Couture für zu Hause
Couture für zu Hause
21. April 2017

Luxus, Qualität und Stil: Damit assoziieren wir die Entwürfe bekannter Modedesigner und -marken. Wer diesen Look auch auf die eigene Küche oder ins Wohn- und Schlafzimmer übertragen möchte, der wird bei den zahlreichen Home Collections fündig.

Die Namen klingen nach dem ganz großen Auftritt: Escada, Etro, Fendi, Donna Karan und Co. Der Hauch von glanzvollen Roben, edlen Stoffen und handwerklich perfekter Verarbeitung schwingt mit. Und diese Aura, diesen Glamour, den kann man dank der Home Collections internationaler Modemarken auch in sein Zuhause holen. Immerhin gilt der Wohnraum ja als unsere zweite Haut. Hier hat jeder die Möglichkeit, seine Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Warum also nicht mit Couture?

Einen einzigartigen Ruf im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Mode und Handwerkskunst genießt der Pariser Handtaschen-Produzent Hermès, der die Herstellung selbst zu einer Kunstform erhoben hat und alte Techniken bewahrt. Weil man aber nicht nur im Gestern und von der Produktion der berühmten Kelly-Bag leben kann, präsentierte das Unternehmen 2010 erstmals eine Möbelkollektion.

Für diese konnten gleich renommierte Designer wie Antonio Citterio und Enzo Mari gewonnen werden. Auch Re-Editionen des gefeierten Art-déco-Designers Jean-Michel Frank zählten dazu, er hatte bereits in den 30er-Jahren mit Hermès kooperiert. Pierre-Alexis Dumas, der zur sechsten Generation der Gründerfamilie gehört, wurde 2005 Kreativdirektor. Er gilt als Initiator der wiederbelebten Home Collection: „Unsere Grundwerte kommen wieder gerade sehr in Mode“, sagt er. „Wir sind heute wieder cool, gerade wegen unserer traditionellen Herangehensweise.“

Die Kollektion „Èquilibre d’Hermès“, die während der Mailänder Möbelmesse 2016 vorgestellt wurde, umfasst etwa Accessoires für und rund um den Schreibtisch aus Büffelkalbleder und Ahornholz. Die Buchstützen, Papierkörbe, Schalen und Magazinständer passen perfekt zu den Möbeln – dem Stuhl Oria d’Hermès, dem Sofa Sellier sowie den faltbaren Objekten der Serie Pippa. Auch Leuchten, Textilien und Wandverkleidungen sowie Dekorationsgegenstände und Geschirr produziert das Modehaus.

Auf demselben Niveau sind die Produkte der italienischen Firma Bottega Veneta angesiedelt, der es unter der Leitung von Kreativchef Tomas Maier gelingt, Qualität, traditionelle Fertigung und zeitgenössisches Design auf einen Nenner zu bringen. Der gebürtige Pforzheimer war früher als Modeschöpfer bei Sonia Rykiel und Hermès tätig, bevor er begann, die Bottega-Veneta-Welt mit Mode für Damen und Herren sowie mit Möbeln, Porzellan und Accessoires zu bestücken.

Den Stil der Marke
in Wohn- und Schlaf­zimmer bringen

Kooperiert wird dafür nicht nur mit den Kunsthandwerkern aus dem Hause selbst, sondern mit Glasbläsern aus Murano für die Glasobjekte, mit der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) für Porzellan und mit Poltrona Frau für die Polstermöbel. Dazu zählt zum Beispiel die Sitzmöbel-Familie namens Rudi, die es mit Bezügen aus Samt, Leinen, Veloursleder oder Leder gibt.

Maier lässt feinste Materialien verwenden – er lässt eine Kommode mit Leder verkleiden, Bronzegriffe auf die Schubladen setzen und das Objekt mit einer Deckplatte aus Marmor oder Holz veredeln. Und die italienische Schmuckdesignerin Osanna Visconti di Modrone entwarf exklusive Bronzetische für Bottega Veneta, deren Oberflächen das typische Leder-Flechtmuster des Labels aufnimmt, Intrecciato genannt.


Es ist klar: Der Glanz der Couture strahlt auf die Home Collections ab. Dazu kommt, dass die Einrichtungsbranche im Allgemeinen modischer geworden ist. „Internet, Onlineshopping, Facebook oder Instagram haben auch für das Möbel- und Interiordesign zu einer gewaltigen Macht der Bilder geführt – und damit zu einer Schnelllebigkeit und einem Denken in Kollektionen, die wir lange nur aus der Mode kannten“, sagt Markus Frenzl, Designkritiker und Professor für Designtheorie an der Hochschule für angewandte Wissenschaft in München. „Viele Möbelhersteller imitieren bewusst die Prinzipien der Mode, orientieren sich an aktuellen Modetrends und nutzen auch das Image von Modelabels, um ihre eigene Marke aufzuwerten.“


Und so setzen auch die Profis in Sachen Bekleidung immer öfter darauf, den Stil ihrer Marke bis in die Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer zu bringen. Missoni Home tut dies mit knallbunten Streifen, dem typischen Zackenmuster oder Blumen auf seinen Sofas, Poufs, Kissen und Teppichen. Versace Home steht für fast schon barocke Opulenz auf Porzellan und Textilien.

Auf den Plaids und Möbelstoffen von Etro Home taucht vor allem das für die Marke typische Paisley-Muster immer wieder auf. Auch Armani verknüpft die Mode- und Einrichtungswelt in der Kollektion Armani/Casa. Viele Entwürfe des Maestros wirken wie Architektur im Kleinen, egal ob es sich um den Sekretär Camus, das Regal Freud oder um die Leuchte Dory handelt. Armani treibt den Home-Collection-Gedanken sogar noch ein bisschen weiter als alle anderen – mit der Einrichtung der Armani Hotels in Mailand und Dubai.


Während sich Labels wie Hugo Boss oder Joop Living überwiegend auf Textilien wie edle Bettwäsche oder flauschige Handtücher konzentrieren, setzt Diesel aber zum Beispiel in seiner Home Collec­tion auf ein sehr breites Sortiment – und Kooperationen. Möbel entstehen in Zusammenarbeit mit Moroso, Textilien mit Zucchi und Leuchten mit Foscarini.

Für die Partner ist dies eine Möglichkeit, Produkte herzustellen, die sich in puncto Design und Stil von der eigentlichen Kollektion abheben. „Im Einklang mit der großen Ideenvielfalt, die das Unternehmen kennzeichnet, ist das Mitwirken des Foscarini-Teams beim Entwurf der Diesel-Kollektion von Beginn an ausschlaggebend gewesen“, sagt Carlo Urbinati, Gründer von Foscarini. Ohne die Zusammenarbeit mit der italienischen Jeans-Marke hätte es aber so manche Entwürfe nie gegeben – etwa die Wandleuchte Gask im Stil der 20er-Jahre oder die Hängeleuchte White Noise, die von der Galaxie inspiriert ist.


Uta Abendroth

Merken

Merken

Bild der Woche