Über allen thront der Roque Nublo, das Wahrzeichen der Insel, ein recht auffälliger Basaltfelsen mit 1.813 Metern Höhe, der aussieht wie der Faustkeil eines Riesen. Den Ur-Kanariern war der Wolkenfelsen heilig: Kontakt nach oben, Opferplatz zu Ehren des Sonnengottes. „Er gehörte nicht zu jenen Dingen, die man sehen muss, um sie zu glauben”, schrieb Jack London. „Sondern zu denen, die man nicht glauben kann, nachdem man sie gesehen hat.” Das gesamte Areal rund um den Roque Nublo ist ein sehr beliebtes Wanderziel.

Zu Füßen des schroffen Felsens befindet sich Tejeda. Es zählt zu den schönsten Dörfern Spaniens. Umgeben wird Tejeda von terrassenförmig angelegten Getreidefeldern, Obstbäumen und Gemüsefeldern. Angebaut werden in den Tälern rund um Tejeda vor allem Weinreben, Kartoffeln und Kakteen. Die Mandelbäume auf Gran Canaria dagegen wachsen wild und ungestüm auf steilen Berghängen. Viele der Bäume sind über 100 Jahre alt und tragen immer noch Früchte.

Mandeln sind das Gold der Region

Besonders im Frühjahr, wenn die Mandelblüte einsetzt, kommen viele Gäste ins Dorf. Mandeln sind das Gold der Region. Deshalb rüstet sich das hübsche Bergdorf im Wechsel mit der Gemeinde Valsequillo de Gran Canaria jährlich am ersten Februarwochenende für einen dreitägigen Besucheransturm. Dann ist Mandelfest, und dann hat sich auch der Nebel verzogen, der den Roque Nublo in den Wintermonaten oft wie einen Schleier umhüllt.

Das Tal ist zu dieser Zeit von einem zartrosa bis rosafarbenen Blütenhauch überzogen. Es gilt als eines der schönsten und traditionsreichsten Feste der Insel, und auch wenn andere Gemeinden mittlerweile ebenfalls Mandelblütenfeste feiern, so kann keines davon mit dem von Tejeda mithalten. Seit den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ist das so. Die Einheimischen tragen die typische kanarische Tracht. Die Straßen säumen Verkaufsstände, wo die örtlichen Spezialitäten angeboten werden. Musikgruppen spielen zum Tanz, und Kunsthandwerker- und Bauernmarkt laden zum Besuch ein. Wer mag, kann bereits Mandelkreationen probieren.

Bienmesabe ist eine süße Tradition

„Dulceria Nublo“, die kleine Backstube im Ort, ist eine Oase für süße Leckereien. Es werden in langer Familientradition Kuchen, Konfekt, Cremes und Pralinen aus Mandeln hergestellt. Mehrere große Gläser Bienmesabe gehen über die Ladentheke an eine ältere Dame im Verkaufsraum. Sie stammt aus dem Süden der Vulkaninsel und deckt sich mit der Spezialität des Hauses ein, auch für ihre Nachbarn hat sie eine Bestellung mitgebracht. Sie liebt diese Süßigkeiten aus Eigenproduktion. Die Konditorin des Ladens, Rosa Maria Medina, erklärt, was es mit der Creme auf sich hat. „Bienmesabe“ heißt auf Deutsch: „Es schmeckt mir gut“. Die Masse ist klebrig und wird aus Mandeln, Zucker und Zimt hergestellt. Bienmesabe erhält man zwar auch in einigen Lebensmittelläden von Gran Canaria, doch hier in den Bergen ist es etwas Besonderes. So wie die Bäckerei Dulceria Nublo mitsamt ihrem Interieur. 1948 wurde der Laden von Dolores Navarro gegründet, der Mutter von José Antonio. Seit mehr als 22 Jahren stehen Rosa Maria und José Antonio in der Backstube und versorgen die Insel mit Blätterteiggebäck, Mandelbrot, Pralinen und natürlich Bienmesabe. Die Rezepte und das Handwerkszeug haben sie sich von Dolores, der Gründerin des Geschäftes, abgeschaut.

Und noch etwas verrät Rosa. Ob ein Mandelbaum Süß- oder Bittermandeln trägt, weiß sie erst, wenn der Baum zum ersten Mal getragen hat. Süß oder bitter bleibt er sein Leben lang. Wer Bienmesabe aus der Dulceria Nublo probiert, kann sicher sein: Die Mandelcreme von Rosa Maria und José Antonio ist garantiert süß – sogar sündhaft süß.

Von Heidrun Lange



Info:

Anreise:

Zahlreiche Airlines fliegen Gran Canaria von diversen deutschen Flughäfen nonstop an. Deutsche Urlauber benötigen für die Einreise lediglich einen Personalausweis.

Reisezeit:

Mit durchschnittlichen Jahrestemperaturen um die 23 Grad Celsius sind die Kanaren ganzjährig zu bereisen. Selbst im Winter wird das Wasser kaum unter 18 Grad kalt.

Infos:

Spanisches Fremdenverkehrsamt in Berlin, Frankfurt oder München,   www.spain.info/de

Tipp:

Konditorei: Dulcería Nublo, C. Dr. Domíngo Hernández Guerra (Spezialität: Marzipan, Mandelkuchen, Mandelkekse) in Tejeda.

Ausflug:

Das Hinterland Gran Canarias bis an die Küste El Roque kann als Ganztagestour bei Tui und 1-2-FLY ab 38 Euro (ohne Lunch und Eintritt) gebucht werden.

Mit dem eigenen Wagen:

Von Las Palmas de Gran Canaria aus erreicht man Tejeda über die Straße, die durch das Zentrum der Insel GC 15 führt. Die Strecke ist etwas kurvig und führt durch eine großartige Landschaft, vorbei an den Gemeinden von Santa Brígida und San Mateo. Für die 44 Kilometer weite Strecke benötigt man in etwa eine Stunde.



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