Das große  Kelly-Comeback
Das große Kelly-Comeback
21. April 2017

Die Kelly Family ist zurück: mit neuem Album, neuen Konzerten, neuer Tour. Angelo Kelly gibt im Interview Einblicke in neue Pläne, alte Geschichten und das Leben einer Musikerfamilie.

Herr Kelly, hätten Sie vor ein paar Jahren gedacht, dass Sie es schaffen, ein Comeback zu starten? Das ist ja doch ein großer Schritt, auch wenn es ab und zu Kirchenkonzerte gegeben hat …
Ja, das ist ein großer Schritt. Es gab zwar immer wieder Versuche oder kleinere Projekte – aber ein richtiges Comeback, bei dem wir auch wieder große Hallen füllen … Das ist das erste seit 1999. Das ist krass. Doch wir wurden darin bestätigt, dass der Wunsch nach einem Comeback durchaus vorhanden ist.

Das Tour-Leben und seine Vorbereitungen haben sich in den vergangenen Jahren bestimmt gravierend verändert. Jeder hat seine Familie. Wie organisiert Ihr das?
Proben haben wir natürlich auch. Manchmal ist die Familie dabei, manchmal nicht. Das kommt immer drauf an, wer gerade wo unterwegs ist. Manchmal fliege ich auch ein paar Tage rüber und fliege dann wieder zurück. Das ist ganz unterschiedlich. Aber wenn man mal auf Tour ist, sieht das wieder ganz anders aus.
Ich habe ein großes Wohnmobil. Ich würde dann ganz einfach mit meiner Familie zu den Konzerten reisen. Es muss nicht unbedingt immer ein Hotel sein. Es gibt auch andere Wege, schön zu reisen.

Nach Ihren großen Erfolgen sind Sie zwischendurch wieder auf der Straße aufgetreten. War das für Sie wichtig, um Ihre Bodenständigkeit zu bewahren?
Ich habe es versucht. Doch das gelingt, ehrlich gesagt, nicht immer. Es gibt Wochen, da ist man wie im Rausch, weil man so viel erlebt hat. Aber ich bin mit meiner Familie einfach mal zwei, drei Jahre umhergereist, habe im Ausland auf der Straße gespielt und so versucht, meine Familie zu ernähren. Das war eine tolle Erfahrung. Und außerdem hat es mir tatsächlich geholfen, bodenständig zu werden.
Ich arbeite jetzt auch besser und schneller als vor dieser Zeit, weil ich nicht mehr krampfhaft versuche, an etwas festzuhalten. Ich habe einfach losgelassen. Daher fruchtet alles, was ich tue, sehr schnell. Ich bin fokussiert, nicht mehr so abhängig, sondern zielstrebig. Die Arbeit, die ich jetzt mit meiner Familie und meinen Geschwistern mache, sieht genauso aus. Ich versuche, mit Konzept an der Sache zu arbeiten – und wenn’s nicht klappt, dann ist es einfach mal so. Wenn früher etwas nicht funktioniert hat, war es eine Katastrophe. Nun ist es genau umgekehrt. Wenn wir jetzt wieder einen Nummer-Eins-Hit haben würden, wäre das ein Traum. Aber mein Glück im Leben hängt nicht davon ab.

Sicherlich hat es zwischen der Studioarbeit am neuen Album und früher ebenfalls gravierende Unterschiede gegeben, oder?
Ja, aber auch über die Jahre hinweg gab es immer wieder Unterschiede. Ganz früher haben wir uns alles irgendwie auf der Straße erspielt und arrangiert, bis es irgendwie gefunkt hat und gut wurde. Und dann sind wir ins Studio gegangen und haben mit dem Geld, das übrig war, unsere Songs eingespielt. Irgendwann waren wir schließlich sehr erfolgreich. Während dieser Zeit sind wir zwischen den Konzerten ins Studio gegangen. Das war eine Riesenmaschinerie. Dieses Mal hatten wir nicht viel Zeit. Doch das Konzept für die Platte war ganz klar. Wir wussten von vornherein, was wir vorhaben. Wir sind eine Band, die seit Jahren zusammenspielt und sich weiterentwickelt hat. Wir sind alle Vollblutmusiker und machen unser Ding. Die Platte war für uns eher ein „gemeinsames Treffen“, wie bei einer Schulklasse. Wir wollten auch die Hits der 90er neu einspielen. Wir mögen diese Songs immer noch. Und das spüren die Leute. Wir mussten nicht ein komplett neues Album schreiben. Die Idee war: ein paar neue Songs sowie Titel aus 30 Jahren Bandgeschichte neu aufzunehmen. Sie klingen ja so unterschiedlich und passen teilweise auch nicht mehr in die heutige Zeit. Das Album war innerhalb von zwei Monaten fertig. Einige Sachen haben wir alle gemeinsam im Studio aufgenommen, andere Sachen getrennt. Aber es hat funktioniert – und wir konnten das Konzept noch rocken (lacht). Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Teilweise dachte ich, dass es knapp werden könnte. Aber es ist gut gelaufen.

Natürlich darf auf der neuen CD der Hit „An Angel“ nicht fehlen. Die neue Version haben Sie mit Ihrer Tochter Emma eingesungen, nicht wahr?
Ja. Aber hätte man mich das vor drei Monaten gefragt, hätte ich gesagt: „Nein, auf keinen Fall!“ Wir waren jedoch an Weihnachten zu Hause. Ich saß auf meinem Sofa, hatte meine Gitarre in der Hand und überlegte, ob man nicht „An Angel“ aufnehmen könnte oder ob das ein anderer aus der Familie komplett singt. Ich habe das in den vergangenen 20 Jahren ganz selten gesungen. Aber dann habe ich das einfach mal mit meinen Kindern ausprobiert, die ja auch musizieren. Und als Emma den Song plötzlich sang, hat mich das total aus den Socken gehauen – inklusive Gänsehaut. Sie singt das sehr zart an. Ich selbst hatte ja eine richtige Straßenröhre. Das hat sie nicht, aber ihre Interpretation war gut. Und ich fand die Kombination von Vater und Tochter, die diesen Titel gemeinsam singen, richtig stark.
Der Plattenfirma und meinen Geschwistern habe ich es allerdings noch nicht vorgespielt. Zu dem Zeitpunkt war es „nur“ eine Erfahrung für mich und meine Frau. Wir haben uns den Song daraufhin noch ein paar Mal angehört und zwei Wochen darüber nachgedacht. Natürlich haben wir auch Emma gefragt, wie sie dazu steht. Und Emma meinte, sie fände es toll, den Song singen zu dürfen. Es wäre für sie eine große Ehre. Daraufhin sind meine Frau und ich noch einmal in uns gegangen und haben uns dafür entschieden. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass sie in jeder TV-Show singen wird. Wir gehen das Ganze in kleinen Schritten an. Wir wollen sie nicht verheizen.

Sie waren früher ja ein Teenie-Star. Und dieser Ruhm hatte schließlich nicht nur positive Seiten. So mussten Sie zum Beispiel immer von Security-Personal begleitet werden. Da möchte man bestimmt nicht unbedingt, dass die eigenen Kinder auch Teenie-Stars werden, oder?
Genau. Aber das ist auch ein Thema, mit dem ich mich selbst auskenne. Ich weiß, dass es diesbezüglich eine gesunde Verwirklichung geben kann. Ich glaube, das ist kein radikales Entweder-oder, das wäre auch nicht gut. Denn Kunst, Musik, Film und Ähnliches sollen die Gesellschaft widerspiegeln. Und die Gesellschaft besteht unter anderem auch aus Kindern. Deshalb muss man eine gesunde Mischung finden – und nicht direkt aufgeben.

Früher haben Sie die Medien ja sehr gescheut …
Na ja, früher waren wir ziemlich unerfahren. Wir kamen ja von der Straße. Wir waren nicht auf den plötzlichen Ruhm vorbereitet. Als dann auch weniger schöne Medienberichte erschienen sind, haben wir direkt dicht gemacht, wie bei einem traumatisierten Kind. Deswegen haben wir eigentlich nur noch die „Bravo“ reingelassen und ihr vertraut. Aber dadurch haben wir uns sehr stark in die Teenie-Szene hineinkatapultiert, obwohl wir nicht nur für Teenies interessant waren, sondern für die ganze Familie.
Dadurch wurde unser Erfolg gewissermaßen reduziert. Das war ein Fehler. Irgendwann sind wir erwachsen geworden. Und alles, was wir im Teenie-Alter toll fanden, war plötzlich total scheiße (lacht). Auch unser Teenie-Publikum ist inzwischen erwachsen geworden,  es ist Anfang bis Mitte Dreißig. Sie sind im Leben angekommen, haben einen Job und eine Familie. Und es gibt auch ältere Leute, die sich gerne an die damaligen Zeiten erinnern.

 Marko Völke und Christina Korb-Völke

 

INFO:
The Kelly Family –Das Comeback des Jahres!
Im Jahr 2017 finden insgesamt drei Konzerte der Musikerfamilie in Dortmund statt – 19., 20. und 21. Mai. Nächstes Jahr sind die Kellys dann mit ihrem neuen Album
„We got love“ auf gleichnamiger Tour durch ganz Deutschland.

 

 

CD-Tipp:   Musik in den Genen
Nach jahrelanger Pause meldet sich die Kelly Family wieder zurück – und mit ihnen ihr neues Album „We got love“, auf dem die musikalische Großfamilie ein paar ihrer größten Hits neu aufgelegt hat. Dabei hat sich seit damals so manches verändert. Von den ursprünglich neun musizierenden Familienkindern, die Mitte der 90er-Jahre ihre Glanzzeit hatten, sind inzwischen „nur“ noch sechs Geschwister in der Band anzutreffen: Kathy, Kelly, John, Joey, Jimmy, Patricia und Angelo. Als Gast und Familienmitglied   ist Barby Kelly dabei, die in den 90ern insbesondere durch ihre spontanen, selbstvergessenen Tanzeinlagen während der Bühnenshows auf sich aufmerksam machte. Nicht mehr in der Comeback-Band musizieren Patrick alias Paddy und Maite Kelly. Und auch wenn Patrick Kelly momentan ein wenig den Starrummel scheut, zumal er früher gerne als  „Frontmann“ der Kellys bezeichnet wurde, so findet sich auf dem Album sein fröhlicher Song „Fell in love with an alien“, der – ebenso wie das Video aus den 90ern – komödiantische Züge trägt und den die zahlreichen Fans liebten. In der neuen, aufgepeppten Version übernimmt Angelo den Gesang. Musikalisch wurde der Titel neu aufbereitet und wirkt wesentlich moderner und komplexer. Doch das dürfte die Fans von damals freuen, schließlich sind auch sie erwachsener geworden. Dass die jüngeren Kellys ihrer Familie in nichts nachstehen, beweist Angelos Tochter Emma bei der Neuinterpretation des Songs „An Angel“, mit dem die Kelly Family damals ihren Durchbruch feierte. Sie übernimmt mit ihrem zarten Kindersopran Teile des Refrains. Ebenfalls eine Perle auf dem Album: Der Einstiegstitel „Nanana“, bei dem Jimmy mit seiner rauchigen Stimme dem Kelly-Sound einen leichten Rockballaden-Touch verleiht. Dieser eingängige Song, den die Fans in den 90ern gerne vor den Konzerten anstimmten, ist einer der schönsten Titel auf dem Album.
The Kelly Family: We got love.
Universal Music.
Gesamtlaufzeit: 50 Minuten.

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