Jäger des Lichts
Jäger des Lichts
10. Februar 2017

Mit seinen bezaubernden Naturaufnahmen hat sich Markus Mauthe weit über die Grenzen Deutschlands einen Namen gemacht. Darüber hinaus kämpft der Naturfotograf unter anderem mit Greenpeace für den Naturschutz und hat in Brasilien ein eigenes nachhaltiges Projekt gestartet.

Oft stehe ich an den Naturwundern dieser Erde mit Tränen in den Augen, wenn ich diese Schönheit sehe. Dann frage ich mich, wieso wir Menschen es nicht schaffen, dieses Kleinod zu schützen“, sagt Markus Mauthe. Angefangen hat der ungewöhnliche Lebensweg des Naturfotografen und Umweltaktivisten in Süddeutschland am Bodensee. 1969 wurde er in Friedrichshafen in eine Fotografenfamilie hineingeboren und, so sagt er selbst, bekam sein Talent und die Anregungen für seinen späteren Lebensweg „in die Wiege gelegt“. Vater und Mutter fotografierten beide und nahmen den Sprössling schon früh zu Fotoexkursionen mit. Schon während seiner Schulzeit war ihm Umweltschutz wichtig – er war für seine „grünen Ideen“ bei weniger überzeugten Mitschülern als der „Greenpisser“ bekannt. Von der klassischen Schulbildung nicht sonderlich angetan und auch heute noch nicht davon überzeugt, findet er, dass „Begegnungen mit Menschen und Erlebnisse jeder Art einen Charakter mehr formen und fürs Leben lehren als es jede trockene theoretische Schulbildung auch nur im Ansatz vermag“. Inspiriert von dieser Überzeugung brach er die Schule vor dem Abitur mit der Mittleren Reife ab – er „wollte lieber etwas Kreatives machen“. Ausgestattet mit seinen Träumen, unstillbarer Neugier und einer guten Portion Mut machte Markus Mauthe seine Schritte zielstrebig in Richtung Naturfotografie. Mit 17 reiste er zum ersten Mal alleine per Inter-Rail mit dem damals üblichen Bahnticket und seinem Rucksack nach Marokko, auch nach Griechenland und „immer so weit weg, wie es ging.“

Über 80 Länder hat er bereist

Ein abgehobener Träumer ist er aber nicht. Pragmatisch entschloss er sich für solides Handwerk und absolvierte in den 80er-Jahren noch im analogen Zeitalter eine Ausbildung zum Industrie- und Werbefotografen. Damit schuf er das Fundament für seine Fusion von Leidenschaft und Beruf.

Eine Bescheinigung zur Untauglichkeit für den Wehrdienst nach der Ausbildung bescherte ihm den Freiraum von zwei Jahren, die er für den Zivildienst verplant hatte. Er ließ sein Herz entscheiden und radelte mit dem Fahrrad und einer kleinen Kameraausrüstung sechs Monate durch Neuseeland. Die Erfahrung der „großen, weiten Welt“ hatte ihn gepackt und nachhaltig geprägt. „Seitdem habe ich viele Länder, Kulturen und Landschaften kennengelernt“, erzählt der Reisebegeisterte. Um seine Sehnsüchte nach Abenteuer und Natur sinnvoll mit dem Broterwerb zu verbinden, machte Mauthe sich selbstständig. Anfang der 90er-Jahre nutzte er die aufkommende Welle der Diavorträge. Damit zog er mit für ihn überschaubarem Aufwand viele Menschen an. Die Vorträge wurden neben zahlreichen Publikationen für ihn zum festen beruflichen Standbein.

Im Verlauf seiner inzwischen 30 Jahre dauernden Karriere wurden seine Reiseziele abenteuerlicher, die Reisen aufwendiger und damit auch anstrengender. Über 80 Länder hat er zum Teil mehrfach bereist und in allen Ökosystemen dieser Erde fotografiert. Mit knapp 44 Jahren lernte er tauchen und erschloss sich so auch die Unterwasserwelt. Zu Recht bezeichnet er sich als universell einsetzbar. Wichtig ist für den Fotografen, dass man „das Prinzip des Lichts, eine wesentliche Grundlage, verstanden hat“. Das sei mindestens genauso essenziell wie das Motiv, denn dann könne man in allen Umgebungen Fotos machen.

Am liebsten ist der Abenteurer mit seiner Fotoausrüstung in ursprünglichen Landstrichen unterwegs – dort, wo die Natur völlig unberührt vom Menschen noch in ihren natürlichen Kreisläufen funktioniert. Das ist heutzutage gar nicht mehr so einfach, denn bei fast acht Milliarden Menschen auf der Erde gehen intakte Ökosysteme immer weiter zurück. Gerade in Europa taucht die „Wildnis“ nur noch als Insel zwischen Landwirtschafts- und Siedlungsflächen oder Industriegebieten auf. Mauthes bevorzugte Arbeitszeiten sind vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang, denn so kann er das für ihn schönste Licht einfangen. Für seine beeindruckenden Naturaufnahmen scheut der Vielreisende keine Mühen, nimmt auch tagelange Wanderungen in der Einsamkeit in Kauf. Er fürchtet weder beschwerliche Aufstiege, noch quälende Hitze oder nervtötende Insekten. Wenn es sein muss, schält er sich auch bei Eiseskälte mitten in der Nacht aus dem Schlafsack, schleppt stundenlang seine Ausrüstung, um zur richtigen Zeit am rechten Ort für einzigartige Fotos zu sein.

Das Glück hat ihn bislang stets begleitet, denn bis auf wenige Ausnahmen blieb er vor Krankheiten, Unfällen und anderen Missgeschicken auf seinen Reisen verschont. In fremden Ländern bewegt er sich besonnen und folgt dabei seinem Bauchgefühl. Er gehe weit für ein Bild, aber wenn es „brenzlig“ wird, lässt Mauthe ein Foto lieber sein, denn dafür zu sterben, lohne sich nicht: „Ich muss beim Fotografieren immer ein gutes Gefühl haben.“

Die Bilder sollen Begeisterung für die Schönheit wecken

Trotz fordernder Umstände in der Natur stellt der Künstler hohe Ansprüche an seine Arbeit. Mit seinen Bildern versucht er bei den Betrachtenden die emotionalen Stimmungen zu erzeugen, die er spürt, wenn er auf den Auslöser drückt. Die Natur zu verschiedenen Jahreszeiten und bei wechselnden Lichtstimmungen einzufangen, zählt für ihn zur hohen Kunst anspruchsvoller Fotografie.

Glücklich ist er, wenn es ihm mit seinen Bildern und Geschichten gelingt, Begeisterung für die Schönheit und Vielfalt der Erde zu wecken. Das betrachtet er als seinen Beitrag zur Erhaltung des Garten Edens. Denn, so der Fotograf, „mit dem Verschwinden der Natur verschwindet nicht nur unsere Lebensgrundlage, sondern auch unsere Seele.“ Im Laufe der Jahre wuchs in ihm der Wunsch, seiner Arbeit einen tieferen Sinn zu verleihen. Das „Privileg des Unterwegsseins“ birgt für ihn auch große Verantwortung. Dabei hat er seine eigene Ökobilanz, die er selbst als „verheerend“ bezeichnet, stets im Blick. 2003 beschloss er deshalb, sein Können mit der Kamera in den Dienst des Naturschutzes zu stellen. In enger Partnerschaft mit Greenpeace startete der Baumliebhaber damals seine erste Vortragsreihe zu Wald- und Klimaschutz.

Als vortragender Aktivist ist er nicht einer, der sich unmittelbar an eine Bohrinsel oder einen Walfänger kettet und so auf Missstände aufmerksam macht. Teil dieser Art von Greenpeace-Aktionen zu sein, habe sich für ihn bislang nicht ergeben. Die Schiffe kennt er und ist auch ab und zu bei einer Aktion vor Ort, um sie fotografisch festzuhalten und die Ergebnisse für seine Vorträge zu verwenden. Letztendlich spricht er lieber über die Schönheit der Erde. Dabei will er auch unbequem sein und aufrütteln, aber nicht belehrend mit dem Zeigefinger, denn damit erreiche man das Gegenteil.

Mit Vortragsreihe gerade auf Tour

In seinen Multivisions-Shows verführt Mauthe auf seine ganz eigene Art sein Publikum mit atemberaubenden und das Herz berührenden Fotografien. Dabei entsteht fast automatisch der Wunsch beim Betrachter, selbst Teil der Bewegung zum Schutz der Erde zu sein. Mauthe spricht klar aus, was es über die Situation an den ökologischen Hotspots dieser Erde zu sagen gibt und bleibt dabei authentisch und sympathisch.

Zurzeit ist der Umweltschützer mit seiner von Greenpeace unterstützten Vortragsreihe „Naturwunder Erde“ im deutschsprachigen Raum auf Tour. Parallel arbeitet er an einem neuen Folgeprojekt mit Greenpeace, das sich mit Menschen in Interaktion mit Naturgebieten befasst. Die Veröffentlichung der Serie ist für 2018 als neue Fotoshow und Kinofilm geplant. In einer neuen Kooperation gestaltete er mit vier weiteren bekannten Naturfotografen den Bildband „Jäger des Lichts: Abenteuer Naturfotografie“. Unter dem gleichnamigen Titel zeigen sie in einer Vortragsreihe ihre einmaligen Foto-Ergebnisse und berichten Spannendes von ihren Reisen.

2012 meinte es das Schicksal besonders gut mit dem Fernreisenden, und zum beruflichen Erfolg gesellte sich sein ganz persönliches Glück. Er fuhr mit einem befreundeten Biologen nach Brasilien in das Regenwaldgebiet des Mata Atlantica. Ein großer Teil der Fläche wird heute landwirtschaftlich genutzt, doch es existieren isolierte Waldinseln mit immenser Artenfülle. Dort wollte das Team die vom Aussterben bedrohten Goldkopflöwenäffchen fotografieren. Auf dem Weg kamen sie zur Almada-Farm, die naturnahen Kakao-Anbau im sogenannten Kakao-Wald, dem Cabruca, betreibt. Für die Kakao-Pflanzen muss kein Wald gerodet werden. Vielmehr wachsen die Stauden zwischen Bäumen und anderen Sträuchern. Kleinbauern ernten die Kakao-Früchte von Hand.

Seine Liebe fand er im Regenwald

Mauthe fühlte sich gleich hingezogen zu diesem Ort. „Das war wie aus der Zeit gefallen: die alten Gebäude, keine Autos, die Hügel, der Wald, der Fluss – das war für mich vom ersten Moment an das Paradies.“ Kurz darauf traf er die Besitzerin der Farm und verliebte sich in sie. „Ich habe mein Liebesglück im Regenwald gefunden und darf in meiner Lieblingsumgebung ein Kind großziehen – das ist nicht zu steigern.“

Neben der Fotografie und seiner Vortragstätigkeit ist er inzwischen Kakao-Farmer. Auch hier bringt er seine Ideen zum Umweltschutz ein: Der Betrieb strebt die Bio-Zertifizierung für seine Kakao-Bohnen an. Außerdem forstet die Familie ehemalige Viehweiden auf, damit sich der Regenwald wieder auf natürliche Weise ausbreiten kann und nicht mehr zu landwirtschaftlichen Zwecken genutzt wird. Da ist Mauthe ganz Umweltschützer und sehr streng. Doch ungetrübt ist sein Glück in Zeiten wachsender Umweltbelastung und Bevölkerungsdruck auch an der Kakao-Küste nicht. Hautnah erlebt der Neu-Farmer mit, wie es ist, wenn im Zeichen eines ausgeprägten El Niño im Regenwald für acht Monate kein Regen fällt. Die Kakao-Ernten fallen aus, und nicht nur die Kleinbauern leiden unter der Dürre.

Mauthe sah dringenden Handlungsbedarf und rief in seiner Wahlheimat und in Deutschland das Almada Mata Atlantica Projekt (Amap) ins Leben. Die Organisation kauft im Umland der Farm Land auf, das wieder zu Regenwald am Fluss Almada werden soll. Dabei ist auch der Schutz der Goldkopflöwenäffchen ein Ziel. Die Arbeitsleistung wird hauptsächlich von ehrenamtlichen Helfern und brasilianischen Fachkräften erbracht. Auch andere Landeigentümer und Kleinbauern profitieren von der Arbeit von Amap. Durch Schulungen lernen sie die nachhaltige Bewirtschaftung im Kakaoanbau und wie Schutzgebiete sinnvoll ausgeweitet werden können. Die Erhaltung des Waldes ist Mauthe mindestens genauso wichtig wie die Existenzsicherung der Kleinbauern. Durch nachhaltiges Wirtschaften leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Artenschutz. Das ist für ihn einer der besten Wege, um „Millionen von Flüchtlingen zu verhindern.“

Heike Pander



Info

Amap-Spendenkonto
Volksbank Mittelhessen eG
IBAN DE19513900000050712400
BIC VBMHDE5FXXX
www.markus-mauthe.de
www.amap-brazil.org

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