Der Weg zum Ruhm: „Kinder und Eltern müssen wollen“
Der Weg zum Ruhm: „Kinder und Eltern müssen wollen“
17. Februar 2017

Der Weg zum Kinderstar ist in der Regel kein einfacher. Für viele beginnt der Traum in einer Agentur für Kinder- und Jugenddarsteller. Matina Ihmels, Geschäftsführerin der Agentur Kids, erklärt, wie die Bewerbung für eine solche Agentur abläuft, welche Kriterien Kinder und Eltern erfüllen müssen und woran Eltern eine seriöse Agentur erkennen.

Berühmt werden, im Fernsehen zu sehen sein, in Katalogen die neueste Mode präsentieren – nicht nur Erwachsene träumen davon. Auch Kinder können schon früh den Wunsch entwickeln, Schauspieler oder Model zu werden. Die Eltern geraten dann oft schnell ins Grübeln: Wie bringt man sein Kind diesem Herzenswunsch ein Stück näher? Was kann oder muss ich als Elternteil selbst dazu beitragen?

Der klassische Weg in die Welt der Kataloge, Fernsehserien und Filme führt über eine Agentur für Kinder- und Jugenddarsteller. Doch woran erkennt man, ob diese auch seriös ist? Matina Ihmels ist Geschäftsführerin der Agentur Kids und kennt sich in der Branche bestens aus. „Der schlechte Ruf der Kinderagenturen und die Angst vor Unseriosität kommen daher, dass es vor einiger Zeit mal ein paar Agenturen gab, die ganz viele Kinder zu Castings in große Hotels eingeladen und dann von ihren Eltern horrende Summen für die Sedcards genommen haben, meistens zwischen 300 und 500 Euro. Kurz darauf gab es die Agentur dann aber schon nicht mehr. Momentan gibt es hier in Deutschland, soweit ich weiß, aber keine auffallend unseriöse Agentur. Eltern sollten darauf achten, dass die Agentur eine gute Homepage hat, auf der man Referenzen findet, und ein fester Standort angegeben ist, also eine feste Firmenadresse, wo auch die Castings stattfinden und das Büro sitzt. Außerdem sollten die gesetzlichen Grenzen für die Kosten der Vermittlung eingehalten werden und im Vertrag keine versteckten Gebühren stehen“, betont sie. Und erklärt weiter: „Was passieren kann, ist, dass eine neue Agentur vielleicht nicht lange bestehen bleibt, weil es inzwischen schon wahnsinnig viele Agenturen gibt und es dementsprechend schwierig ist, als neue Agentur Fuß zu fassen. Deshalb würde ich als Elternteil zu einer Agentur gehen, die schon länger am Markt platziert ist“.

Kids ist die größte Kinderagentur in Deutschland

Die Agentur Kids gibt es in Hamburg schon seit 14 Jahren, kurze Zeit später folgten die Filialen in Berlin, Köln und München. Damit ist Kids die vermutlich größte Kinderagentur in Deutschland. Sie vermittelt Kinder- und Jugenddarsteller sowohl für Fotos, Werbung, TV-Produktionen und auch Kinofilme. Zu den bekanntesten Projekten, die Kids mit Kindern besetzt hat, zählen unter anderem die Kinofilme „Die Wilden Kerle 6“, „Hanni und Nanni IV“, „Willkommen bei den Hartmanns“, „Jim Knopf und die wilde 13“ sowie „Auf Augenhöhe“. Aber auch Serien, zum Beispiel das in Hamburg gedrehte „Großstadtrevier“, oder auch „Tatort“ gehören dazu. Genauso wie Werbespots für Überraschungsei, Edeka, Mercedes, Nivea, Tchibo, McDonalds, Toom und viele Fotoproduktionen für Kataloge und Verpackungen.

Um in solchen Projekten mitwirken zu können, bewirbt sich das Kind mit Hilfe der Eltern per E-Mail bei der Agentur. Die E-Mail sollte zwei Fotos des Kindes und eine kleine Beschreibung, die zum Beispiel die Hobbys und gegebenenfalls erste Vorerfahrungen umfasst, enthalten. „Wir schauen uns das dann an und gucken, ob die Kinder zu uns passen und ob es gute Chancen gibt, sie zu vermitteln“, erklärt Ihmels. Wenn sie das Gefühl hat, dass es von einem bestimmten Typ schon viele Kinder in der Agentur gibt, gibt sie das so an die Betreffenden weiter. Auch Kinder, die eine Zahnspange tragen, haben eine geringere Vermittlungschance.

Bewerben können sich trotzdem alle, Vorerfahrungen im Schauspielern oder Fotomodeln sind nicht zwingend. „Wir möchten allen interessierten und motivierten Kindern die Chance geben, Erfahrungen zu machen, sodass sie eventuell auch mal in einer großen Rolle mitspielen können. So war es auch bei der Darstellerin in ‚Die Wilden Kerle‘, die kam auch zu Kids und hatte noch keine Vorerfahrungen. Sie hat aber dann nach und nach immer mehr Aufträge bekommen, hat dadurch eben Erfahrungen gesammelt und wurde immer besser, bis sie dann letztendlich soweit war, dass sie auch in einer großen Kinorolle mitspielen konnte.“

Aufgeschlossen, freundlich und gut gelaunt

Kinder, die in Filmen, Werbespots und Katalogen zu sehen sein wollen, sollten nicht zu schüchtern sein, sondern möglichst aufgeschlossen, freundlich und gut gelaunt. Auch ein wenig Mut und Freude daran, sich anderen mitzuteilen, sind gute Voraussetzungen. „Sie sollten eine Persönlichkeit haben und vor allem offen für neues sein“, so Ihmels. Kinder, die zu Kids passen, werden dann in die Agentur eingeladen. Dort werden Fotos gemacht, und die Eltern füllen den Castingbogen aus. Außerdem sollen die Kinder etwas über sich und ihre Hobbys erzählen und auch erklären, ob sie nur für Fotos bereitstehen oder auch schauspielern wollen. Mit den Angaben vom Castingbogen wird dann eine Sedcard erstellt, mit der die Agentur das Kind dem Kunden vorstellt. Dieser entscheidet dann, ob er das Kind zum Casting einladen möchte.

Ist das Kind bei einer Agentur aufgenommen worden und die ersten Castings stehen an, sind auch die Eltern gefordert: „Es ist sehr wichtig, dass die Eltern zeitlich flexibel sind. Castings für Werbung und Fotoproduktionen sind oft sehr kurzfristig, manchmal schon am nächsten oder übernächsten Tag. Außerdem sollte man seine Kinder begleiten können, sollte es tatsächlich mal zu einer größeren Produktion kommen – denn die kann innerhalb ganz Deutschland oder auch im Ausland stattfinden“, betont Ihmels. „Manchmal gibt es auch E-Castings, da müssen die Eltern ihr Kind filmen, während es eine Szene vorspielt. Da muss dann vielleicht etwas aufgebaut werden, oder das Kind braucht einen Gegenspielpartner, und so etwas nimmt dann schon mal etwas Zeit in Anspruch. Die Eltern müssen also motiviert sein, ihre Kinder zu unterstützen.“

Sorgen darüber, dass das Kind in die Drogen- und Alkoholszene abrutschen könnte, wie man es von so vielen amerikanischen Kinderstars kennt, sind hier in Deutschland unbegründet. „Hier bei uns werden Kinder bis 16 Jahre immer mit Elternbegleitung gebucht, und es gibt Vorschriften vom Amt für Arbeitsschutz für Kinderbetreuung am Set. Also hier wird schon ganz anders darauf geachtet als in Amerika, und ich habe in Deutschland noch nie mitbekommen, dass Kinder, die Filme gedreht haben oder Ähnliches, an Drogen oder Alkohol gekommen sind“, betont die Expertin. „In Amerika gibt es ja auch diese Mütter, die ihre Kinder dressieren, anziehen wie Puppen und zu Massen-Castings schleppen, obwohl die Kinder das selbst nicht wollen. Ich denke, das ist auch ein Grund, warum Kinderstars dort öfters abrutschen. Wenn ich merke, dass die Eltern ihre Kinder drillen und die eigentlich gar nicht möchten, dann nehme ich sie auch nicht. Ich achte sehr darauf, dass sowohl die Kinder als auch die Eltern wollen. Sonst funktioniert es nicht.“

Nina Groß




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