Artgerecht glücklich
Artgerecht glücklich
16. Juni 2017

Neben großen Tierschutzorganisationen sind es auch viele einzelne Menschen, die jede Menge Zeit, Herz und Geld einsetzen, um Tieren zu helfen. Zum Beispiel Kathrin Bach. Die Hundetrainerin gibt in ihrem Eselzentrum Neumühle Grautieren aus schlechter Haltung ein besseres Zuhause.

Rufus ist als erster bei der Begrüßung vorne. Sanft schmiegt der große dunkelbraune Esel seinen Kopf an meinen Arm. „Der will kuscheln“, sagt Kathrin Bach und lacht. Aber gerne doch! Meine Hände graben sich in das dichte Fell, Rufus gefällt es. Mir auch. Kaum zu glauben, dass der freundliche vierjährige Wallach nur knapp dem Tod entkommen ist. Sein früherer Besitzer, ein Jäger, wollte ihn erschießen und an seinen Hund verfüttern, erzählt sie. „Die hatten mehrere Esel, und ein Hengst muss irgendwann kastriert werden. Das kostet Geld, und das wollten die sich sparen.“

Kathrin Bach hat ihn schließlich aufgenommen und ihm so das Leben gerettet. Genauso wie sieben weiteren Eseln, die im Laufe von zehn Jahren nach und nach auf dem Hof der 49-Jährigen ein neues, besseres Zuhause gefunden haben. Und das auf Lebenszeit. Zwei andere Esel kamen dann noch als Gäste dazu, ihre Besitzerin kann sich momentan nicht um die Tiere kümmern.

„Hier werden sie zu nichts gezwungen“

Rufus kann seine Schmuseposition jetzt kaum mehr halten, seine Kumpels drängeln nach vorne. „Sie sind eifersüchtig“, sagt Bach, „jeder wäre gerne am nächsten am Besuch dran“. Die Methoden dabei sind friedlich, der kleine Timmi zum Beispiel versucht, einen Konkurrenten einfach mit dem Hintern wegzuschieben. Der Zwergesel mit dem hellgrauen Fell reicht mir gerade bis zur Hüfte, niedlich sieht er aus, da kann man nicht wiederstehen.

So unterschiedlich die Esel hier aussehen, was sie gemeinsam haben, ist eine traurige Vergangenheit. Paco zum Beispiel. Der kleine dunkelbraune Wallach kam vor zwei Jahren mit seiner Mama Lina zu ihr.

„Sie waren in einem desolaten gesundheitlichen Zustand“, erzählt die Eselfachfrau. „Unterernährt, verfilzt und mit Parasiten übersät.“ Die beiden Tiere waren im sogenannten Esel-Trekking eingesetzt worden, bei dem Menschen auf den Grautieren reitend durch die Landschaft geführt werden. „Die haben Erwachsene auf kleine Esel gesetzt“, erzählt sie kopfschüttelnd. Nachdem das Geschäft eingestellt worden war, wurden die Esel überflüssig und sollten geschlachtet werden. Jemand machte Kathrin Bach auf die beiden aufmerksam. Da gab es kein langes Überlegen, Paco und Lina kamen nach Heusweiler und wurden von ihr liebevoll aufgepäppelt. Pacos Mama starb leider im März, womöglich an einer Pflanzenvergiftung. „Wir befürchteten, Paco könnte an gebrochenem Herzen sterben“, erzählt Bach. Zu sehr war der Esel mit seiner Mama verbunden, die beiden waren immer zusammen gewesen. Doch der kleine Kerl schaffte es.

Auch Kampfschmuser Rufus hat Riesenglück gehabt. „Er stand in einem Dreckloch, inmitten von Müll. Die Besitzer wollten ihn einfach nur loswerden, sie haben noch nicht mal gefragt, wo er überhaupt hinkommt.“

Auf dem Hof und den großzügigen Weiden der Neumühle verbringen die Esel ihre Zeit artgerecht im Herdenverband. „Sie werden hier zu nichts gezwungen und auch nicht angebunden, wenn jemand kommt. Die Esel können entscheiden, ob sie mit Besuchern Kontakt aufnehmen wollen oder nicht. Wenn sie nicht wollen, können sie einfach weggehen.“ So wie Oli, der glaubt, ich sei der Tierarzt, und sich deshalb ein gutes Stück weiter weg positioniert hat. Aufmerksam, mit großen, aufgestellten Ohren, verfolgt er das Geschehen.

Workshops für Esel-Interessierte

Die Esel geben hier das Tempo vor und dadurch haben die teilweise traumatisierten und verängstigten Tiere nach und nach wieder Vertrauen zu Menschen aufgebaut. Alle lassen sich anfassen, streicheln und begegnen Besuchern freundlich und neugierig. Und haben manchmal auch Unsinn im Kopf.

Wie Rudi. Der große Esel mit den lustigen Locken versucht, die am Gatter aufgehängte Jacke von Steffen Rasch zu klauen. Der kann sie ihm gerade noch lachend wegschnappen. Der Lebensgefährte von Kathrin Bach lebt seit zwei Jahren auf dem Hof und hat sein Herz an die Esel verloren, wie er sagt.

Als angehender Hufpfleger kümmert er sich vorrangig um die Hufe der Tiere und packt ansonsten an, wo Hilfe nötig ist. Denn Arbeit gibt es genug. Täglich müssen die Hinterlassenschaften der Esel beseitigt, die Ställe ausgemistet und der Hof gekehrt werden. Drei Stunden jeden Tag investieren die Beiden in die Langohren. Wenn alles normal läuft. Denn manchmal kommt dann auch noch der Tierarzt, wenn ein Esel krank ist oder Impfungen und Entwurmungen anstehen.

Als die 49-Jährige sich vor etwa neun Jahren selbstständig machte, ahnte sie noch nicht, dass sie mal eine Eselherde betreuen würde. Nach dem Studium der Germanistik und Sozialpsychologie, einer Ausbildung zum Steinmetz und jahrelanger Berufstätigkeit als Redakteurin, machte Kathrin Bach mehrere Ausbildungen als Hundetrainerin und eröffnete ihre Hundeschule und Hundepension „Tierlieb“.

Denn tierverrückt war sie schon immer, wie sie sagt. So hat sie einige Kaninchen aufgenommen, die in großzügigen Außengehegen leben. „Teilweise abgelegtes Kinderspielzeug“, sagt sie bitter. Für ihre Hundeschule und das Versorgen all der Tiere ist Bach täglich rund zwölf Stunden am Arbeiten. „Das ist eine Lebensaufgabe.“

Ihr Herz für Esel entdeckte sie schon in frühester Kindheit. „Wir kamen damals durch die Nachbarschaft zu einem Esel, der sollte geschlachtet werden, und mein Stiefvater hat ihn gekauft.“ Mufti, wie er genannt wurde, zog auf der Neumühle ein, die Kathrin Bachs Eltern schon vor 36 Jahren gekauft hatten, und durfte bleiben, bis er irgendwann an Altersschwäche starb.

Den Anfang der heutigen Eselherde machten Rudi und Bobo. „Leute kamen auf mich zu und meinten: Du hast doch Platz“, erzählt die sympathische Tierfreundin.

Jeder einzelne der zehn Esel ist Bach ans Herz gewachsen, trotz der vielen Arbeit und vor allem der Kosten, die sie komplett aus eigener Tasche bezahlt. Für finanzielle Unterstützung sorgen die verschiedenen Esel-Programme, die sie anbietet. Kinder und Erwachsene können zum Beispiel bei den Eseln ihre Geburtstage feiern, es werden Eselwanderungen und Betriebsausflüge angeboten; und zukünftige Eselbesitzer können Workshops belegen, in denen sie alles Wissenswerte über die Tiere erfahren. Doch bei alldem stehen die Esel an erster Stelle. „Wir bieten zum Beispiel kein Eselreiten an“, betont Kathrin Bach. Und auch wenn Kinder kommen, werden die Tiere nicht zum Kuscheln gezwungen.

„Wir schleppen sie auch nicht auf irgendwelche Stadtfeste oder laute Umzüge, auf denen der Esel Leute durch Menschenmassen ziehen muss“, betont sie. Das ist ihr ganz wichtig. „Ich habe den Eseln versprochen, dass sie hier ein schönes Leben haben. Und das Versprechen möchte ich halten.“

Von Heike Sutor




Info:

Eselzentrum Neumühle

Kathrin Bach
Zur Neumühle 1
66265 Heusweiler
Mobil 0160-92941681

info@eselzentrum-neumuehle.de
www.eselzentrum-neumuehle.de

Hundeschule und Hundepension Tierlieb

Kathrin Bach
Mobil 0160-92941681
info@hundeschule-tierlieb.de
www.hundeschule-tierlieb.de

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