Buch-Tipp: Selbstbe­frei­ung? Auspro­bieren!
Buch-Tipp: Selbstbe­frei­ung? Auspro­bieren!
16. Juni 2017

Gleich vorneweg: „Ich bin raus“ gehört zu den Büchern, die man nicht in einem Rutsch durchliest. Was nicht daran liegt, dass es langweilig wäre, im Gegenteil. Doch die schiere Fülle an Lebensphilosophie, an kritischen Gedanken zum Arbeitsleben und geflissentlicher Konsumkritik braucht Weile. Und Zeit, um eigenen Gedanken nachzuhängen: Was wäre, wenn … ich nicht jeden Tag von 9 bis 17 Uhr in diesem verdammten Büro schuften müsste?

Das musste der Autor, der sich Robert Wringham nennt, auch mal, in Nordengland. Er fühlte sich ausgenutzt als Lohnsklave und befreite sich, wie einst der große Houdini, aus seinen Fesseln. Seitdem geht der Engländer mit wenig Geld durch die Welt. Er versuchte sich als Stand-up-Comedian, und gründete das Magazin „New Escapologist“.

Sein großes Thema war „weniger konsumieren, weniger arbeiten“, und aus seinen eigenen Erfahrungen kann er dabei reichlich schöpfen. „Die Leute in der Regierung sind nicht unsere Freunde“, ruft Wringham aus und schildert minutiös die Falle der Bürokratie, in der wir alle stecken. Mit seiner Entfesselungstaktik will er sich auch von diesem Zwang befreien.

Höchst lesenswert ist das Kapitel über die Angst. Angstgeprägtes Verhalten ist zum Teil auch bedingt durch unbedachten Konsum von Nachrichten in den Medien. Klar, dass Wringham fordert, diesen zu minimieren. Ausprobieren!

Von hier geht es weiter zu dem hektischen, nervösen Menschen, der nie Zeit hat. „Ich werde oft gefragt, ob es nicht Nachteile und Entbehrungen mit sich bringt, wenn man der Arbeit und dem Konsum den Rücken kehrt“, schreibt Wringham und gibt Tipps. Natürlich braucht man ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen. Für die Finanzierung gibt der Autor einige Seiten weiter den Tipp: „Eine ziemlich dreiste Art, die alltägliche Tretmühle zu verlassen, ist, ein Geschäft zu gründen, das dem Inhaber ein regelmäßiges Einkommen verschafft.“ Ein Traum?


Dirk Engelhardt

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