„Ich wollte immer etwas Soziales machen“
„Ich wollte immer etwas Soziales machen“
16. Juni 2017

Seit rund 30 Jahren setzt sich Dr. Christoph Dallinger in dem Verein Mutter-Kind-Projekt-Togo für Menschen in Afrika ein.

Weltweit gibt es Hilfsprojekte, die mit kleinen Mitteln Großes bewegen. Dafür braucht es Menschen, die für die Sache brennen und die nötige Portion Durchhaltevermögen besitzen. Solch ein Mensch ist Dr. Christoph Dallinger, der sich seit fast 30 Jahren für Menschen in Afrika einsetzt.

Idee durch den Bankberater

Der Zahnmediziner, der heute seine eigene Praxis in Saarbrücken St. Arnual hat, wollte sich nicht nur seinem Beruf verschreiben, sondern auch außerhalb etwas bewirken. „Ich wollte immer etwas Soziales machen“, erinnert er sich. Darum nahm er zunächst Kontakt zum Komitee „Ärzte für die Dritte Welt“ auf. Doch die wochenlangen Einsätze der Organisation waren für den jungen Mediziner nicht machbar. Er hielt weiterhin die Augen offen und wie der Zufall es wollte, lernte er ausgerechnet während eines Banktermins für seine Praxisfinanzierung den damaligen Vorsitzenden des Vereins Mutter-Kind-Projekt-Togo kennen – es war sein Bankberater. Der erzählte ihm von den Problemen in Afrika. Vor 30 Jahren war es nämlich so, dass die Sterblichkeitsrate bei den Neugeborenen in Togo sehr hoch war. Im Jahr davor hatte eine togolesische Hebamme, die zu der Zeit in Saarbrücken lebte, die Initiative zur Vereinsgründung ergriffen. Mithilfe von Spenden, Vereinsbeiträgen, Förder- und Stiftungsgeldern sollte in Togo eine eigene Entbindungsstation zur Verbesserung der medizinischen Situation bei Gebärenden und Säuglingen gebaut werden. Auch die saarländische Regierung unterstützte das Projekt damals mit 24.000  Mark beim Bau einer Solaranlage. Noch im gleichen Jahr begannen in Togo die Bauarbeiten gemeinsam mit dem togolesischen Partnerverein C.r.e.d.o.

Ein Jahr nach Baubeginn konnte der Verein natürlich jede helfende Hand gebrauchen und so ließ sich Christoph Dallinger „schnell an Land ziehen“, wie er mit einem Augenzwinkern erklärt. „Ich wurde dann recht schnell in den Vorstand gewählt“, erinnert er sich. Anfangs hatte der Verein noch den Gedanken, alles aus dem Saarland zu steuern. „Das war natürlich eine Schnapsidee“, erzählt Dallinger. Alle ein bis zwei Jahre statteten ein paar Mitglieder den Projekten vor Ort einen Besuch ab – auf eigene Kosten versteht sich. Das reichte aber nicht aus. Ein Togolese, der bei einer Transportfirma mit den Standorten Saarlouis und Togo eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker im Saarland machte, entschied sich, in die Heimat zurückzukehren. Ein Glücksfall für den Verein, bot sich dieser doch an, alles Nötige vor Ort regeln zu können. „Diese Verbindung hat es für uns einfacher gemacht“, erklärt der Zahnarzt. Das Schöne daran: Dieser vertrauensvolle Kontakt hält auch heute noch an, mittlerweile sogar in zweiter Generation. 1994 wurde die Entbindungsstation „Dispensaire Hedi Krause“ schließlich offiziell eingeweiht. Für den Verein war das ein Meilenstein, aber es war auch der Zeitpunkt, um über die Vereinsphilosophie nachzudenken. Die Mitglieder waren sich schnell einig: Man wollte fortan die Menschen in Togo auch in anderen Lebensbereichen unterstützen. Also entschieden sie sich für den Bau eines Handwerkszentrums, in dem Frauen eine dreijährige Ausbildung zu Näherinnen absolvieren können. Der Verein kümmerte sich aber nicht nur um den Bau, sondern nach der Fertigstellung auch um das Personal, wie Hausmeister, Lehrkräfte und die nötige Ausstattung. „Hilfe zur Selbsthilfe“ lautet das Motto des Vereins, der bei allen Aktionen und Projekten stets dafür sorgen möchte, dass die Menschen vor Ort selbstständig und langfristig ihr Leben bestreiten können und die Wirtschaft vor Ort gestärkt wird. So erhalten die Näherinnen nach ihrem Abschluss einen Zuschuss von 50 Prozent auf die Anschaffung ihrer eigenen Nähmaschine – ein Startkapital in die Selbstständigkeit. Das ist auch ein Grund, weshalb keine Kleidung nach Togo geschickt wird, damit den Näherinnen nicht die neu gewonnene Existenz genommen wird und sie stattdessen Kleidung selbst anfertigen. „Wichtig war auch immer, dass wir nichts ganz kostenlos gemacht haben“, findet Dallinger. So wurde zum Beispiel für das Essen in der Schule ein minimaler Monatsbeitrag angesetzt. Was nichts kostet, ist eben auch nichts wert. Im Laufe der vielen Jahre wurde jede Menge auf die Beine gestellt. So folgte die Unterstützung Behinderter mit handbetriebenen Dreirädern, die Unterstützung anderer Krankenhäuser mit Geld- und Materialspenden, die Unterstützung von Waisenhäusern und Schulen, der Bau eines eigenen Kindergartens und Waisenhauses im ländlichen Raum, woraus sich mittlerweile eine Schule entwickelt hat, die aktuell auf sechs laufende Klassen ausgeweitet wurde.

Gerade einmal
90 Mitglieder

Für die Größe des Vereins haben wir da schon viel realisiert“, stellt Christoph Dallinger bescheiden fest. Nun könnte man meinen, hinter all diesen Erfolgen müsste eine riesige Organisation mit Tausenden Mitgliedern stecken. Doch falsch gedacht. Gerade einmal 90 Mitglieder zählt der Verein, der sich auch heute über Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. 1.000 bis 1.200 Euro werden jeden Monat für die laufenden Projekte inklusive der Mitarbeiterkosten ausgegeben. Gar nicht auszumalen, was dieser kleine saarländische Verein mit mehr Mitgliedern erreichen könnte. Schön ist zudem, dass die Projekte auch bei der togolesischen Regierung anerkannt werden, was sie beispielsweise durch persönliche Besuche bei offiziellen Eröffnungen demonstrieren. Nach all diesen Erfolgen soll die Hilfsarbeit auch in Zukunft nicht stillstehen. Das aktuelle Projekt: das Sammeln von alten PCs, die dort repariert und in den Schulen eingesetzt werden oder nach der Reparatur verkauft werden, was wiederum den Projekten zugeht. Zudem soll eine Handwerksausbildung für Männer eingerichtet werden.

Christoph Dallinger zählt heute, obwohl er in naher Zukunft seinen altersbedingten Praxisaustritt plant, zu den jüngsten aktiven Mitgliedern im Verein. Er selbst sammelt schon jetzt Adressen, wo er danach als Zahnarzt etwas Gutes tun kann. Ehrenamt ist für ihn Ehrensache und seine Aufenthalte in Togo haben ihm gezeigt, was ein Kinderlächeln in Afrika wert ist. Das Mutter-Kind-Projekt-Togo soll natürlich weitergehen, dann aber – so hofft er – auch mit neuen Mitgliedern, die auf irgendeine Art helfen wollen.


Nadine Bröcker

Kontakt Mutter-Kind-Projekt-Togo e.V.: E-Mail: ch-dallinger@t-online.de
Spendenkonto: Deutsche Apotheker- und Ärztebank,
IBAN: DE 88300606010002573148,
BIC: DAAEDEDDXXX

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