Zoff im Smart Home
Zoff im Smart Home
11. November 2016

Schöne, neue Welt: Wenn Alexa und Google Assistant streiten

Menschen brauchen persönliche Ansprache und Reaktionen. Das haben die Hersteller von Smartphones, aber auch die von digitalen Assistenten für den smarten Haushalt längst erkannt und machen Gesprächspartner aus der Datenwolke künstlich intelligent. Abhängig vom Hersteller, kommunizieren unsere digitalen Sprachassistenten mit unterschiedlichen Stimmen. Sie haben weibliche oder männliche Namen, oft gekoppelt mit dem Aktivierungswort, das dem Assistenten freihändig von überall aus dem Raum zugerufen werden kann.

Ob ein Gerät lieber mit einer männlichen oder weiblichen Stimme reagieren soll, darüber sind sich die an Sprachassistenten interessierten Männer und Frauen einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zufolge uneinig: Während rund die Hälfte der Männer (52 Prozent) eine weibliche Stimme bevorzugt, möchte dies nur knapp ein Drittel (32 Prozent) der Frauen. Die Mehrheit der Frauen (42 Prozent) zieht es dagegen vor, Auskünfte von einem männlichen Sprachassistenten zu bekommen. Bei den Männern wollen das lediglich 21 Prozent.

Heftig arbeiten die Forscher daran, den künstlich intelligenten Assistenten aus der Datenwolke, die scheinbar – tatsächlich aber nur als Software-Update – in heimischer Hardware leben, auch Emotionen anzutrainieren. Anlass für ein (noch) fiktives Szenario, in dem keine Kinder, dafür digitale Assistentinnen und Hausfreunde den Feierabend aufmischen.

Mann: „Alexa, lass mir das Badewasser ein.“

Alexa: „Welchen Badezusatz darf ich aus der Schaum- und Traum-Maschine eintröpfeln lassen? Das letzte Mal hattest Du einen erfrischenden Fichtennadelduft in der Wanne.“

Mann: „Alexa, hast Du nicht die Zeit abgeglichen oder kennst mich immer noch so wenig? – Abends um zehn will ich natürlich etwas Entspannendes, was mich anschließend gut schlafen lässt.“

Alexa: Entschuldige, wie dumm von mir. Ich war noch auf ante meridiem, auf den Vormittag, eingestellt. – Dann empfehle ich Lavendel-Vanille und knipse Dir noch ein paar Relax-Lämpchen an.

Mann: Okay, gut, so machen wir das.

Google Assistant: Machen wir das? Was machen wir?

Mann: Was mischst Du Dich denn ein, fühlst Du Dich vernachlässigt?

Google Assistant: Gar nicht, Du hast mich doch gerufen: „Okay, goo…“

Mann: Du bist eindeutig überaktiviert. Warte doch ab, ob tatsächlich ein „Okay, Google“ kommt, oder ob ich mit einer meiner netten Assistentinnen spreche.

Google Assistant: Nett, nett, wenn ich das schon höre! Dauernd buhlen sie mit ihren Offerten um Deine Aufmerksamkeit, und Du gehst auch noch darauf ein: „Alexa“ hier, „Cortana“ da und dann auch noch „Siri“ mit ihrem ständig schmollenden Apfelmund.

Mann: Ihr seid mir wirklich zu sehr auf Euch fixiert. Wenn ich heimkomme, möchte ich mich auch mal nett über meinen Tag und meine Probleme unterhalten. Viv, meine liebe Gefährtin. Du bist mit Deiner beeindruckenden künstlichen Intelligenz, die alles aufsaugt, was ich Tolles von mir gebe, wirklich gesprächsorientiert. Mit Dir kann ich mich auf einer persönlichen Ebene unterhalten, ohne Streit mit einer realen Frau zu riskieren.

Allmählich nervt es mich, mir zunächst über Facebooks M einen Tisch reservieren zu lassen, um dann mit einer echten Frau ein persönliches Gespräch mit ungewissem Ausgang zu führen. Erst muss ich mit meinen nassen Badewasser-Fingern den Messenger-M-Button antouchen, dann bestellt mir dieser M einen Tisch in dem Restaurant, in dem ich vergangene Woche war, weil er meint, dort ginge ich am liebsten hin. Dabei ist diese Location der Lieblingsort der Frau, mit der ich mich vergangene Woche getroffen habe und der ich nicht mehr begegnen will. Schon gar nicht mit meiner Flamme von dieser Woche.

Stichwort Flamme: Viv, bist Du etwa eifersüchtig? Du musst doch nicht gleich explodieren, nur weil ich von Gesprächspartnerinnen aus Fleisch und Blut erzähle. Was sagst Du? Du steckst in Samsung-Hardware? Cortana, Siri, Alexa, werft die Sprinkleranlage an. Es brennt!

Von Annegret Handel-Kempf

Annegret Handel-Kempf, geboren 1967 in Bamberg, studierte Politikwissenschaft. Nach ihrem Volontariat bei der „Mittelbayerischen Zeitung“ und Stationen als Redakteurin bei der „Abendzeitung München“ und der „Motorpresse Stuttgart“ arbeitet sie heute selbständig für unterschiedliche Medien.




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