Gespräche mit dem Roboter
Gespräche mit dem Roboter
4. September 2015

Ein augenzwinkernder Blick auf die schöne neue Technik-Welt

Weil wir beim Einkaufen nichts vergessen wollen, schreiben wir fein säuberlich alles mit Bleistift auf einen Zettel. Broccoli, Klopapier, Zahnstocher, Suppenklein und was das Herz sonst noch begehrt. Im Supermarkt vermissen wir den Zettel, weil, der liegt ja daheim. Der nette Hausarzt hatte zu Bewegung geraten, und deshalb wanderten wir im Freundeskreis durch das Jammertal des Alters. Es wurde geraten, ein Handy zu kaufen. Dort könnten wir dann die Notizen eintragen und im Geschäft nachgucken. Doch, wir haben ein Handy. Das lag zuletzt neben dem Zettel.

Manchmal vergessen wir sogar, welches Fernsehprogramm wir schauen wollen. So missglückte uns das Surfen mit der Fernbedienung derart, dass wir bei Florian Silbereisen landeten. „Das Fest der Besten“ hieß diese ARD-Sendung, die um 20.15 Uhr begann. Um 20.30 Uhr waren wir eingeschlafen. Als wir um 3.30 Uhr frühstückten, wurde es allmählich hell – auch im Kopf. Der Beschluss: Wir nutzen die Mediatheken von ARD und ZDF als Einschlafhilfen.

Überhaupt sollten wir uns mehr für die vielen Technik-Wunder interessieren. So wie ein Freund, der von seiner Apple Watch ganz begeistert ist. Nein, was die alles kann. Die Uhr zeigt zum Beispiel an, welcher Termin ansteht, wann die Abfahrt ist, wie die Strecke verläuft. Weil alles ganz modern ist, tickt diese Uhr nicht richtig. Unser Freund aber mit Sicherheit, der kontrolliert damit alles, was bei seinem Training passiert. Er ist fit für den Halbmarathon im September in Montreal. Falls doch der Puls nicht richtig schlägt, dann schaut er auf die Uhr und weiß, dass es gesundheitlich fünf vor zwölf ist.

Apple lässt sich immer etwas Neues einfallen. Möglich ist doch, dass eine solche Uhr, die mit Sensoren am Körper verbunden ist und dabei Tausende Daten sammelt, auf die Sekunde genau anzeigt, wann es bei intimster Zweisamkeit mit der Herzallerliebsten so weit ist. „Pling! In 20 Sekunden ist es soweit. Möchten Sie verzögern, drücken Sie die Eins.“ Oder auch: „Pling! Ihr Viagra-Vorrat reicht noch für fünf Minuten.“ Unnötige Pillen nehmen wir gar nicht. Statt Schlaftabletten lieber Silbereisen, statt Viagra lieber etwas Vernünftiges auf die Gabel. Dabei dürfen wir auch im Alter auf technische Hilfe hoffen. Manches ist sinnvoll, wenn auch gewöhnungsbedürftig. Eine Freundin hatte eine Operation am Schultergelenk. Weil die Physiotherapeuten ausgebucht waren, schickte ihr die Klinik einen Roboter nach Hause. Der hebt der Freundin jetzt mehrmals täglich den Arm.

Um die Freundin zu trösten, müssen wir sie in Berlin besuchen. Vielleicht hat unser Hotel ja auch schon Roboter in den Zimmern. Unlängst erzählten sie im Deutschlandradio, dass man dann im Bett liegen kann und einfach fragt: „Was empfehlen Sie zum Mittagessen?“ Eine Zauberfee antwortete aus dem Off: „Schweineschnitzel mit Salat.“ So braucht man als allein lebender Mensch keine Selbstgespräche mehr zu führen.

Denkbar, dass wir uns bald mit unserem Drucker unterhalten. Wie das Politik-Fachblatt mit den großen Buchstaben wissen ließ, soll es aus einem neu entwickelten 3D-Drucker auch Grießbrei geben. Wir sind schon froh, wenn aus unserem Drucker überhaupt etwas herauskommt. Es bietet sich dann ja an, direkt auf Esspapier zu drucken.

Solange es noch Piloten und Lokführer gibt, fahren wir also auch mal nach Berlin. Künftig soll alles vollautomatisch ohne Menschen am Steuer vonstattengehen. Mercedes lässt schon Lastkraftwagen auf abgesperrten Autobahnen Geisterfahrten machen. Nur den Kreisverkehr hat ein Brummi noch nicht drauf.

Flugzeuge, Züge und Autos streiken nicht. Es bleiben allerdings Zweifel, ob die Bahn dann automatisch pünktlich fährt. Denn jetzt haben sie den unsäglichen ehemaligen Kanzleramtschef in den Vorstand der Deutschen Bahn geholt. Wie heißt der noch? Ach, manchmal ist es gut, wenn man vergesslich ist.

Günther Wettlaufer

Günther Wettlaufer (69) war von 1971 bis 2005 als Journalist bei der WAZ-Gruppe, dem Axel-Springer-Verlag, Gruner & Jahr sowie der „Saarbrücker Zeitung“ in verschiedenen Führungspositionen tätig, lebte dann in Berlin und seit einiger Zeit wieder im Saarland.



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