„Ich bin kein  großer Manipulator“
„Ich bin kein großer Manipulator“
17. Februar 2017

Der Schritt vom Hobby zur Profession war für ihn ein Wagnis. Mittlerweile hat sich der Magier Kalibo etabliert, zaubert bei Mittelaltermärkten, Dinnershows und auf Kreuzfahrtschiffen. Angefangen hat alles mit einem Zauberkasten für Kinder.

Meinen ersten Auftritt hatte ich am 18. Februar 1992 beim Geburtstag meiner Mutter“, blickt Kalibo zurück. Damals bewältigte der Zauberer, der mit richtigem Namen Kai Oliver Borchers heißt, sein Programm noch ganz bescheiden in 20 Minuten und mit wenigen Requisiten.

Es sollte der Anfang einer beachtlichen Karriere werden. Auftritte folgten  auf Privatfeiern, der Straße und im Zoo seiner Heimatstadt Saarbrücken. Nach der Seehundfütterung habe er dort bis zu vier Mal täglich viel ausprobieren können. Auch heute präsentiert der mittlerweile 40-Jährige immer noch regelmäßig in dem Tierpark seine Tricks. Und auch in Fußgängerzonen zeigt er nach wie vor gerne sein Können: „Das ist für mich die Königsdisziplin“, betont er. Denn hier müsse man die Leute jede Minute begeistern, weil sie sonst gnadenlos weitergehen würden.

Bereits mit sieben Jahren fand Kalibo Gefallen an der Magie. Als er seinen ersten Zauberkasten geschenkt bekam, habe er seiner Mutter gesagt, dass er später mal Zauberkünstler werden möchte, wenn er erwachsen ist. Doch diese habe ihm geantwortet, dass beides zusammen nicht gehe, blickt er zurück. „Die Zauberei ist die Kunst, den Menschen für einen Moment an das Unmögliche glauben zu lassen“, lautet sein Motto.

Auch am Singen war er in seiner Jugend interessiert. Er war von 1980 bis 1988 Mitglied des Kinderchores am Saarländischen Staatstheater und hatte mit dem Ensemble erste Bühnenauftritte. Doch sein Stimmbruch habe dieser Karriere ein „dramatisches Ende“ beschert, blickt der Bariton lächelnd zurück. Auch heute singe er privat noch gerne und viel –öffentlich aber nur noch ab und zu am Lagerfeuer auf Mittelaltermärkten oder wenn er sein Kunststück „Die singende Säge“ vorführt, wo er mit einem Bogen auf einer Säge spielt.

Als er 1989 in einer Bücherei ein Buch über Magie fand, sei er endgültig vom „Zaubervirus“ infiziert worden: „Ich war so fasziniert von dem Buch, dass ich mir noch am gleichen Tag ein weiteres gekauft habe“, erinnert sich Kalibo. Sein Taschengeld habe er seitdem vor allem für sein Equipment ausgegeben.

Er wollte es „einfach mal probieren“

Nach der Schule ging es 1996 zunächst zur Bundeswehr, wo der Saarbrücker als Rettungssanitäter seinen Dienst verrichtete. „Ausgerechnet in dieser Zeit entstand meine erste Kinder-Show“, erzählt er und schmunzelt. Bis heute tritt er zehn bis 15 Mal pro Jahr bundesweit vor Soldaten und deren Familien in Betreuungseinrichtungen auf.

Dennoch blieb diese Leidenschaft für Kalibo zunächst weiter nur ein Hobby. „Du wächst in einer Gesellschaft auf, die dir sagt, das geht nicht“, erklärt er. Deshalb absolvierte er eine Ausbildung zum Hotelfachmann, die er nicht nur sehr interessant fand, sondern sogar als Landesbester abgeschlossen hat. Anschließend arbeitete er als Barchef in einem Saarbrücker Hotel und zauberte für die Gäste coole Drinks auf den Tresen. Von 2003 bis 2007 studierte er dann Literatur- und Medienwissenschaft an der Universität des Saarlandes.

Parallel dazu hatte Kalibo auch bundesweit immer mehr Engagements. Deshalb beschloss er 2004 es „einfach mal zu probieren“ und fing an, als professioneller Zauberkünstler zu arbeiten. Inzwischen ist sein Künstlername sogar ein eingetragenes Markenzeichen. Zu seinen Erkennungszeichen gehört eine orangene Socke – die er übrigens auch dann trägt, wenn er privat unterwegs ist. Denn es komme immer wieder vor, dass ihn Kinder darauf ansprechen: „Ich habe aber auch andere orangene Sachen“, ergänzt er. Seit etwa vier Jahren trägt er zudem einen Schnurrbart.

Bei seinen Illusionen wurde das Becherspiel zu seinem Steckenpferd. „Das ist im Prinzip das älteste Kunststück der Welt“, sagt Kalibo. Da heute alles „größer, schneller und weiter“ sein müsse, zeige er eine zeitgemäße Version dieses Tricks: Er lässt unter den Bechern nicht nur Bälle, sondern auch Orangen und sogar Melonen erscheinen. Zudem holt er zum Beispiel aus einer echten Zitrone einen Geldschein und steckt sich einen 20 Zentimeter großen Nagel in die Nase. „Das ist übrigens das einzige Kunststück, das kein Trick ist“, verrät er. Es gebe sogar ein Röntgenbild, auf dem der Nagel zu sehen ist.

Eins haben viele seiner Kunststücke jedoch gemeinsam: Kalibo zaubert seit jeher gerne mit Alltagsgegenständen. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, deren Nummern immer aufwendiger und größer werden, legt er seinen Schwerpunkt schon immer auf die Close-up-Magie. „Ich bin kein großer Manipulator“, steht für ihn fest. Statt unglaublich ausgefallene Griffe zu verwenden, konzentriere er sich lieber auf die Präsentation.

„Ich will direkt mit Menschen arbeiten, auf sie zugehen und mit ihnen sprechen“, so Kalibo weiter. Deshalb hat er es bei Auftritten auch am liebsten, wenn er sein Publikum bis in die letzte Reihe noch sehen kann. „Die Leute sollen sich als Teil der Show fühlen.“ Zudem möchte er seine Zuschauer emotional berühren, sie zum Beispiel zum Staunen oder Lachen bringen.

Selbst wenn er ein abendfüllendes Programm spielt, ist sein Equipment sehr überschaubar und beschränke sich in der Regel auf zwei Koffer. Das hänge damit zusammen, dass seine Anfänge auf der Straße liegen, erklärt der Magier. Da könne man nur mitnehmen, was man selbst schleppen kann. Überhaupt ist er ein Selfmademan, reist meistens alleine zu seinen Auftritten und steuert auch seine Musik selbst. Und die organisatorischen Dinge sowie die Büroarbeit übernimmt er ebenfalls selbst.

Dass sein Equipment überschaubar ist, ist auch für seine Kreuzfahrt-Engagements wichtig: „Die würden mich nicht nehmen, wenn ich mit 100 Kilo Gepäck anreisen würde.“ Schon seit 2007 zaubert Kalibo zwei bis drei Monate im Jahr regelmäßig auf hoher See. Dabei ist er bereits in über 70 Ländern auf allen Kontinenten inklusive der Antarktis aufgetreten.

Viele Jahre war er
in einer Doku-Soap 

Viele Kollegen würden ihn beneiden, auf Kreuzfahrt gehen zu können und dabei noch Gage zu kassieren. Doch die Realität sehe anders aus, weiß er: „Das ist harte Arbeit.“ Schon die Anforderungen seien sehr hoch. So müsse er zum Beispiel ein zweieinhalbstündiges Solo-Repertoire vorweisen. Das Publikum sei sehr anspruchsvoll und die Freizeit rar: „Das Schiff ist im Prinzip ein Mikrokosmos“, weiß er. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch, wenn er privat auf dem Schiff unterwegs ist, stehe er quasi unter ständiger Beobachtung. Er müsse sehr kommunikativ sein und sich als Teil des Teams sehen. Denn es kann zum Beispiel auch mal vorkommen, dass er bei den Ausflügen als Reiseleiter oder an Bord als Animateur einspringen muss.

Kalibo war auch viele Jahre als Protagonist der ARD-Doku-Soap „Verrückt nach Meer“ mit an Bord. Die Serie möchte den TV-Zuschauern das Leben auf einem Kreuzfahrtschiff aufzeigen: „Alles, was passiert, ist echt“, erklärt er. 2015 ist er so von Acapulco bis Curaçao mit der „Weißen Lady“ gefahren. „Ich war
20 Tage an so vielen Traumstränden unterwegs und bin erst am letzten Tag selbst mal an den Strand gekommen“, blickt er zurück. Bei den Dreharbeiten habe er jedoch auch zahlreiche außergewöhnliche Momente erleben dürfen. Dazu gehört eine Begegnung mit einem Schamanen in Guatemala. Und in Australien erfüllte sich für ihn ein Kindheitstraum. „Ich durfte einen Koala-Bären auf den Arm nehmen.“ Zudem habe er an Bord viele neue Freundschaften knüpfen können.

In seinem Jubiläumsjahr will Kalibo auftrittsmäßig in seiner Heimat etwas kürzertreten und viel bundesweit spielen. So ist er unter anderen wieder auf Mittelaltermärkten, in Dinnershows, beim größten Zauberfestival Europas in Rastatt sowie auf Kreuzfahrtschiffen zu sehen. 2017 ist er im Orient, auf dem Mittelmeer und rund um die britischen Inseln unterwegs. Zuvor feiert er jedoch am 12. Mai im Saarland im Salzbrunnenhaus in Sulzbach die Premiere seiner Jubiläums-Show „25 zauberhafte Jahre“. Natürlich soll es dabei seine besten Nummern zu sehen geben. „Aber ich habe auch das ein oder andere Kunststück ausgegraben, mit dem ich schon vor 20 bis 25 Jahren aufgetreten bin“, sagt der Saarbrücker.

Darüber hinaus hat der Künstler auch einige neue Nummern einstudiert. So schluckt er, wie einst Houdini, Nägel. Als Probezuschauer dienen dabei seine Ehefrau und seine heute zehnjährige Tochter Marilene: „Je älter sie wird, umso kritischer ist sie“, bemerkt Kalibo. Sie sei damit aufgewachsen, dass ihr Vater keinen alltäglichen Beruf ausübe. So habe sie ihm bereits mit sechs Jahren immer die Zwangsjacke zugeschnürt, die er bei einem seiner Kunststücke trage. Einmal habe sie Gäste durch ihre Wohnung geführt und erklärt: „Und da liegt die Zwangsjacke, mit der ich meinen Papa immer fessele.“


Marko Völke

Weitere Infos unter: www.kalibo.de

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