Lifestyle-Ratgeber: Das Energiebündel
Lifestyle-Ratgeber: Das Energiebündel
11. August 2017

Personal Trainer Phili Jacob (24) aus Baden-Baden vloggt bei Youtube zu den Bereichen Fitness, Ernährung und Lifestyle und zählt inzwischen zu den bedeutendsten deutschen Influencern. Im Interview erklärt er, wie er dazu kam, welche seiner Videos die beliebtesten sind und wie Sponsoren gefunden werden können.

Phil, Du bist als Youtuber und Blogger in den Bereichen Fitness, Ernährung, Lifestyle und Mode bekannt geworden. Wie kamst Du dazu, Videos für Youtube zu drehen?

Ich hatte bereits in jungen Jahren Kontakt zu der Plattform, da mir Youtube eine ideale Möglichkeit bot, von meinen damaligen Fitness-Idolen zu lernen, Motivation für den Sport zu erlangen und den Fitness-Lifestyle lieben zu lernen. Für mich wurde recht früh klar, dass ich selbst Menschen inspirieren und von dem gesunden Lifestyle überzeugen möchte. Nachdem ich bereits einige Jahre trainierte und langsam anfing,  meine Trainerlizenzen zu absolvieren, haben mir meine Freunde immer wieder vorgeschlagen, einen eigenen Kanal zu gründen. Da ich bereits zu dem Zeitpunkt einige Leute kannte, die auf der Plattform aktiv waren, entschloss ich mich dazu, den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen.

Mit welchen Videos hat alles begonnen?

Meine ersten Videos waren sehr theoretisch und informativ. Ich habe über Themen wie gesunde Zu- und Abnahme gesprochen, Einblicke in mein Training gegeben und in einem „Question & Answer“-Format Fragen meiner Zuschauer zu meiner Person sowie rund um die Themen Training und Ernährung beantwortet. Gedreht habe ich meine Videos damals überwiegend im Fitnessstudio oder spontan unterwegs.

Was war Deine Intention, Videos zu drehen?

Meine Intention war es schon immer, meinen Zuschauern einen gewissen Mehrwert zu geben. Daher habe ich stets versucht, in jedes meiner Videos etwas Informatives zu packen, um meinen Followern neben der Unterhaltung Wissen über das Training und die Ernährung sowie Motivation zu liefern. Ich wollte damit erreichen, dass die Leute ein Bewusstsein für ihren Körper entwickeln und erkennen, dass der „schöne Körper“ nicht alles ist, was der Lifestyle mit sich bringen kann. Vielmehr wollte ich auf das gesteigerte Selbstbewusstsein und Wohlbefinden sowie die Disziplin, die aus dem Sport resultiert und sich auf alle Lebensbereiche ausbreitet, aufmerksam machen. Das ist eine Erkenntnis, die ich selbst erlangen konnte und unbedingt weitergeben möchte.

Wie ging es weiter, als Du gemerkt hast, dass Deine Videos gut ankommen?

Wie vorhin angesprochen drehte ich damals fast ausschließlich recht informative Videos, die auch super ankamen. Allerdings machte ich mit Einführung meiner „Weekly Vlogs“ die Erfahrung, dass meine Zuschauer extrem interessiert daran sind, meinen Alltag mitzuverfolgen. Ich machte daher die Vlogs zu meinem Hauptformat. Meine Zuschauer betonten immer wieder, welch großen Mehrwert sie daraus ziehen konnten, da sie einfach viel näher an mir dran waren und damit mehr über mich und den Lifestyle erfahren konnten. Man kann sagen, dass ich seit der Einführung der Vlogs und deren großer Beliebtheit erst so richtig auf Youtube aufgeblüht bin. Ich habe mich als Person akzeptiert gefühlt und konnte selbst extrem viel positive Energie aus meiner Community ziehen. Mein technisches Equipment war damals im Vergleich zu heute noch sehr begrenzt, dazu möchte ich allerdings sagen, dass es absolut ausgereicht hat.

Viele Influencer stellen immer wieder das Equipment in den Vordergrund, wodurch die eigentliche Story in den Hintergrund gerät – und die Story ist ja eigentlich das, was im Endeffekt entscheidend ist. Dennoch habe ich mir mit der Zeit einiges an Equipment angeschafft, da man mich als kleinen Technik-Nerd bezeichnen kann und ich es einfach liebe, hochqualitativen Content zu produzieren. Ich hatte definitiv den Ansporn, aus meinem Hobby einen Beruf zu machen, weil ich mir nichts Schöneres vorstellen konnte, als meine gesamte Zeit und Energie auf das lenken zu können, was ich liebe.

Wer dreht Deine Videos?

Ich hatte sehr großes Glück, dass ich schon zu meinen Anfängen einen sehr guten Freund an meiner Seite hatte, der als Fotograf und Videograf aktiv ist. Demnach konnte ich einiges von ihm lernen, was den Videoschnitt, die Bearbeitung und die Kameraführung angeht, sodass ich schnell selbständig meine Videos drehen und schneiden konnte. Mittlerweile drehe ich die meisten Videos selbst. Allerdings gibt es auch immer wieder aufwendigere Projekte, bei denen ich auf die Hilfe anderer angewiesen bin!

Wie bringst Du Deine Blogger-Karriere und Dein Fitness & Health Management-Studium zeitlich unter einen Hut?

Ich mache ein Fernstudium, was für mein Leben wie maßgeschneidert ist. Ich kann mir das Lernen selbst einteilen und Vorlesungen online jederzeit abrufen. Das kommt meinem Alltag zugute, da ich keine Wochentage kenne und keinen geregelten Tagesablauf habe. Das habe ich schnell aufgegeben, da man als Influencer sehr spontan sein muss und kein Tag wie der andere abläuft. Typischerweise sieht eine Woche bei mir folgendermaßen aus: Ich gehe fast täglich zum Sport und verbringe sehr viel Zeit in der Küche, da ich kaum außerhalb esse und nach jeder Mahlzeit direkt an die nächste denke! Mein Körper ist allerdings nicht mein alleiniger Fokus, da es mein Job ist, andere Menschen zu coachen und sie dabei zu unterstützen, ihre sportlichen Ziele zu erreichen. Für die Aktivität auf meinen Social-Media-Kanälen habe ich keine festen Zeiten. Vielmehr bin ich mehr oder weniger den gesamten Tag mit dem Kopf dabei und versuche, meine Follower so weit wie möglich an meinem Leben teilhaben zu lassen. Hierfür produziere ich täglich Content in Form von Bildern, Videos, Tweets und Snaps.

Was würdest Du sagen, was Deine Fitness- und Ernährungs­videos auszeichnet?

Das ist für mich schwer zu beantworten. Ich würde mich hierbei nach dem Feedback meiner Zuschauer richten, die vor allem meine Authentizität schätzen. Ich denke, dass ich die Inhalte einfach authentisch rüberbringen kann, da ich mich vor der Kamera nicht verstelle und offen und ehrlich sage, was ich denke.

Willst Du Dich – wenn es weiterhin gut läuft – hauptberuflich dem Bloggen widmen?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich gar nicht so weit in die Zukunft blicke. Gerade in den vergangenen zwei Jahren ist einiges passiert, was ich so niemals hätte vorhersagen können. Dennoch sehe ich mich in der Zukunft definitiv weiterhin meinen Beruf als Personal Trainer ausüben. Ich liebe meinen Job und das, was ich damit bei meinen Kunden bewirken kann. ­Parallel dazu möchte ich natürlich weiterhin als Influencer tätig sein und immer mehr Menschen erreichen.

Hast Du Tipps für Leute, die es Dir gleichtun möchten?

An erster Stelle sollte man sich klar machen, was das Hauptmotiv ist, um als Influencer tätig zu werden. Wenn es das Geld ist, wird man schnell aufgegeben, da sich der „Job“ erst nach viel Einsatz von Zeit und Energie bezahlt macht. Anfangs steht das, was dabei finanziell herausspringt, in keinerlei Verhältnis zu dem, was man dafür aufgeben muss. Des Weiteren ist es extrem wichtig, dass man authentisch ist und nicht vorgibt, jemand zu sein, der man nicht ist. Man muss Spaß an der Sache haben und – wie beim Sport – viel Durchhaltevermögen zeigen. Wenn all das gegeben ist, sollte man kontinuierlich Content produzieren, um immer in Verbindung mit seinen Zuschauern zu bleiben. Hört sich alles recht anstrengend an, jedoch gibt es für mich keinen besseren Job, da mich neben dem Verdienst das Feedback der Leute total bereichert.

Was ist das Besondere an Deinen Pancakes, für die Du bekannt bist?

Ich denke es ist die Tatsache, dass sie super schmecken und gleichzeitig optimale Nährwerte liefern. Es ist echt lustig, dass ich täglich nach dem Rezept gefragt werde, obwohl ich sie in jedes zweite Video einbringe. Das Ding ist, dass den meisten Leuten noch nicht bewusst ist, dass man gesund leben kann, ohne gleichzeitig Einbußen im Geschmack zu haben. Das bringe ich mit meinen Pancakes denke ich ganz gut rüber.

Welche Deiner Videos sind die beliebtesten?

Die beliebtesten Videos sind meist Collabos, also Videos die gemeinsam mit anderen Youtube-Kollegen entstanden sind. Das sind in meinem Fall Challenges wie das „Wahrheit oder Pflicht-Spiel“ oder ein „Clothing Haul“, bei welchem man abwechselnd seine Monatsfavoriten vorstellt. Meine beliebtesten Solo-Videos sind mein sehr aktueller Vlog zum Ramadan, in welchem ich einen Tag lang gefastet habe, sowie überraschenderweise meine Videos zum Thema Gewichtszunahme.

Kannst Du von Deinem Vlog und Blog leben?

Das ist sicher die beliebteste aller Fragen, die einem Youtuber gestellt wird. Gemeinsam mit meiner Tätigkeit als Personal Trainer kann ich sicher gut von den Nebeneinkünften über Youtube und meiner Sponsoren leben.

Wie kann man mit einem Vlog gut verdienen?

Theoretisch ist es, was den Verdienst angeht, optimal, wenn man regelmäßig so viele Vlogs wie möglich pro Woche hochlädt. Ich persönlich richte mich danach allerdings nicht. Da Youtube für mich noch keine Haupteinnahmequelle darstellt, lade ich Videos hoch, wenn ich Lust darauf habe und lasse mich außerdem in meiner Kreativität nicht einschränken. Was meine Uploadfrequenz betrifft, bin ich sicher auch kein Musterbeispiel – was ich auch immer wieder von meinen Zuschauern zu hören bekomme. Ich bin eben immer noch täglich mit der Challenge konfrontiert, alles unter einen Hut zu bringen. Allerdings bin ich zuversichtlich, dass sich mit Beendigung meines Studiums einiges ändern wird und ich noch aktiver werden kann.

Wie werden Sponsoren auf Influencer aufmerksam?

Zum einen durchforsten einige Unternehmen selbst die Social-Media-Welt, zum anderen gibt es mittlerweile immer mehr Agenturen, die das für sie übernehmen. Da Social-Media-Marketing für die Unternehmen aufgrund der starken Wirkung immer bedeutsamer wird und die Anzahl an Influencern rasant wächst, ist es eine große Herausforderung für die Unternehmen, eigenständig geeignete Influencer zu finden. Das ist allerdings entscheidend und wird leider immer wieder unterschätzt, da sich einige Unternehmen noch rein an der Reichweite orientieren.

Wie sieht Deine Kooperation mit Brands aus?

Ich bekomme fast täglich Angebote von Brands und muss genau wie auch Unternehmen abwägen, ob die Kooperation zu mir und meinem Content passt oder eben nicht. Grundsätzlich finde ich Kooperationen super, da sie sowohl mir als auch meinen Followern einen Mehrwert bieten können. Was ich persönlich allerdings vermeide, sind nicht authentische und penetrante Produktplatzierungen. Man kann sicher viel mehr Geld verdienen, wenn man alle Deals annimmt, verliert aber schnell an Glaubwürdigkeit. An erster Stelle steht für mich das langfristige Vertrauen meiner Community, welches ich nicht aufs Spiel setzen will. Wenn Unternehmen und Produkt zu mir passen und ich dahinter stehen kann, steht einer Kooperation also nichts im Wege.

Was denkst Du, woher dieser Hype um Blogger kommt?

Der Hype kommt sicher aus den weit verbreiteten Vorteilen, die das Leben als Blogger mit sich bringt: Man verdient Geld mit Fotos, gewinnt an Reichweite und bekommt total viele Produkte zugeschickt.

Was hältst Du davon?

Ich finde, dass man zu sich selbst ehrlich sein sollte, was das Hauptmotiv für die Ausübung des „Berufes“ ist. Viele Leute entscheiden sich aufgrund der eben genannten Vorteile, eine Bloggerkarriere zu starten. Dabei vergessen sie allerdings, dass aller Anfang schwer ist – vor allem als Influencer. Die Frage sollte am Anfang immer lauten: Welchen Mehrwert kann ich den Leuten bieten, und was habe ich, was andere nicht haben. Eine Community baut sich nicht von alleine auf, gerade heute bei der wachsenden Anzahl an Influencern.

Hattest Du selbst Vorbilder?

In meinen ersten Trainingsjahren hatte ich Vorbilder wie Arnold Schwarzenegger, Muhammad Ali und Greg Plitt, welche mich immer wieder dazu bewegt haben, meine sportlichen Ziele zu fokussieren und an mich selbst zu glauben.

Liest Du selbst regelmäßig Blogs oder schaust Dir Videos bei Youtube an?

Ich lasse mich gerne von anderen Bloggern/Youtubern inspirieren! Dabei verfolge ich nicht nur Influencer meiner Themengebiete, sondern auch weit darüber hinaus. Vielmehr interessiert mich deren Persönlichkeit, die individuelle Gestaltung der Videos, die Schnitttechnik und so weiter. Ich erweitere damit gerne meinen Horizont und versuche, meine Videos immer weiter zu entwickeln. Der Großteil der Videos, die ich selbst konsumiere, ist englischsprachig. Zu meinen Favoriten gehören dabei unter anderem Jon Olsson (travel vlogs), Peter McKinnon (unter anderem Fotografie) und Christian Guzman (Fitness).

Interview: Kristina Scherer-Siegwarth

Weitere Informationen unter:

www.philhilftviel.com





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