Typen von Feuerwerkern
Typen von Feuerwerkern
23. Dezember 2016

An ihren Silvester-Raketen sollt ihr sie erkennen

Wir sind immer bemüht, unseren Lesern Hilfestellung für wichtige Lebenssituationen zu geben. Deshalb stellen wir an dieser Stelle ein paar typische Zeitgenossen vor, die man bei jeder Silvester-Party gegen Mitternacht mit ihren zündenden Ideen beobachten kann. Als Erstes wäre da der Wernher-von-Braun-Typ. Er sieht sich mit seinem Raketensortiment in der Tradition deutscher Weltraum-Pioniere. Seine Knallerei soll eine Demonstration deutscher Leistungsfähigkeit und ein Protest gegen die Abwerbung unserer wissenschaftlichen Elite durch das Ausland sein.

Ebenso interessant ist der Casanova-Typ, der mit seinem Feuerwerk seiner Auserwählten eine Liebeserklärung an den Himmel schreiben will. Er hofft insgeheim, seine Herzensdame möge von der Größe seiner Feuerwerkskörper auf verborgene physische Vorzüge schließen.

Der Schlechtes-Gewissen-Typ merkt während der Festtage, dass der Wert seiner Weihnachtsgeschenke bei Weitem nicht der Höhe des 13. Monatsgehaltes entspricht. Deshalb beruhigt er sein Gewissen mit dem Großeinkauf von Feuerwerkskörpern, die er an Silvester als privates Konjunkturprogramm startet.

Unauffällig agiert der Mauerblümchen-Typ, der sich beim kalten Büffet zurückhält, gegen Mitternacht aber zum Super-Feuerwerker mutiert. Für den Rest der Nacht liegen ihm alle Damen zu Füßen, womit er aber nichts anzufangen weiß. Meist stolpert er nur über sie ins neue Jahr.

Der schottische Typ mischt sich mit Vorjahres-Blindgängern unter die Knall-Experten und tut so, als zünde er zeitgleich seine Nieten. Wenn sich aus der Rakete seines Nebenmannes ein bunter Sternenregen über den Himmel ergießt, ruft der „Schotte“ enthusiastisch: „Habt ihr die gesehen? Das war meine. Ein dolles Ding!“ Bei fortgeschrittener Alkoholisierung funktioniert dieser Trick fast immer!

Unangenehmer ist der Lehrer-Typ: Schon ab 22 Uhr langweilt er die Party-Gäste durch wissenschaftliche Vorträge über Pyrotechnik. Gerade ihn trifft dann um Mitternacht das Versagen eines seiner Knallfrösche mitten ins Herz, obwohl er natürlich sofort eine fachkundige Erklärung parat hat und die Anschaffung eines weiteren Fachbuchs zum  Thema verspricht.

Der individualistische Typ knallt grundsätzlich nicht, wenn alle anderen knallen. Er ist stolz darauf, den Zeitpunkt seiner Knall-Effekte frei wählen zu können, so etwa zu Heiligabend, St. Martin oder am Führergeburtstag. Oft versteckt sich dahinter aber ein medizinisch gehandicapter Knaller mit sogenannter pyromania praecox, der Silvester nicht abwarten kann und vorzeitig (zum Schuss) kommt. Oder es handelt sich um einen vergesslichen Leidensgenossen mit pyromania demens, dem erst beim Suchen der Oster-Dekoration sein unbenutztes Raketensortiment nicht nur durch den Kopf schießt.

Der nervige Angeber-Typ will immer nur größere, lautere und teurere Feuerwerkskörper abbrennen als andere. Er dokumentiert damit seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und bezeichnet die Kracher der Konkurrenz abfällig als „Knallerbsen“, „Kinderkram“ oder „Aldi-Ware“. Durch ein neues Böller-Leasing-System (Knall jetzt – zahl später) versucht der Fachhandel, auch einer weniger kaufkräftigen Klientel das Angeber-Verhalten zu ermöglichen.

Den Perfektionisten stören am Silvesterabend die vielen Nebengeräusche, die ungewisse Witterung und alle sonstigen negativen Begleiterscheinungen einer Live-Veranstaltung. Deshalb brennt er sein Feuerwerk in einer lauen Sommernacht ab, filmt das Ganze und stellt es am 31. Dezember ins Internet.

Immer wieder anzutreffen ist auch der Guter-Mensch-Typ. Er zündet keine Feuerwerkskörper, weil er es nicht richtig findet, bei uns aus Jux Millionen von Euro in die Luft zu jagen, während Millionen von Menschen das Brot zum Überleben fehlt. Aus Solidarität verzichtet der Gut-Mensch am Büffet rigoros auf Brot und vertilgt den Kaviar beilagenlos.

Nicht zu vergessen wäre dann noch der Putin-Typ: Er zündet ungeniert eine Rakete nach der anderen. Wenn man ihn aber darauf anspricht, will er’s gar nicht gewesen sein. In diesem Sinne viel Spaß und Durchblick bei der Silvesterparty!

Von Peter Schmidt

Peter Schmidt, 65, ist ehemaliger Bundesligaprofi des 1. FC Saarbrücken und war nach der Fußballkarriere als Journalist und Lehrer tätig. Heute betreibt er ein Pressebüro in Riegelsberg und ist als freier Autor tätig.



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