Ein gemütliches  Comeback
Ein gemütliches Comeback
17. Februar 2017

Der Ohrensessel galt schon zu Großmutters Zeiten als Inbegriff von Ent­spannung und Gemütlichkeit. In den vergangenen Jahr­zehnten dann aber als angestaubtes Objekt der Möbel­kunst. Gut, dass die Designer den Sessel nun wieder für sich entdeckt haben.

Junges, modernes Wohnen und urgemütliche Ohrensessel, das wollte noch vor wenigen Jahren nicht richtig zusammenpassen. Schade eigentlich, sind die Sessel doch absolut bequem und bieten einen schönen Platz für entspannte Stunden in den eigenen vier Wänden. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die Ohrensessel ihren Weg zurück in die Wohnräume schafften und das tun sie jetzt mit einer großangelegten Designoffensive.

Bei Zanotta bedeutet das, die klassischen „Ohren“ durften bleiben, allerdings deutlich hervorgehoben. Die Armlehnen mussten großflächig weichen, stattdessen sind runde Eierformen zu erkennen, durchbrochen von einem Schlitz an der Rückseite der Sitzfläche. Das schafft ein gleichzeitig kühles, aber auch formvollendetes Design, ideal für eine ebensolche Einrichtung.

Es scheint fast so, als hätten sich die Entwickler hier an einer Nachbildung des berühmten „Egg Chairs“ von Arne Jacobsen versucht. Der gilt nach wie vor als einer der bekanntesten Modelle, ursprünglich entwickelt als eine moderne Aufwertung des Klassikers für das dänische Königshaus. Zu verdanken hat der Eier-Sessel seinen Namen den sehr runden Formen, die auf einem Metallgestell oder alternativ auch Holzgestellen ihren Platz finden. Dabei darf die Sesseloberseite wahlweise aus Webstoff, aus Kunststoff oder Leder bestehen, je nach eigenem Geschmack.

Eine eher verspielte Variante dieser Ausführung ist der Sessel mit dem passenden Namen „Ro“. Das bedeutet auf Dänisch so viel wie „Ruhe“, und damit wäre wohl auch die künftige Aufgabe des Relax-Möbels am passendsten beschrieben. Mit seinem Entwurf hat der spanische Designer Jaime Hayon eine Ode an die Weiblichkeit geschaffen. Der Eier-Sessel bekam sehr feminine Formen, eine bequeme Sitzpolsterung und extra Kissen für den Rücken- und Nackenbereich. Bei der Farbgebung hat sich Hayon für ein zartes Altrosa entschieden. Passend zum Sessel gibt es einen Fußhocker in gleicher Farbe. Die schlichten Holzfüße beider Möbelstücke verstärken den Sinn nach Gemütlichkeit und erinnern an viele skandinavische Klassiker.

Einen, den man kennen sollte, ist hier sicherlich „Strandmon“ aus dem Hause Ikea. Der ist nach altem Vorbild gefertigt und möchte aus Prinzip eher Retro daherkommen. Es gibt ihn in unterschiedlichen Farben, außerdem lassen sich eine passende Fußbank und Kuschelkissen wunderbar dazu ergänzen. Durch die breite Sitz- und Lehnfläche im Knopfdesign sind Rücken und Schultern optimal gestützt. Der schwedische Möbelriese verspricht „echte Entspannung und Erholung“. Der Bezug aus Polyester ist zumindest sehr pflegeleicht und robust, geeignet also auch für Haushalte mit kleinen Kindern und Haustieren.

Der Stoff ist ein wichtiges Kriterium

Dabei ist Ikea längst nicht der einzige Hersteller, der sich beim Entwurf der beliebten Sessel an altbekannten Designs orientiert. Der stärkste Konkurrent in dieser Sparte, Mömax, hat ebenfalls eine Neufassung alter Bekannter im Sortiment. Der Ohrensessel wirkt durch sein beigefarbenes Karomuster sehr traditionell, auch am Design sind kaum Neuerungen sichtbar. Das soll stilvolle, vertraute Eleganz zurück in den Wohnraum transportieren. Dabei sind sowohl Armlehnen als auch Sitzfläche wellenunterfedert. Das macht nicht nur die Optik einladend, damit ist der Sessel auch wirklich bequem. Die Füße bestehen aus echtem Holz, das wertet die Polyesterfasern etwas auf.

Der Stoff ist neben dem Design überhaupt das wichtigste Kriterium bei der Auswahl eines Ohrensessels. Leinen ist da eine vorteilhafte Alternative zu Polyester. Es ist ebenso strapazierfähig, aber wesentlich atmungsaktiver und sieht schon auf den ersten Blick hochwertig aus. Kein Wunder also, dass viele der Modelle aus dem Hause Rivièra Maison komplett in Leinen ausstaffiert sind. Ein besonders weiches Exemplar ist „The Classic Wing Chair“, den es gleich in mehreren Farben zur Auswahl gibt. Er hat eine extra dicke Polsterung im Rücken und an den Armlehnen, außerdem ein sehr dickes, fluffiges Sitzkissen. Die Sitzfläche ist breit genug für eine Person, die hier so schnell garantiert nicht mehr aufstehen will. Es sei denn, man möchte zu zweit schöne Stunden im Sessel verbringen. Auch für diesen Fall haben Anbieter wie Home Affaire oder Inosign vorgesorgt. In der XXL-Variante reicht der Sitzplatz für zwei Personen. Hier ist nicht nur die Sitzfläche extra breit, sondern auch extra lang – so lassen sich die Beine bequem hochlegen. Eine zusätzliche Polsterung in Kopfhöhe erinnert fast schon an ein Bett. Die Modelle gibt es bei Baur Versand oder Otto, wahlweise in Unifarben, mit Retro-Muster oder in maritimem Streifen-Schick.

Dabei braucht der zukünftige Besitzer vor allem eines, viel Platz! Ein Privileg, das beinahe jedem Ohrensessel zugutekommt, denn eingequetscht zwischen wulstigen Sofalandschaften oder schweren Schrankmöbeln kommt das stimmige Design kaum zur vollen Wirkung. Deshalb entweder richtig ausmisten und dem Sessel einen schönen Standort schaffen oder zumindest die restliche Einrichtung dezent dazu wählen. Ganz verliebte Neu-Sesselbesitzer entscheiden sich vielleicht sogar, das Sofa ganz auszusortieren und sich stattdessen zwei üppige Ohrensessel in den Wohnraum zu holen. Dazwischen ein prasselndes Kaminfeuer und in der Hand ein gutes Buch, schon ist der Nachmittag gerettet.

Gut zu wissen, dass der Sesselentwurf aus dem 17. Jahrhundert noch immer nicht zum alten Eisen gehört, sondern immer wieder neu Raum für Inspirationen lässt und somit mal altbacken, mal modern und dann wieder ultra- abgehoben daherkommt. Dabei haben die Ohren keinesfalls nur einen eigenwilligen optischen Hintergrund. Sie dienen schlicht dazu, sich keinen Zug zu holen und halten den Kopf warm. Praktisch und schön also zugleich, die vielen tollen Sesselmodelle in Preislagen zwischen 199 und 5.999 Euro. Die Frage ist, welcher schafft es in den eigenen Wohnraum?


Rina Keest

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