„Jede Destination hat ihren Reiz“
„Jede Destination hat ihren Reiz“
11. August 2017

Auf ihrem Blog „The Mandarine Girl“ berichtet die erfolgreiche Travel-Bloggerin Desiree Ricks ausführlich über ihre Reisen. Im Interview spricht sie über ihren Werde­gang, Reiseerlebnisse und Kooperationen.

Desiree, wie kamst Du zum Bloggen, und was hast Du vorher gemacht?

Zum Bloggen kam ich durch „Lookbook.nu“. „Lookbook“ hatte ich 2009 entdeckt und folgte dann einigen interessanten Mädels, die dort regelmäßig ihre Looks upgeloadet haben – unter anderem auch Chiara Ferragni, die heute erfolgreichste Bloggerin der Welt. Den Gedanken, eine eigene Website zu haben, auf der ich mich kreativ austoben und eventuell später damit sogar einmal etwas Geld verdienen kann, fand ich recht aufregend. Vor meiner Blogger-Laufbahn habe ich im Einzelhandel gearbeitet, mir war aber eigentlich schon immer klar, dass ich einmal in die Selbstständigkeit möchte. Natürlich ist es als junges Mädchen nicht so leicht, von heute auf morgen etwas aus dem Boden zu stampfen. Meist braucht man, um ein Unternehmen zu gründen, ja ein mehr oder minder großes Startkapital.

Beim Bloggen ist das etwas anders – die Anschaffungskosten für alles Nötige, sprich Kamera, Laptop und so weiter, halten sich hier ja noch in Grenzen.

Hast Du von Anfang an über Reisen berichtet?

Mein Blog war zu Beginn ein reiner Modeblog, auf dem ich damals nur Outfits gepostet hatte. Das Reisen kam erst später dazu. Private Schnappschüsse habe ich aber eigentlich nie auf meiner Site gepostet, das fand ich einerseits irgendwie nicht professionell, und andererseits lege ich sowieso sehr großen Wert auf meine Privatsphäre. Daher blieb es anfangs bei den klassischen Fashion-Posts.

Wie ging es weiter?

Anfangs habe ich mich stark darauf fokussiert, erst einmal alle wichtigen Basics zu erlernen, die man braucht, um einen Blog einigermaßen erfolgreich zu betreiben. Ich habe mich nächtelang in html-Foren umhergetrieben und geschaut, welcher Quellcode für was ist, was genau CSS bedeutet, wie Affiliate Marketing funktioniert, wo genau ich meine Domain hosten soll und, und, und. Danach ging es dann daran, Leser zu gewinnen und regelmäßig Content zu produzieren und zu posten. Das ist vor allem in der Anfangsphase nicht immer ganz stressfrei gewesen, und ich hatte oft Momente, in denen ich genervt und überarbeitet war, denn ich habe den Blog ja nebenbei aufgebaut und hatte auch noch meinen normalen Fulltime-Job. Irgendwann sind dann immer mehr Firmen und Agenturen auf mich und den Blog aufmerksam geworden, und ich wurde immer öfter für Kooperationen angefragt. Das Ganze war aber ein langsamer und schleichender Prozess, so dass ich nicht plötzlich irgendwelche massiven Änderungen vorgenommen habe. Instagram hatte ich damals noch nicht, ich bin eigentlich kein Fan von Social Media und habe mich lange dagegen gesträubt – aus heutiger Sicht natürlich nicht gerade schlau, aber damals lag der Fokus noch nicht so stark auf Social Media. Und ich war lange der Meinung, es auch ohne Instagram zu schaffen – heute bin ich froh, dass ich den Account habe. Natürlich hat sich auch mein Leben verändert durch den Blog. Ich habe die Möglichkeit, zu vielen tollen Orten zu reisen und inspirierende Menschen zu treffen, wofür ich auch sehr dankbar bin!

Welche Ziele hattest Du mit Deinem Blog?

Anfangs war der Blog eher ein reines Hobby-Projekt für mich. Es hatte mir Spaß gemacht, mich mit anderen auszutauschen, meine Leser zu inspirieren und etwas eigenes zu erschaffen, auf das man stolz sein kann. Nachdem man dann irgendwann immer mehr Arbeit und Zeit in das Projekt gesteckt hat, kam dann natürlich auch der Wunsch, dass sich die ganze Arbeit eventuell auch mal auszahlt. Man sieht erfolgreichere Blogger, die gesponsert werden, viel Geld mit ihrem Blog verdienen und fängt dann an, in größeren Dimensionen zu denken. Ich hatte aber oft Phasen, in denen ich diesbezüglich sehr skeptisch war und daran eigentlich gar nicht so richtig geglaubt hatte.

Du arbeitest inzwischen als Vollzeit-Bloggerin. Hast Du Deinen Beruf erst aufgegeben, als der Erfolg kam, oder schon vorher all Deine Zeit und Inspiration in den Blog investiert?

Ich habe meinen Beruf erst aufgegeben, als ich von meinem Blog leben konnte, beziehungsweise habe ich irgendwann nur noch halbtags gearbeitet, um mehr Zeit für meinen Blog zu haben, da die Anfragen ja auch immer mehr wurden und ich mich intensiver auf „The Mandarine Girl“ konzentrieren wollte. Ich glaube, seinen eigentlichen Job aufzugeben, ohne ein anderes festes Standbein zu haben, wäre finanziell auch nicht gerade klug gewesen.

Von wem sind die Fotos auf Deinem Blog?

Das ist ganz unterschiedlich. Am Anfang hatte mich mein damaliger Freund immer fotografiert. Durch das viele Reisen habe ich aber aktuell eigentlich keine feste Person mehr, die mich knipst. Manchmal andere Blogger, wenn man zum Beispiel auf einem Bloggertrip oder einer Pressereise ist, ab und an eine Freundin, der ich die Kamera in die Hand drücke. Da ich alle Kameraeinstellungen wie Blende, Verschlusszeit sowieso immer selber einstelle, ist das für mich eigentlich kein Problem, keinen festen Fotografen zu haben. Man findet fast immer jemanden, der einem behilflich ist. Die eigentliche Arbeit ist meiner Meinung nach sowieso nicht das Fotografieren, sondern das Bearbeiten der Bilder – hier sitze ich oft stundenlang vorm Laptop und könnte mich regelrecht verkünsteln.

Wie oft bist Du auf Reisen? Und welche Länder hast Du schon besucht?

Wie oft ich verreise, variiert sehr stark. Die vergangenen zwei Jahre war ich wirklich sehr viel unterwegs und nur recht selten in Deutschland. Die vergangenen Monate habe ich mich dann mal wieder etwas mehr meinem Privatleben gewidmet und bin vergleichsweise nicht mehr so extrem viel unterwegs gewesen wie früher. Auf meiner Liste stehen immer noch viele Länder, die ich gerne besuchen möchte. Ich bin ein Mensch, der gerne öfter an einen Ort zurückkehrt, wenn es mir dort gefallen hat. Daher habe ich noch nicht so viele verschiedene Destinationen besucht. Unter anderem war ich schon in New York, Dubai, Marrakesch, Marbella, Portugal, Ibiza, Mallorca, Formentera, Thailand, Mauritius, Miami, Monaco, Südfrankreich, Kroatien, Griechenland, Italien, Istanbul, Bodrum und an vielen mehr. Was auf jeden Fall noch auf meiner Liste steht sind Tulum in Mexiko und die Seychellen.

Reist Du alleine, mit Deinem Freund oder anderen Bloggern?

Natürlich ist es oft schwer, eine Begleitung zu finden. Vor allem, wenn man sehr spontan für ein Event oder einen Trip angefragt wird. Die meisten Menschen mit einer Festanstellung können natürlich nicht so zeitlich flexibel sein wie wir Blogger und sind ja auch meistens an einen festen Ort gebunden. Ab und an reise ich mit einer anderen Bloggerin oder einer guten Freundin. Da dies aber auch nicht immer klappt, bin ich nun am Überlegen, mir eine zeitlich flexible Aushilfe einzustellen, quasi eine Art Assistentin, die mich zu bestimmten Reisen und Events begleitet und dort unterstützen kann, indem sie beispielsweise Fotos macht und mir bei anderen kleinen Aufgaben und Tätigkeiten behilflich ist.

Welche waren Deine schönsten Reiseziele und Reiseerlebnisse?

Ich finde, das ist eine recht schwere Frage, da jede Destination ihren eigenen Charme hat und es so viele schöne und einzigartige Orte auf der Welt gibt. Was mich persönlich aber sehr fasziniert hat, war Marrakesch. Die Stadt ist traumhaft, wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Es gibt atemberaubend schöne Hotels, sehr stilvolle Restaurants, und alles hat irgendwie so einen orientalischen Zauber. Schöne Reiseerlebnisse und Momente gab es natürlich einige. Eigentlich ist jeder Trip an sich ein spannendes und einzigartiges Erlebnis für mich.

Welche Verhaltensweisen, Bräuche oder Traditionen in anderen Ländern haben Dich am meisten überrascht, schockiert, befremdet oder amüsiert?

So sehr ich Marrakesch auch mag, was mich dort geschockt hat war, wie die Menschen dort mit Tieren umgehen. Leider ist es ja oft so auf der Welt, speziell in ärmeren Ländern, dass Menschen Tiere als minderwertig betrachten, keine Empathie haben, das Tier quasi nur als Nutztier betrachtet wird und nicht als lebendiges Wesen. In Marrakesch sah ich Esel, die vor überladene Karren gespannt waren, in der prallen Hitze herumstanden wie ein Auto, das man abstellt, bis man es wieder benutzen möchte. Die Tiere hatten teilweise offene Wunden, und leider scheint das die meisten Einheimischen dort nicht sonderlich zu interessieren. Es sind eben „nur Tiere“, die benutzt werden, um etwas von A nach B zu transportieren oder so wie die herrenlosen Hunde und Katzen auf den Straßen eben einfach da sind. Zu sehen, wie wenig Mitgefühl es hier für die Tiere gibt, hatte mich geschockt und auch ziemlich wütend gemacht – leider stößt man bei den meisten Einheimischen hier aber auf taube Ohren. Es ist eben eine andere Kultur, in der das Tier, wie gesagt ,in erster Linie da ist, um einen Nutzen zu erfüllen.

Wo hast Du die leckersten Gerichte gegessen, und welche waren das?

Ich liebe ja italienisches Essen und bin immer im siebten Food-Himmel, wenn ich in Italien bin. Was ich aber auch sehr gerne mag, ist Thailändisch. Ganz besonders gerne habe ich während meiner Aufenthalte in Thailand immer Tom Kha Gai-Suppe gegessen – am liebsten richtig scharf und mit einer feinen Note Zitronengras.

Du übernachtest häufig in Luxus­hotels. Würdest Du Dich auch mal unter die Einwohner mischen und für ein paar Wochen ein dort typisches Leben führen?

Ich muss gestehen, dass ich ein Faible für schöne und hochwertige Hotels habe und deswegen gerne in solchen Häusern übernachte. Natürlich habe ich aber auch schon oft außerhalb von Hotels genächtigt – ich habe etwa ein paarmal „Airbnb“ genutzt und dann auch bei Einheimischen gewohnt. Das ist, um ehrlich zu sein, aber eher recht selten passiert. Ob ich mich länger unter die Einheimischen mischen und ein typisches Local-Leben führen würde, kann ich so direkt gar nicht beantworten. Das kommt natürlich immer auf die entsprechende Destination an. Ich glaube, sich in recht ärmlichen Ländern unter die Einheimischen zu mischen und wie diese zu leben, ist für uns verwöhnte Europäer schon recht schwer. Man ist natürlich einen gewissen Standard gewohnt, den man auch beibehalten möchte. Auf der anderen Seite finde ich es aber auch immer wieder wichtig sich bewusst zu machen, wie viel Glück man im Leben hat – speziell wir Europäer – und dass es auch Menschen gibt, die ein sehr bescheidenes und schweres Leben führen müssen. Viele Dinge sind für uns so selbstverständlich geworden, dass wir sie nicht mehr wertschätzen und würdigen. Und natürlich kann man sich das am besten bewusst machen, indem man für einige Zeit den Lifestyle von Menschen und Kulturen mitlebt, die es nicht so leicht im Leben haben. Ich will aber ehrlich sein – natürlich ist so etwas auch kein Zuckerschlecken, und ich kann nicht sagen, wie lange und wie intensiv ich so eine Erfahrung mitmachen wollen würde.

Hast Du anfangs über Deine privaten Reisen geschrieben oder waren es damals schon Kooperationen?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube, ich habe tatsächlich zwei- oder dreimal über eine private Reise geschrieben. Die meisten meiner Reisen sind in Kooperation mit Agenturen oder Hotels entstanden.

Wie kommt es dazu, dass man als Influencer zu Reisen eingeladen wird? Und wer lädt ein?

Das ist unterschiedlich. Ich für meinen Teil kann sagen, dass Kooperationen mit Airlines eher selten der Fall sind, meistens wird man von Hotels oder Agenturen eingeladen. Wie diese auf mich und meinen Blog aufmerksam werden, kann ich nicht pauschal sagen. Da ich schon lange in der Bloggerszene tätig bin, verfügt man natürlich über einen gewissen Bekanntheitsgrad. Agenturen empfehlen dich oder du wirst auch einfach zufällig bei Recherchen der Agenturen nach möglichen Bloggern für eine Zusammenarbeit gefunden. Eine Kundin erzählte mir auch, dass sie mich durch einen Artikel in einer Frauenzeitschrift fand, in der mein Blog erwähnt wurde.

Wo siehst Du Dich in der Zukunft?

Ich denke tatsächlich in letzter Zeit häufiger darüber nach, was ich tun würde, wenn ich eines Tages nicht mehr bloggen oder durch irgendwelche Gründe nicht mehr von meinem Blog leben könnte. Unser Businessmodell ist sehr schnelllebig, und die neuen Medien verändern sich permanent. Ich denke, auch ein Blog hat ein Ablaufdatum – ähnlich wie ein gut gebuchtes Model. Irgendwann gehen einmal die Aufträge zurück, und man muss schauen, wie man sich neu orientiert. Klar hat man als Blogger gute Chancen, in branchenähnlichen Berufen Fuß zu fassen, sei es nun Journalismus, modeln, PR oder Ähnliches. Ich habe mir aber bislang noch keine tieferen Gedanken diesbezüglich gemacht. Natürlich ist mir aber bewusst, dass auch ich einen Plan B brauche, sollte in ein paar Jahren der Blog mal nicht mehr so laufen. Ich persönlich finde es sehr erfüllend, selbstständig zu sein und neue Ideen und Projekte zu planen und umzusetzen. Daher würde ich auf jeden Fall etwas in dieser Richtung machen wollen. Ich liebe es einfach, kreativ zu sein und frei arbeiten zu können und könnte mir, um ehrlich zu sein, nach der langen Zeit der Selbstständigkeit nicht mehr vorstellen, in einem normalen nine-to-five-Job zu arbeiten. Was die Zukunft betrifft, sehe ich mich die nächsten Jahre auf jeden Fall noch aktiv in der Bloggerszene und werde versuchen, meine Leser noch lange mit meinen Bildern und Berichten zu erfreuen.

Interview: Kristina Scherer-Siegwarth

Für weitere Infos und Einblicke:

www.themandarinegirl.com





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