Wanderin zwischen  den Stilen
Wanderin zwischen den Stilen
17. Februar 2017

Liebliche Erscheinung trifft auf robustes Wesen:Die dänische Sängerin Helene Blum ist in ihrer Heimat längst eine viel gefeierte Künstlerin – ohne Starallüren. Im März ist sie mit ihrem neuen Solo­programm auf Tournee – und tritt auch in Berlin auf.

Nicht nur in Europa, auch in den USA und Kanada, sogar in Japan hat sich Helene Blum ein treues Publikum erobert. Ihre ausdrucksstarke Stimme, das musikalische Können – und ihr Stil zwischen Jazz, Klassik, Pop und Folk machen sie unverwechselbar. Aber auch das Zusammenspiel mit Ehemann Harald Haugaard, einem Experten für traditionelle nordische Musik und begnadetem Fiddle-Spieler.

Beide kreieren einen „Folk des 21. Jahrhunderts“ – mal akustisch mal elektronisch. Mal erklingen schnelle, fröhliche Tanzrhythmen, dann wieder leise melancholische Töne. Großen Wert legen die Musiker darauf, dass hinter jedem traditionellen Lied eine Geschichte steht. Diese alten Geschichten versucht Helene Blum auf ganz eigene Art zu interpretieren. Sicher bewegt sich die Sängerin dabei zwischen den Stilrichtungen. Alles ist immer in Bewegung. Auch die Besetzung der Blum & Haugaard Band wechselt bisweilen. Regelmäßig das eigene Repertoire zu hinterfragen und dank Crossover-Projekten neu zu erfinden, das ist ihnen ganz wichtig. Beide räumten inzwischen zahlreiche Preise ab. Darunter auch den Preis der deutschen Schallplattenkritik oder den renommierten europäischen Folkmusikpreis „Eiserner Eversteiner“. Helene Blums erstes Soloalbum wurde 2005 als „Folk Debut of the Year“ mit dem Danish Music Award ausgezeichnet.
Harald Haugaard und Helene Blum waren noch Kinder, als sie sich in der Musikschule kennenlernten. Helene war sieben, Harald elf. Die Familien waren befreundet. Helene und ihre Schwestern tanzten dänische Volkstänze in der Tanzschule von Haralds Mutter. Schon als Zweijährige lernte Helene Violine, später kam Klavier dazu. Mit 20 ging sie an die renommierte auf Folkmusik spezialisierte Carl Nielsen Academy of Music, wo Harald traditionelle Musik unterrichtete. Viele Jahre waren sie gute Freunde, bevor sie sich verliebten. „Bevor wir zusammenkamen, mussten wir andere Wege gehen und erst einmal unsere eigenen Erfahrungen machen. „Als aus Freundschaft Liebe wurde, waren wir gewachsen wie zwei unabhängige Bäume.

Dänische Lieder
neu arrangiert

Mittlerweile hat das Künstlerpaar zwei Töchter – und bekommt den Spagat zwischen Familienleben und musikalischer Karriere gut hin. Auch wenn es ein ständiger Balanceakt ist, schließlich tritt das Paar ja gemeinsam auf. Natürlich gebe es auch ab und zu Streit, sagt Helene Blum. „Aber für kleinliche Streitereien haben wir einfach keine Zeit.“

Und erzählt, dass es für sie nicht leicht war, ihren persönlichen Weg als Musik-erin und Mutter zu finden. Das habe viel Disziplin erfordert – und ohne Hilfe sei das alles sowieso nicht möglich. Aber bislang hatte sie Glück – bekam stets Unterstützung von der Familie, hatte wunderbare Au-pairs.

„Kinder bringen auch viel Inspiration“, betont die Sängerin. Und während es früher manchmal vier Monate dauerte, bis ein Song fertig war, gehe es heute viel schneller. Um mehr Zeit für die Familie zu haben, arbeite das Paar jetzt konzentrierter. „Du musst immer das Beste geben, und gut organisiert sein im Hier und Jetzt.“ Zu sehr in der Zukunft oder in der Vergangenheit festhängen, das funktioniere mit Kindern nicht.

Auf Helene Blums aktuellem Album sind unter anderem neu arrangierte, alte dänische Lieder zu hören. Aus dem Überlieferten hat die 1979 geborene Künstlerin ihre ganz eigene künstlerische Vision entwickelt. Mit „Droplets of Time“ erzählt Helene Blum von der Zeit, von verlorenen, vergangenen und kommenden Zeiten. Und von Wendepunkten, die das eigene Leben um 180 Grad drehen können. Oder den Lauf der Geschichte. So hat Helene Blum neben Liebesliedern mit „Et øjebliks stilhed” auch einen Song über den Dänisch-Deutschen Krieg 1864 geschrieben.

Längst ist das ein fast vergessenes Kapitel Geschichte – die Zeiten stehen gut für eine neue deutsch-dänische Freundschaft. Und Helene Blum und Harald Haugaard wurden zu Kulturerbe-Botschaftern berufen und werden Deutschland im Europäischen Kulturerbejahr 2018 unter anderem an der Seite des Architekten David Chipperfield und des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, vertreten. Das Künstlerpaar freut sich schon jetzt darauf, dass es auf diese Weise künftig häufiger in Berlin sein wird. Was die beiden an der Stadt mögen? Die Offenheit, Kreativität und Lebendigkeit, kommt die Antwort ohne Zögern. Eine Zeit lang hatte das Paar sogar mit dem Gedanken gespielt, nach Berlin zu ziehen. Aber zu stark war die Verbindung mit dem ländlichen Fünen und die Liebe zur Natur. Vor der Haustür liegt der Wald und der nächste Fjord ist nicht weit. Wasser spielt in der nordischen Musik eine große Rolle und fließt manchmal auch in die Songs des Musiker-Paares mit ein, als elektronisch abgemischter „natürlicher“ Sound. Die Musik spiegle Befindlichkeiten wieder, sei hilfreich bei der Auseinandersetzung mit den eigenen Themen und bei der „Bekämpfung der Dunkelheit“. Heute ist viel Licht und Klarheit in Helene Blums Leben. Das war nicht immer so – lange wollte sie sich mit den Schattenseiten nicht auseinandersetzen. Inzwischen aber schon, denn die haben auch ihren Platz in der Musik gefunden und verleihen ihr Vielschichtigkeit.


Daniela Noack

 

 

INFO:Konzert Helene Blum &
Harald Haugaard Band
Dienstag, 7. März
20 Uhr
Passionskirche
Marheineke Platz 1

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