Lehrwerkstatt Weißes Haus
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19. Mai 2017

Donald Trump und seine Sicht auf die deutsche Wirtschaft

Man kann Donald Trump ja vieles nachsagen, nur nicht, dass Fakten ihn nicht beeindrucken würden. Ob er die Fakten dann für echt nimmt oder seine eigene Sicht daraus bastelt, steht auf einem anderen Blatt. In jedem Fall überwiegen Emotionen seine Sicht der Dinge: Entweder es ist alles „great“, „good“ und „big“ oder es ist „bad“ und „fake“.

Ähnlich ist es um seine Sicht zur deutschen Wirtschaft bestellt, vor allem sein Urteil über die deutschen Autohersteller. Obwohl mit pfälzischen Wurzeln und Genen ausgestattet, ist sein Verhältnis zur deutschen Industrie sehr zwiespältig, notabene fast faktenfrei. Diesen Eindruck muss man gewinnen, wenn man Ablauf und Ergebnis des Antrittsbesuchs von Angela Merkel beurteilt, der Mitte März stattgefunden hat. In ihrem Schlepptau hatte die Bundeskanzlerin zu ihrer Unterstützung Spitzen-Manager der bayerischen Industrie von BMW, Schäffler und Siemens mitgebracht, also mit Schwerpunkt Autoindustrie.

Das war auch notwendig, denn in den wenigen Wochen zuvor seit Amtsantritt kritisierten Trump und sein Gefolge immer wieder, die deutsche Wirtschaft würde die USA unfair behandeln. Die deutsche Industrie feiere ihre Exporterfolge zu Lasten der US-Wirtschaft, würde US-Arbeitsplätze vernichten. Trump wörtlich über seinen Wohnort New York: „Wenn man durch die 5th Avenue geht, hat jeder einen Mercedes Benz vor seinem Haus stehen.“ Nebenbei bemerkt: Im Trumpschen Familienfuhrpark stehen davon alleine vier.

Das sei „unfair“, weil im Gegenzug US-Autos kaum auf deutschen Straßen zu sehen seien. Dass es da eine Firma Opel gibt mit einem Marktanteil in Deutschland von immerhin sieben Prozent, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit 80 Jahren eine Tochter der US-Mutter GM ist, scheint Trump noch niemand gesagt zu haben. Ebenso die US-Tochter Ford (Köln), auch im Saarland sehr erfolgreich.

Besonders schlimm hat es die Premium-Marke BMW erwischt: „Ich würde BMW sagen, wenn sie eine Fabrik in Mexiko bauen und Autos in den USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen“, sagte Trump kurz nach Amtseinführung auf Twitter. Stilfragen sollen hier nicht zur Diskussion gestellt werden.

Als der US-Präsident beim Merkel-Besuch dann direkt mit den Leistungen der deutschen Industrie-Unternehmen in der Welt – vor allem aber auch in den USA selbst – konfrontiert wurde, fand er das spontan „incredible“, also unglaublich.

Das führt zwangsläufig zu der Frage, warum die Leistung der deutschen Industrie so „incredible“ ist. Was macht deutsche Unternehmen auf den Exportmärkten so wettbewerbsfähig? Es sind ja nicht Exportsubventionen oder sonstige staatliche Exportfördermaßnahmen, die deutsche Autos im Ausland – und so auch in den USA – so begehrt machen. Für die Senioren unter uns: Schon Janis Joplin träumte Anfang der 70er-Jahre vom eigenen Mercedes Benz; damals sollte der liebe Gott ihn ihr kaufen, heute würde sie es selber machen.

Das deutsche Erfolgsgeheimnis auf den globalen Exportmärkten, auch den hochentwickelten wie den USA, ist das duale Ausbildungssystem. Vereinfacht gesagt die Kombination von Ausbildung in der Praxis der Unternehmen vor Ort, und gleichzeitig in der Theorie durch den Staat. Gekoppelt natürlich mit stattlich geprüften Leistungsnachweisen bis hin zum Meisterdiplom. Kein Wunder, dass zum einen die EU-Partner nach Kräften versuchen, den Wert dieser Diplome auf die niedrigen europäischen Standards herunterzunivellieren. Zum anderen, dass beim Trump-Besuch von Angela Merkel die Automobilbosse alle Lehrlinge aus ihren US-Werken mitgebracht haben und zu Wort kommen lassen. Sozusagen als lebende Begründung für die überragende Qualität und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Autos und Produkte. Das System der deutschen dualen Ausbildung von Fachkräften ist in der Tat international die Messlatte für alle Industrie-Nationen.

Ergebnis: Trump und seine Mannen waren beeindruckt! Ob das allerdings unsinnige tarifäre Eingriffe in den freien Welthandel seitens der US-Administration verhindern kann, ist fraglos offen.

Von Helmut Becker

„Saarlandbotschafter“ Dr. Helmut Becker (73) ist Gründer und Direktor des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK). 1943 wurde der Diplom-Volkswirt und -Kaufmann in Türkismühle geboren. Er war unter anderem Chefvolkswirt bei BMW.



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