Alles ein Ammenmärchen?
Alles ein Ammenmärchen?
13. November 2015

WM-Vergabe 2006: ein laienhafter Versuch der Wahrheitsfindung

Was ist nur mit dem Fußball los? Korruption und Steuerschwindel sorgen für Katar-Stimmung. Wem trauen wir noch zu, diesen Saustall ausmisten zu können? Leider steht Papst Franziskus ja frühestens zur Verfügung, wenn er seinen eigenen Laden auf Vordermann gebracht hat. Dass bei der FIFA viel Geld „hingeblattert“ wird, damit alles läuft wie geschmiert, weiß inzwischen jeder. Aber jetzt will man uns das Sommermärchen vermiesen! Die WM-Vergabe 2006 an Deutschland soll gekauft worden sein? Das glauben wir nicht. Dafür ist die genannte Summe von 6,7 Millionen Euro einfach zu gering. Ein so potentes Land wie das unsere würde sich niemals mit einem so armseligen Betrag Vorteile erkaufen wollen. Und dass das Geld an vier asiatische Funktionäre geflossen ist, kann schon allein deswegen nicht sein, weil man 6,7 gar nicht richtig durch vier teilen kann!

Zum Glück hat der DFB schnell und brutalstmöglich aufgeklärt: Die 6,7 Millionen wurden an die FIFA gezahlt, um sich für die WM-Organisation 170 Millionen Zuschuss zu sichern. Offenbar hat unser Jüngster das dahinter steckende Prinzip schneller verstanden als wir: Er legte uns fünf Euro auf den Tisch, um sich – wie er erklärte – damit einen Urlaubs-Zuschuss von 1.000 Euro zu sichern. Wir blickten immer noch nicht durch, hatten aber irgendwie das Gefühl, vergackeiert zu werden.

Leider muss sich der DFB nun mit der Steuerfahndung herumschlagen, weil er die 6,7 Millionen beim Fiskus versehentlich auch noch als Kulturausgabe steuermindernd geltend gemacht hat. So gern wir dem DFB ja glauben, so bleibt doch ein kleiner Restverdacht, weil die FIFA angeblich die 6,7 Millionen nie bekommen hat. Wo das Geld heute steckt, weiß natürlich auch keiner. Nun trauen wir FIFA-Funktionären noch weniger als dem DFB. Der hat wenigstens eine Lichtgestalt wie Franz Beckenbauer. Und der wollte ja dem armen deutschen Verband sogar die 6,7 Millionen aus seiner Privatschatulle vorstrecken. Selbst wenn er dafür zwei weitere Werbeverträge hätte unterschreiben müssen.

Weil ihm sein adidas-Freund Dreyfuß mit Firmenkohle beigesprungen ist, wurde dem Kaiser dieser unnötige Aufwand erspart. Ehrenmänner hängen Freundschaftsdienste nicht an die große Glocke: Deshalb hat der DFB erst kürzlich von dem Deal erfahren und war überrascht, was es im Fußball so alles gibt. Das wirft die Frage auf, ob solches Führungspersonal überhaupt qualifiziert genug ist, wenn es glaubt, man könne auf ehrliche Art Austragungsland einer Fußball-WM werden.

Wieder mal mehr als andere gewusst hat der smarte Günter Netzer, der die Bestechung der vier Asiaten an den damaligen DFB-Präsidenten Zwanziger durchgesteckt haben soll. Ist Zwanziger ein „falscher Fuffziger”, weil er die Sache publik machte, um seinem Nachfolger Niersbach eins reinzuwürgen? Nicht auszudenken, wenn sich herausstellte, dass das Sommermärchen eher ein Ammenmärchen war! Hat die deutsche Mannschaft nur deshalb so oft gewonnen, weil Franz in der Welt herumgefahren ist (womöglich in einem VW?) und (unauffind)Bares unter gegnerischen Spielern verteilt hat? Waren die Fans beim Public Viewing nur deshalb so enthusiastisch, weil ein Getränkekonzern Stimmungsaufheller in sein Gebräu gemischt hat?

Waren all die schwarz-rot-goldenen Fahnenschwenker von rechten Kräften angeheuert? Hat Angela Merkel durch ihre Besuche in der Nationalmannschaftskabine und ihr Posieren mit den halbnackten Migrantenkindern Özil, Boateng und Podolski schon damals die Flüchtlingslawine provoziert, die uns heute erreicht? 

Bis diese Fragen beantwortet sind, glauben wir an das Gute und haben dafür sogar ein echt starkes Argument: Hätten unsre Funktionäre damals wirklich auf Korruption gesetzt, wären wir garantiert nicht nur Dritter geworden.

Oder könnten die 6,7 Millionen schon eine notwendige Vorleistung gewesen sein, um uns 2014 in Brasilien den Weltmeister-Titel zu sichern!?

Peter Schmidt

Peter Schmidt (64) ist ehemaliger Bundesliga-Profi des 1. FC Saarbrücken und arbeitete nach Beendigung seiner Fußball-Laufbahn als Journalist. Danach verdiente der inzwischen pensionierte Riegelsberger seine Brötchen als Lehrer.



Merken

Merken

Bild der Woche