CD-Tipp: Musiker mit Ecken und Kanten
CD-Tipp: Musiker mit Ecken und Kanten
17. Februar 2017

Mit Songs wie „Do you believe in love“ oder „Walking away“ machte er vor vielen Jahren auf sich aufmerksam. Inzwischen ist Craig David eine internationale Größe im Musikbusiness geworden. Doch der stets auf Freiheit pochende, relativ unsichere Musiker, der damals, wenn man seinen Songs glauben darf, noch vor seinen persönlichen Problem davonrannte und stark abhängig von der Bestätigung seiner Umgebung war, scheint immer noch tief in ihm verankert zu sein, wie aus seinem neuen Album „Following my intuition“ herauszuhören ist.

Zwar klingt es ja ganz schön, dass Craig David lediglich seinem Bauchgefühl folgen will, die Frage ist nur, ob er wirklich so empathisch ist, wie sich diese Behauptung anhört – und diese lässt sich mit einem klaren „Nein“ beantworten. Denn Craig David ist in erster Linie Musiker, und zwar ein guter, der in seinen Songs R’n‘B mit Soul, Rap, einer Prise Pop und House-Elementen mixt. Doch die Themenschwerpunkte der Songtexte klingen da schon weniger einfühlsam, sondern eher beziehungsphobisch, egozentrisch und labil, auch wenn das Ganze unterhaltsam gestaltet ist: Die Songtexte handeln unter anderem von Seitensprüngen, Versöhnungen, und Trennungen. Dabei sind – musikalisch gesehen – jedoch sehr gute Titel entstanden, die im Ohr bleiben und tanzbar sind, auch wenn Craig David als Mensch gesehen bei einigen vielleicht nicht wirklich sympathisch herüberkommt.

Aber was ein waschechter Musiker ist, hat oftmals Ecken und Kanten. Zumindest darüber kann man sich bei ihm jedenfalls nicht beschweren. Craig David ist ein erstklassiger Sänger und Geschichtenerzähler, der an vielen vorbeigerauscht ist, der bereits früh mit Kult-Stars wie Sting zusammengearbeitet hat und dessen internationaler Erfolg nicht von ungefähr kommt. Möglicherweise ist er ein Sänger, der auch nach Jahren noch polarisiert. Aber neue Songs wie „Got it good“ oder „Ain’t giving up“ beweisen, dass er mit seiner Intuition, zumindest was seinen Beruf betrifft, goldrichtig liegt. Und genau darum ging es ja bei seinem neuen Album „Following my intuition“.


Christina Korb-Völke

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