Morgenland am persischen Golf
Morgenland am persischen Golf
21. April 2017

Nur fünfeinhalb Flugstunden von Deutschland entfernt landet man in einer anderen Welt. In dem Emirat Dubai tauchen Touristen in ein Urlaubsparadies der Superlative ein.

Amerika ist nicht mehr allein das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das Scheichtum Dubai hat dem Kontinent jenseits des großen Teichs den Rang abgelaufen. Nichts scheint in dem Emirat unmöglich. Dubai ist heute eine Boom-Stadt wie wohl kaum eine andere am Persischen Golf: Neue, luxuriöse Hotelanlagen, supermoderne Einkaufszentren, sogenannte Shoppingmalls mit fast unendlichem Warenangebot, Hochhäuser und Wolkenkratzer mit gläsernen Fassaden wachsen nahezu täglich aus dem Boden und prägen mit monumentalen Bauwerken von atemberaubender Architektur das Bild der glitzernden Millionenmetropole. Mit den traditionellen, quirligen Basaren, dem orientalischen Charme der Altstadt, künstlichen Inseln und Palmenoasen, feinsandigen Stränden und weitläufigen Sanddünen treffen faszinierende Gegensätze aufeinander. Der Besucher kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Stadt mit ihren 2,7 Millionen Einwohnern, unter ihnen Menschen aus mehr als 120 Nationen, hat viele Facetten. Aufsehenerregendste und beeindruckendste architektonische Ikonen sind das zu einem Segel aufgeblähte weltberühmte Hotel „Burj Al Arab“ als Wahrzeichen der Stadt und der 2010 fertig gestellte „Burj Khalifa“, der 828 Meter in den Himmel ragt und das höchste Gebäude der Welt ist.

Baukosten von 1,5 Milliarden Euro

Das ‚Burj Al Arab‘ mit Baukosten von etwa 1,5 Milliarden Euro ist 321 Meter hoch, wurde im Jahr 2000 eröffnet und ist wohl das berühmteste Luxushotel der Welt. Sein Name bedeutet auf deutsch ‚Arabischer Turm’ und wird bei uns ,Garten Allahs auf Erden’ genannt“, erklärt uns Reiseleiter Abdul. Majestätisch dominiert das Sieben-Sterne-Hotel, dessen Turm dem Segel eines auslaufenden Schiffes gleicht, die Küste des Golfes. Es hat 202 Suiten. Für die kleinste von mindestens 170 Quadratmetern muss der Gast zwischen 800 und 1.000 Euro pro Nacht berappen. In der 25. Etage befinden sich zwei Royal-Suiten, die 780 Quadratmeter groß sind und etwa 8.500 Euro pro Nacht kosten – ohne Frühstück versteht sich, jedoch mit einem eigenen Butler. Insgesamt sind 1.200 Bedienstete für die Suiten zuständig. Das Wahrzeichen Dubais ist auf einer künstlichen Insel gebaut, die mit dem Festland durch eine 280 Meter lange Brücke verbunden ist. Der Besuch dieses spektakulären Hotels, Symbol für Luxusurlaub der Extraklasse, ist ein absolut einzigartiges Erlebnis und ein Muss für jeden Touristen. Überraschungen jeglicher Art sind natürlich nicht ausgeschlossen. So traute ich kaum meinen Augen, als ich auf der Getränkekarte „Moselwein aus Trier“ fand und der freundliche Kellner mir für ein halbvolles Glas mit dem Moseltropfen 35 Euro aus der Tasche zog.

Bedeutend schlanker und 507 Meter höher als die Edelherberge „Burj Al Arab“ mit Unterwasser-Restaurant präsentiert sich der „Burj Khalifa“. Wie eine Rakete ragt das jüngste Wahrzeichen, eröffnet 2010, ins „All“. Es verfügt über „nur“ 160 Suiten und 144 Residenzen, die in 162 Stockwerken mit 57 Aufzügen zu erreichen sind. Von der Aussichtsplattform auf der 124. Etage in 442 Metern Höhe kann der Besucher einen grandiosen Ausblick über Downtown Dubai und die berühmte Sheik Zayed Road genießen. Abends gibt der Turm ein majestätisches Bild ab. In nächtlicher Beleuchtung wird er zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk. Nach Einbruch der Dunkelheit zieht der größte „Springbrunnen der Welt“, so unser zweiter Reiseleiter Said, mit seiner audiovisuellen Show und grandiosen Lichteffekten Besuchermassen an. Tausende von Lichter inszenieren alle 20 Minuten ein brillantes, fulminantes Wasserspiel. Dabei „tanzen“ die bis zu 150 Meter hohen Fontänen, die aus 83.000 Liter Wasser bestehen, zum Takt arabischer und internationaler Musik. Ein phänomenales und fantasievolles Spektakel, dessen Lichtstrahl 30 Kilometer weit zu sehen ist, ist ebenfalls ein Muss für den Besucher. „‚Burj Khalifa‘ ist bei uns der wahr gewordene Traum von unendlichem Wachstum“, schwärmt Reiseleiter Said.

Ebenfalls ein Muss ist die Palmeninsel Jumeirah, die auch als achtes Weltwunder bezeichnet wird. Das Mega-Projekt, nach sieben Jahren Bauzeit 2008 fertiggestellt, verlängert Dubais Küstenlinie um 100 Kilometer. Das Eiland gehört zu den größten von Menschenhand geschaffenen Inseln. „Es besteht aus dem 300 Meter breiten und vier Kilometer langem Stamm, den Palmenwedeln, und ist umgeben von einem Halbkreis, der als Wellenbrecher dient“, erklärt Said. Wahrzeichen ist das weltberühmte Hotel „Atlantis“. Wie ein majestätisches Tor erhebt sich die Anlage auf der Insel. Das Fünf-Sterne-Hotel verfügt über 1.539 Zimmer und Suiten, hat einen eigenen Wasserpark „Aquaventure“, besitzt 20 Restaurants und Bars und bietet einen atemberaubenden Ausblick auf die Skyline und den Yachthafen von Dubai.

Im öffentlichen Leben aber genießt der Konsum eine überragende Bedeutung. Einkaufen, verkaufen, Handel treiben sind für die Dubaier traditionelle Aktivitäten, die sie seit Jahrhunderten mit Leidenschaft ausüben. In den Souks, den Einkaufsläden, pulsiert das Leben. Sie sind der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Treibens. Zentrum des Handels ist der Gold-Souk. Etwa 300 Juweliergeschäfte reihen sich zu beiden Seiten der überdachten Straßen aneinander und sind ein Magnet für die Touristen. „300 Tonnen Gold werden jährlich von den sieben Emiraten importiert, zehn bis 15 Prozent der Weltproduktion. Das meiste davon landet im Gold-Souk von Dubai“, erzählt der Reiseführer. Fast nahtlos kann man vom Gold-Souk in das Gewimmel des Gewürz-Souks eintauchen. Einzigartige Gerüche von Curry, Weihrauch und Myrrhe, Zimt, Kreuzkümmel und Kardamom hängen in der Luft und stechen in die Nase. Aus offenen Jutesäcken verkaufen die Händler ihre vielfältigen Produkte. Neben Nüssen, Pistazien und Gewürzen werden auch Duftöle und -harze angeboten.

Es kann bis zu 50 Grad heiß werden

Wer es etwas größer haben will, besucht eine der zahlreichen Malls. Direkt neben dem „Burj Khalifa“ liegt der zweitgrößte Konsumtempel der Welt, die Dubai Mall. Mit 1.200 Geschäften und Boutiquen, Designerläden, einem Gold-Souk mit Schmuck- und Juwelierläden, 120 Cafés und Restaurants ist sie eine große Verlockung. Magnet dieser Mall sind das Aquarium und der Unterwasser-Zoo, in dem sich 33.000 Meerestiere tummeln, zu sehen durch eine 33 mal acht Meter große Glaswand. „Shoppingmalls sind die Kathedralen der modernen Freizeitgesellschaft“, berichten Abdul und sein Kollege Said mit stolzgeschwellter Brust.

Nicht minder aufsehenerregend ist eine andere Attraktion, kaum zu glauben, aber wahr: Bei Temperaturen von über 40 Grad Celsius im Juli und August gibt’s Abkühlung – bei minus ein Grad in einer Skihalle. Eine 85 Meter hohe Indoor-Skiarena ist das Erkennungszeichen der „Mall of the Emirates“. Die erste Skihalle des Mittleren Ostens beeindruckt als weiße Winter-Wunderwelt und bietet eine große Auswahl an Wintersport-Aktivitäten einschließlich Ski- und Snowboard fahren und Rodeln. Die Skihalle hat fünf Abfahrten mit unterschiedlichen Höhen und Steigungsgraden, unter anderem mit einer Abfahrtslänge von 400 Metern und einem Gefälle von über 60 Metern.

Wen es bei erträglichen Temperaturen nach Dubai lockt, der sollte zwischen Oktober bis Ende April bei 20 bis 26 Grad Sommerfeeling genießen – wenn bei uns Schmuddelwetter, Nässe und Kälte überwiegen. Zwischen Januar und Februar ist Hochsaison, die Hotels sind dann zu 90 Prozent ausgebucht. Von Mai bis Oktober ist es in der Golf-Region extrem heiß mit Werten bis zu 50 Grad. Es herrscht dann überwiegend subtropisches, trockenes, heißes Wüstenklima.

Die traditionelle Lebensader der Stadt ist der Dubai Creek. Der zwölf Kilometer lange und 200 bis 800 Meter breite Meeresarm teilt den historischen Stadtkern in die beiden Stadtteile Deira (im Osten) und Bur Dubai (im Westen). Auf dem Creek verkehren Wassertaxis, einfache, dieselmotorbetriebene Holzboote zwischen den beiden Stadtvierteln. Für die Touristen wurde eine eigene Strecke geschaffen, auf der sie in klimatisierten Booten für maximal 36 Passagiere zu einer Hafenrundfahrt geschippert werden.

Das Erdöl hat an Bedeutung verloren

Das moderne Dubai ist in wenigen Jahrzehnten von einem unbedeutenden Wüstenort zu einer pulsierenden und expandierenden Weltstadt geworden. Das Stadtbild ist überwiegend westlich geprägt. Kaum eine andere urbane Region in der Welt kann auf ähnliche Wachstumsraten verweisen, wo ganze Stadtteile in kürzester Zeit förmlich aus dem Boden gestampft werden. Um Platz für hypermoderne Bauwerke zu schaffen, werden entweder Gebäude aus den 70er- und 80er-Jahren kurzerhand abgerissen oder Inseln künstlich aufgeschüttet. Es ist schon beeindruckend, wie selbstbewusst und zielstrebig man hier Visionen verwirklicht hat. Dank dem in den 60er-Jahren einsetzenden Öl-Boom erreichte die Region einen außergewöhnlich hohen Wohlstand. Aber das Erdöl hat schon längst nicht mehr die Bedeutung wie noch vor einigen Jahren. Und die Staaten am Golf haben die Endlichkeit dieser Wohlstandsquelle auch längst erkannt. So hat der Ölhandel am Bruttosozialprodukt von Dubai heute nur noch einen Anteil von etwa drei Prozent. Stattdessen investiert man in den Ausbau von Handel und Verkehr sowie in den immer wichtiger werdenden Tourismus. Der Plan, noch mehr auf Tourismus zu setzen und so für die Zeit nach dem Öl gewappnet zu sein, scheint aufzugehen.

Dubai, das „Morgenland am Arabischen Golf“, ist eine Welt voller spannender Gegensätze, eine atemberaubende Mischung aus Orient und Okzident und eine besondere Verlockung für Reisende, die das Besondere suchen. Und ganz nebenbei profitieren Besucher wie Einheimische von der politischen Stabilität im Lande. Die Emirate gehören heute zu den sichersten Reisezielen, die man sich als Tourist aussuchen kann.

Walter Koster




Info

1971 schlossen sich die sieben Scheichtümer Abu Dhabi, Dubai, Sharjah, Ras Al Khaimah, Ajman, Um Al Quwain und Fujair zu einem Staatenbund, den „Vereinigten Arabischen Emirate“ (VAE) zusammen.

Einwohner: Mit 2,7 Millionen Einwohnern ist Dubai größtes Emirat der VAE. In der Stadt leben etwa 85 Prozent des Emirats.

Touristen: Bis 14 Millionen Touristen, darunter etwa 400.000 bis 450.000 Deutsche, besuchten 2016 Dubai, das im Ranking-Tourismus weltweit Nummer zehn ist.

Größe: Mit 4.100 Quadratkilometern ist Dubai etwas größer als das Saarland.




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