„Nach Las Vegas kriegen uns keine zehn Pferde“
„Nach Las Vegas kriegen uns keine zehn Pferde“
17. März 2017

Die Ehrlich Brothers sind zurück, mit der Show „Faszination“. Andreas und Christian Ehrlich begeistern auch im aktuellen Programm mit einer Kombination aus Magie, Illusion und Comedy. Christian Ehrlich spricht im Interview über die neue Show und die Pläne der Brüder für die Zukunft.

Herr Ehrlich, nachdem Sie mehrere Jahre erfolgreich mit Ihrer „Magie – Träume erleben“-Tour unterwegs waren, haben Sie nun eine komplett neue Show am Start. Und dabei fahren Sie ja mit großem Geschütz auf …

Ja, für die Show sind elf Lkw mit einem 40 Tonnen schweren Equipment erforderlich, das jedes Mal aus- und eingeladen werden muss – außerdem Dinge, die vor Ort installiert werden. Unter anderem werden wir Schwiegermütter aus dem Publikum wegteleportieren. Wir nehmen da übrigens Empfehlungen entgegen. (lacht) Auch unser Monstertruck wird natürlich erscheinen.

Mein Bruder wird mich auf Zwergengröße schrumpfen. Das freut ihn immer wieder aufs Neue. Na ja, aber ich habe mich dazu verpflichtet. Da muss man durch. Für die Frauen haben wir ebenso etwas dabei. So werde ich mit einer Dame aus dem Publikum meinen modischen Stil auf magische Art und Weise interpretieren. Trotzdem darf auch ein Klassiker nicht fehlen: Wir werden mit dem Motorrad aus dem iPad fahren. Darüber hinaus gibt es eine relativ gruselige Illusion. Ich werde meinem Bruder die Beine absägen und mit vier Beinen über die Bühne tanzen. Unter unseren hartgesottenen Fans ist dieser Trick bereits legendär. (lacht)

Dennoch werden Sie aber sicherlich auch wieder einige kleinere Nummern dabei haben, oder?

Ja, denn wir hatten die Fans dazu aufgefordert uns mitzuteilen, was ihnen am besten gefallen hat und was vielleicht noch besser gemacht werden muss. Und da sind explizit auch immer wieder die kleinen Illusionen genannt worden, die wir inmitten von Zuschauern aufführen. Diese Tricks haben also eigentlich einen gleichwertigen Charakter, sozusagen einen „Unplugged“-Charakter. Wir wechseln immer zwischen großen und kleinen Nummern, weil das die Menschen auf eine persönliche Art berührt. Das künstlerische Können kommt dabei mehr zur Geltung als bei einer großen Illusion, bei der es vielleicht gar nicht so sehr auf die Fingerfertigkeit ankommt. Unsere Erfahrung ist es, dass die Leute einen Mix sehen wollen.

Sie haben die Illusionen früher gerne zusammen mit Ihrem Vater entwickelt. Das geht nach seinem Tod ja nun leider nicht mehr. Mussten Sie da erst einmal umdenken?

Der Prozess ist nicht ganz anders. Er ist einer von vielen, ein Puzzleteil. Aber unser Vater war nicht mehr aktiv am Herstellungsprozess beteiligt. Seine Krankheit war sehr vielschichtig und kam nicht von heute auf morgen. Er war viele Jahre lang krank. Daher waren wir darauf vorbereitet. Der permanente Austausch, also „Was denkst Du darüber?“, „Was hältst Du davon?“ hat sich inzwischen verlagert. Es gibt nun Spezialisten, mit denen wir uns austauschen. Von daher erleben die Zuschauer keine andere Show. Aber für uns ist das natürlich sehr emotional. Doch dieses Gefühl kennen wahrscheinlich sehr viele, dass ein Mensch, der einem viel bedeutet, nicht mehr da ist.

Ihr Equipment wächst von Tour zu Tour. Wäre es da manchmal nicht von Vorteil, wirklich zaubern zu können?

Ja, aber die Crew ist auch gewachsen. Und wir arbeiten im Mehrschichtdienst. Das heißt, es gibt Nacht- und Tagesschichten. Mittlerweile sind wir 100 Personen, die jeden Tag involviert sind. Es ist einfach toll für uns, dass das gut funktioniert. Ich glaube, es hat nie eine Show gegeben, die gefährdet war, dass sie nicht stattfindet – sei es aus Zeitgründen oder weil irgendetwas nicht funktioniert hat.

Dennoch haben Sie immer wieder Anekdoten über Pannen oder Zwischenfälle auf Lager. Ist auch auf der neuen Tour schon irgendetwas passiert?

Der Klassiker: Ich habe mir mal wieder meine Haare verbrannt – aber nur die Spitzen … Na ja, und bei der Vorpremiere läuft natürlich hin und wieder irgendetwas schief. Für uns ist das jedoch banal, zumal es eine Vorpremiere ist. Gerade deswegen sind Vorpremieren aber so wichtig. Da gab es viele Kleinigkeiten, an denen wir bis heute feilen. Wir erhalten regelmäßig Feedback von unseren Fans. Die Show ist noch nicht ausgereift. Wir verbessern, wie gesagt, jeden Tag etwas. Wir haben den gleichen Anspruch wie an die alte Show, wir wollen allerdings jede Option noch etwas ausweiten. Wir geben uns nicht mit 99 Prozent zufrieden und sind momentan dabei, alles aus der Show rauszuholen. So wird beispielsweise noch an der Performance gefeilt. Doch es ist toll, auf solch einem Level arbeiten zu können.

Sie waren auch schon im Ausland unterwegs. Sind diesbezüglich wieder ein paar Auftritte geplant?

Ja, wir haben eine kleine Welttournee in Planung. Wir spielen beide Shows im englischsprachigen Raum. Wir hatten einfach vermehrt Anfragen. Man sollte in jungen Jahren mal weltweit unterwegs gewesen sein. Darauf freuen wir uns. Das wird aber erst im Jahr 2019 sein, also kein Schnellschuss, sondern gut vorbereitet.

Vielleicht spielen Sie ja irgendwann auch mal in der Magier-Metropole Las Vegas?

Warten wir mal ab … Nein, es würde uns nach wie vor nicht reizen, über Monate hinweg in Las Vegas zu spielen. Aber vielleicht ein bis zwei Tage in New York, Los Angeles oder Kanada. Das sind geografische Ziele, die interessant wären.  Aber nach Las Vegas kriegen uns keine zehn Pferde.

Mit Ihrer Stadionshow haben Sie 2016 einen Weltrekord aufgestellt. Es ist schwer, das zu übertreffen, oder?

Viele haben den Wunsch geäußert, dass wir noch einmal eine Stadiontour machen. Ich kann diesbezüglich nichts bestätigen, aber wir haben da bereits einige Überlegungen angeregt. Es kann also sein, dass wir noch einmal eine Stadion-show machen. (lacht)

Und wie sieht es mit TV-Plänen aus?

Es gibt sechs TV-Produktionen: eine in Hamburg, zwei englischsprachige Shows, eine in Frankfurt und zwei weitere, die noch geheim sind. Früher haben wir zwischen fünf und 15 Shows im Jahr auf Englisch gespielt, zum Beispiel auf internationalen Weihnachtsfeiern oder Ähnlichem. Sämtliche Zauberliteratur, die wir früher gelesen haben, war in englischer Sprache verfasst. Auch Meisterschaften und viele andere Sachen wurden in englischer Sprache abgehalten. Wir freuen uns darauf.

Wie eingespannt sind Sie zurzeit?

Wir konnten gerade seit einem halben Jahr das erste Mal etwas zu Hause herunterfahren. Aber es sind noch mehr Shows geworden. Wir arbeiten hier trotzdem fast jeden Tag. Doch es ist ein erfüllender Job. Jeden Tag passiert etwas anderes.

Interview: Marko Völke



Info:

Ehrlich Brothers:

„Faszination – Die neue Magie Show“

Samstag, 8. April, 14 Uhr und 19 Uhr, Metropolis Halle, Potsdam

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