Schneeberge mal drei
Schneeberge mal drei
3. März 2017

Lust auf Winterfreuden und Sonne? Noch bis Ende April lassen sich in den North Shore Mountains in Kanada, dem Grouse Mountain, Cypress Mountain und dem Mount Seymour, sportliche Aktivität und Naturerlebnis genießen. Unweit des Gebirgszugs hat man auch Gelegenheit, die quirlige und weltoffene Metropole Vancouver zu entdecken.

Im Winter Ski- und Snowboardpisten mit atemberaubenden Blicken auf Downtown Vancouver, im Sommer herrliche Segel- und Surfreviere vor der Skyline sowie ganzjährig fantastische Bike- und Laufstrecken: Vancouver und sein Umland bewegen jeden, der hierherkommt. Zu Recht gilt die „kühle Schöne am Pazifik“ dank ihres kosmopolitischen Charmes und der lässig-freundlichen Entspanntheit seiner Bewohner als Stadt, die in puncto Lebensqualität weltweit ganz vorne liegt.

20 bis 30 Minuten Fahrzeit, und schon ist man von der Innenstadt zum Grouse Mountain oder den anderen Bergen vor den Toren der Stadt gelangt – beliebte Ziele für Familien und Bewegungshungrige, die frische Luft atmen wollen. Wer es gemächlicher angehen will, kann im Winter – die Saison dauert in der Regel von Anfang Dezember bis Ende April – eine Schneeschuhwanderung machen, Schlittschuh laufen oder einen Ausflug mit dem Schneemobil durch die Winterlandschaft unternehmen. Und abends bei Sonnenuntergang einen unbeschreiblich schönen Ausblick auf die am Burrard Inlet gelegene Stadt auf seine Sinne wirken lassen, wenn der Pazifik in alle möglichen Farben eingetaucht ist und später die nächtliche Skyline Vancouvers heraufscheint.

Schon in den Zwanzigern beliebt

Die Seilbahn ins Skirevier des Grouse Mountain startet direkt am Stadtrand, in einer hübschen Villengegend von North Vancouver. Nach nur knapp zehn Minuten steht man oben auf 1.100 Metern im feinsten Pulverschnee, dem unter Ski- und Snowboardfahrern berühmten Champagner Powder und kann unbeschwert draufloswedeln. Auf den südlichen Hängen des Berges liegt das für diese Sportarten als ausgezeichnet geltende Revier, vier Sessellifte bringen die Gäste hinauf zu den insgesamt 26 Skipisten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Etwas für echte Könner – oder auch für Mutige – sind die steilsten Abfahrten: „Purgatory“ und „Devil´s Advocate“ heißen die nicht präparierten Waldschneisenabfahrten hinunter in die „Blueberry Bowl“, die auf einer Höhe von 760 Metern der niedrigste Punkt ist, den man mit Skiern erreichen kann. Von den 26 Abfahrten sind 14 auch nachts geöffnet. Die längste Abfahrt beträgt etwa 1.600 Meter, eine gute Option für Anfänger und Fortgeschrittene.

„Das ist ein großartiger Ort hier, wo sonst gibt es schon die Möglichkeit, einen ganzen Tag oder eine Nacht lang Dinge zu tun, die einem Spaß machen, und die sich woanders mal eben so nicht genießen lassen“, schwärmt Julia Grant. Sie ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit auf dem Berg. Beliebt bei Gruppen und eine tolle Aktivität in Sachen Teambildung sei zum Beispiel der „Scavenger Hunt“. Das ist eine Schnitzeljagd, die auch für größere Organisationen wie Unternehmen angeboten und je nach Wunsch für bis zu 300 Teilnehmer durchgeführt wird und auch über mehrere Tage gehen kann.

„Unser Berg ist ein fantastischer Ort zum Arbeiten und Spielen“, findet auch Victoria, die seit neun Jahren auf dem Berg lebt und arbeitet: „Wir sind ein super Team mit großartigen Leuten von überall her, die alle mit Leib und Seele bei der Sache sind.“ Ganz ähnlich sieht es ihr Kollege Trevor: „Als ich vor acht Jahren hier angefangen habe, hatte ich kaum eine Ahnung davon, was mich hier erwarten würde. Seit ich hier bin, habe ich jeden Tag dazugelernt und mitunter auch Fantastisches erlebt, an das ich mich gerne wieder erinnere. Dass die Tätigkeit von Tag zu Tag sehr unterschiedlich sein kann, hält die Angelegenheit spannend“, sagt er augenzwinkernd.

Beliebt und berühmt war der Grouse Mountain schon in den Roaring Twenties: Damals thronte oben ein nobles Bergrestaurant, beliebtes Ziel der oberen Zehntausend, die sich von vornehm gekleideten Kellnern mit weißen Handschuhen bedienen ließen. Der Wintersport hielt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit dem Bau des ersten Doppelsesselliftes Einzug. In jüngerer Zeit hat man das „Peaks Chalet“ an der Bergstation der Seilbahn für mehrere Millionen Dollar im ursprünglichen Stil der 20er-Jahre renoviert. Naturstein und Holz, alte Fotografien an den Wänden oder ein Atrium mit Feuerstelle und Fenstern vom Boden bis zur Decke schaffen ein naturbezogen-gemütliches wie elegant-modernes Ambiente.

Größer als Grouse Mountain ist das Skigebiet Cypress Mountain, hier gibt es vorwiegend schwierigere Strecken, aber auch mittelschwere und leicht zu bewältigende Pisten. Die mehr als 50 Abfahrten in dem rund 243 Hektar großen Skigebiet haben also verschiedene Schwierigkeitsgrade. Weil Cypress ein sehr breitgefächertes Angebot hat und die unterschiedlichsten Zielgruppen bedienen kann, ist es bei den Einheimischen sehr beliebt. Und auch, weil es dort sehr entspannt zugeht – es gibt viel Platz auf den Pisten, Hektik und Gedränge kommen ebenso wenig vor wie lange Warteschlangen an den Liften.

Als ideal gilt Cypress etwa für Kurz­entschlossene, die nach Feierabend noch schnell auf die Piste wollen. Auf 20 Abfahrten läuft der Betrieb täglich bis in die späten Abendstunden, womit Cypress das größte Nachtskigebiet Kanadas ist. „Wegen der warmen Witterung hatten wir im letzten Jahr leider Pech und mussten früher schließen“, bedauert PR-Manager Joffrey Koeman. Dieses Jahr laufe es aber wieder deutlich besser: „Gewöhnlich dauert die Saison bei uns noch bis Ende April.“

Das dritte Glied in der Kette der Skigebiete oberhalb von Vancouver ist der Mount Seymour. Es ist das kleinste der drei Areale. Seit 1986 ist es im Besitz der Familie Wood. Der Chef des Ressorts, Eddie Wood, nutzt gern jede freie Minute, um selbst auf seinen Skiern in den Loipen auf Mount Seymour seine Runden zu drehen. Seine Eltern hatten 1984 ein 84 Hektar großes Waldstück am Mount Seymour gekauft. „Mein Vater kam ursprünglich aus dem Fischgeschäft, und vom Skitourismus hatten wir nicht wirklich Ahnung, außer dass wir als junge Grashüpfer selbst kniehoch im Schnee gestanden und Ski gelaufen waren.“ Druck, das Geschäft von seinen Eltern zu übernehmen, habe er nicht gehabt, erzählt der agile Mittvierziger und studierte Betriebswirt: „Mir selbst war insgeheim klar, dass ich das eines Tages tun würde“, verrät er freimütig beim Guiness im „Narrows Pub“.

Hotspot für Snowboarder

Hierher lädt er gerne einmal im Monat seine Mitarbeiter ein: „Es ist ein Glück, eine solch qualifizierte Mannschaft hinter mir zu haben“, freut er sich über das Erreichte. „Wir hatten zu Beginn keine Idee, wie sich das alles hier einmal entwickeln würde“, beschreibt er das Wagnis, Neuland zu betreten und auf das Snowboarding zu setzen, zu einem Zeitpunkt, als das klassische Skilaufen rückläufig war. Talente wie Kevin Sansalone und Devun Walsh, bekannt als die „Kinder von Seymour“, hätten entscheidend dazu beigetragen, dass sich Mount Seymour schnell zu einem wichtigen internationalen Hotspot für Snowboarder entwickelte.

Aber auch auf Sommergäste ist der Mount Seymour eingestellt, die Familie von Eddie Wood betreibt mit dem Zweigunternehmen Sea to Sky Park Services mehrere Campingplätze im Fraser Valley. Und um noch attraktiver für Gäste aus aller Welt zu werden, haben die Woods kräftig investiert, rund fünf Millionen kanadische Dollar für moderne und schnellere Lifte ausgegeben.

„Die ausgedienten Gondeln haben wir versteigert, die Einnahmen dafür verwenden wir für soziale Zwecke in unserem Ressort. Das Geld soll an Schulen gehen, damit auch Kinder, deren Eltern sich das sonst nicht leisten können, hier Ski fahren lernen können“, sagt Eddie Wood und schmunzelt: „Manche Zeitgenossen haben eben eine Schwäche für die Zweisitzer. Ein Ehepaar hat zum Beispiel exakt die Gondel gekauft, in welcher der Mann seiner besseren Hälfte vor vier Jahren während des Nachtskifahrens einen Heiratsantrag gemacht hatte.“

Von Thomas Korn



Info:

Einreise:

Reisende benötigen ein Visum, bevor sie an Bord ihres Flugzeugs nach Kanada steigen.


Hotels:

Fairmont Pacific Rim: Große, luxuriöse Zimmer, tolle Lage mit atemberaubender Aussicht auf den Hafen und Vancouvers Hausberge. www.fairmont.com/pacific-rim-vancouver

Skwachàys Lodge: Kanadas erstes First Nations Art Boutique Hotel in Kanada liegt quasi an der Grenze von Gastown und Chinatown. Die Skwachàys Lodge in der West Pender Street verfügt über 18 Zimmer, die jeweils von sechs First-Nations-Künstlern in Zusammenarbeit mit sechs Innenarchitekturbüros unentgeltlich gestaltet wurden. Jeder Raum ist mit indigenen Malereien und Kunstobjekten ausgestattet. www.skwachays.com


Touren und Ausflüge:

Capilano Suspension Bridge Park:

Auf einer Tour von Treetop Adventures genießt man die Natur gewissermaßen aus der Vogelperspektive, indem man sie bis zu 30 Metern über dem Waldboden, über sieben kleinere Hängebrücken, auf Baumhöhe erkundet.

www.treetopadventures.ca

Steveston:

Steveston ist ein malerisches Fischerdorf und liegt nur etwa eine halbe Autostunde von Vancouver entfernt. www.steveston.bc.ca

Lohnend ist ein Besuch der „Britannia Shipyards National Historic Site“, eine weitläufige Museumsanlage aus originalen Bauwerken und alten Schiffswerkstätten. Auch als Filmkulisse der TV-Serie „Once Upon a Time“ hat Britannia in der jüngeren Vergangenheit gedient. www.britanniashipyard.ca

Pacific Rim National Park:

Im Pacific Rim National Park liegt der Wickaninnish Beach mit traumhaften Aussichten auf den Pazifik, tolle Sonnenuntergänge, dazu gibt es traditionelle authentische Gerichte der Ureinwohner – ein unvergessliches Erlebnis.

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