Das Risiko ist sehr hoch
Das Risiko ist sehr hoch
6. Februar 2015

Musikmanager Carmelo Lo Porto kommt aus dem Saarland, ist Inhaber der Firma Ever Ever Management und spricht mit FORUM über seine spannende Arbeit im Musikbusiness.

Herr Lo Porto, das Saarland ist nicht unbedingt bekannt als Zentrum der Musikwelt. Was macht ein Musikmanager eigentlich im Saarland?
Immerhin ist das Saarland das Zentrum Europas. Hier gibt es Einflüsse, die es sonst nirgends gibt. Außerdem herrscht im Saarland eine ausgeprägte Networking-Mentalität vor. Man kann hier Dinge schneller bewegen als woanders, weil die Dienstwege kürzer sind.

Gibt es im Saarland nicht zu wenig relevante Strukturen im Bereich Musikwirtschaft, um diese überhaupt vernetzen zu können? Ist das Saarland als geografischer Ausgangspunkt für musikalischen Erfolg nicht eher Wunschdenken?
Ich finde, dass es wichtig ist, dass Musiker erst einmal im eigenen Hause überzeugen. Das Saarland ist natürlich ein kleines Bundesland. Es bleibt nicht aus, dass man sich auch woanders – vor allem durch Konzerte – Fans erarbeiten muss, um erfolgreich zu sein. Aber das Wichtigste ist immer noch die Qualität. Wenn man keine gute Musik macht und nach Berlin zieht, dann wird auch da nicht viel passieren.

Durch den digitalen Wandel im Zeitalter des Internets verlieren Raum und Zeit zunehmend an Bedeutung. Ist der Wohnort von Musikern überhaupt noch relevant für deren Erfolg?
Es ist tatsächlich so, dass man unabhängig davon, wo man lebt, mit seiner Musik über das Internet weltweit Menschen erreichen kann. Zum Beispiel betreue ich gerade die Sängerin Nicole Cross, welche gerade durch Coversongs auf Youtube weltweit Aufmerksamkeit bekommt. Sie hat mittlerweile 195.000 Abonnenten. Davon ist ein Drittel aus den USA und ein Drittel aus Brasilien. Aber am Schluss geht es auch da immer noch um Qualität. Der Mythos, dass man einfach mal was ins Netz stellt und dann entdeckt wird und durchstartet, ist eben nur ein Mythos. Da jeder seine Songs im Internet präsentieren kann, gibt es auch mehr Konkurrenz, die man vergleichen kann. Die Fans sind deswegen gerade im Netz noch kritischer. Man muss einfach besser sein als andere: Das ist noch genauso wie vorher!

Was sind eigentlich die zentralen Aufgaben eines Musikmanagers?
Der Beruf des Musikmanagers ist sehr breit gefächert. Man kann als Künstlermanager arbeiten oder in einer Plattenfirma, in einem Musikverlag, einer Konzertagentur oder in der Live-Branche – es gibt da unzählige Möglichkeiten. Ich als Künstlermanager kann Dinge für Künstler bewegen, Türen öffnen und für Musiker die unangenehmen Dinge des Künstlerdaseins in die Hand nehmen. Dazu gehören zum Beispiel alle finanziellen Fragen. Außerdem kümmere ich mich um jegliche Kommunikation zwischen Band und Veranstaltern, Labels und Co. sowie um die Verträge und Termine.

Es heißt, das Musikgeschäft ist besonders hart. Warum ist das so?
Das liegt vor allem daran, dass man nie wissen kann, ob man aufs richtige Pferd setzt. Der Aufbau eines Künstlers verlangt unglaublich viel Engagement sowie Zeit und Geld ab. Wenn dann am Ende nichts bei rumkommt, hat man eben Pech gehabt. Das Risiko ist wegen der fehlenden Berechenbarkeit des allgemeinen Musikgeschmacks schon sehr hoch.

Welche Strategien und Methoden gibt es, Künstlern zum Erfolg zu verhelfen?
Da jeder Künstler und jede Band anders ist, muss man auch für alle eine individuelle Strategie finden. Besonders wichtig ist aber, dass der Künstler weiß, wer er ist und wo er hinwill. Nur dann kann man auch die richtigen Schritte planen. Es kommt vor allem darauf an, diejenigen Menschen zu erreichen, die die Musik des jeweiligen Künstlers auch gut finden könnten. Rockkünstler in HipHop-Magazinen zu platzieren, ist wenig zielführend.

Gibt es für Bands gewisse Erfolgskriterien?
Es gibt sicherlich auch hier keine Standardformel. Es wäre natürlich schön, wenn es so einfach wäre. Ein paar grundlegende Dinge müssen Bands aber schon mitbringen. Das wäre vor allem die Professionalität. Man muss bereit dazu sein, für sein Ziel Opfer in Kauf zu nehmen. Das heißt beispielsweise, sich mit schlechten Jobs über Wasser halten zu müssen, um eine Tour zu finanzieren, aber auch, jahrelang auf deutschen Autobahnen Staub zu fressen, um nach vorne zu kommen. Man muss bereit sein, hart für sein Ziel zu arbeiten.

Es heißt, dass es immer schwieriger wird, mit Musik Geld zu verdienen. Unter anderem wegen illegaler Downloads und dem freien Zugang zu Musik auf Youtube, Spotify und Co. Kann man heute mit Musik überhaupt noch genug Geld verdienen?
Der digitale Wandel hat in wenigen Branchen so intensiv stattgefunden wie in der Musikbranche. Es gibt dennoch immer noch genug Möglichkeiten zum Geldverdienen. Zum Beispiel generiert die Sängerin Nicole Cross, eine Künstlerin, die ich gerade betreue, einen Großteil ihrer Einnahmen auf Youtube. So etwas wäre vor 15 Jahren unvorstellbar gewesen. Über Live-Auftritte und Merchandise kann man auch viel Umsatz machen. Auch der Tonträgerverkauf ist trotz Internet immer noch ein wichtiger Faktor. Zwar werden weniger CDs verkauft als früher, aber immer noch genug. Es ist daher noch wichtiger geworden, mit Qualität zu überzeugen. Die Menschen sind weiterhin dazu bereit, für Musik Geld auszugeben. Nur haben sich die Einnahmen in der Musikbranche insgesamt auf mehr Künstler verteilt. Denn es ist heutzutage mittels hochentwickelter Musiksoftware leichter geworden, Musik von zu Hause aus zu produzieren. Und jeder kann seine Werke sofort im Internet präsentieren. Und dort konkurriert man eben direkt mit der ganzen Welt.

Sie waren gerade mit Ihrer Künstlerin Nicole Cross in Los Angeles, um dort ihre Karriere voranzutreiben. Was genau haben Sie dort gemacht?
Mit Nicole sind wir seit fast zwei Jahren auf Youtube sehr aktiv. Dort hat uns Mikal Blue, ein sehr bekannter Produzent und Songwriter, der unter anderem für die Bands OneRepublic oder Colbie Caillat verantwortlich ist, angeschrieben. Er fragte, ob wir Interesse hätten, mit ihm zu arbeiten. Seine Tochter wäre im Internet auf Nicole gestoßen und hätte ihn gebeten, mal mit ihr zusammenzuarbeiten. Dann sind wir einfach rübergeflogen, um zu schauen, was passiert. Letzten Endes haben wir ein paar echt gute Nummern geschrieben und produziert. Hier zeigt sich wieder, dass es eben auf Qualität ankommt. Wenn man gut ist, dann werden auch die richtigen Leute auf dich aufmerksam.

Wie ist die Arbeitsweise von US-Produzenten? Gibt es da Unterschiede zu Deutschland?
Und ob es da Unterschiede gibt. Es fällt sofort auf, dass die Leute in Los Angeles sehr ernst und professionell an ihren Karrieren arbeiten.
In Deutschland ist es für mehr Leute eher ein Hobby. Außerdem gehen Amis anders an Songs heran. Ich will nicht sagen besser, aber anders. Mir ist aufgefallen, dass sie sich sehr offen und mutig auf neue Projekte einlassen. In Deutschland hört man oft: „Das kannst Du nicht machen. Wie soll das funktionieren?“ In den USA dagegen wird oft einfach mal gemacht. Meine Erfahrung ist, dass man in Deutschland oft zu verkopft ist.

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2015?
Dass Google mit der Gema endlich einen fairen Deal mit Youtube abschließt, damit man auch in Deutschland mit Musik auf Youtube Geld verdienen kann und Songwriter einen fairen Anteil bekommen.

Interview: Markus Trennheuser

 

 

Zur Person:
Carmelo Lo Porto ist Musikmanager und seit 2005 in der Musik-industrie aktiv, anfangs mit dem eigenen Label Antstreet Records, seit 2011 als Künstler- und Musikmanager mit seiner Agentur Ever Ever Management. Neben dem Entwickeln, Fördern und der Repräsentation von Autoren und Künstlern berät er mit seiner Agentur Unternehmen innerhalb und außerhalb der Musikindustrie. www.everever.de

Merken

Merken

Bild der Woche