MEIN BÜRO
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21. April 2017

Rüdiger Kußerow (61)
Obermeister Bestatter-Innung Berlin und Brandenburg | Berlin-Neukölln

Auf Rüdiger Kußerows Schreibtisch liegt ein Stapel Blumenbestellungen. Fröhlich ist der Anlass nicht. Es sind Blumen für die letzte Ruhestätte. Die wollen mit Bedacht ausgewählt werden. Bei einer Beerdigung darf nichts schiefgehen, denn sie kann nicht wiederholt werden. Obwohl der ehemalige Vize-Präsident im Bundesverband Deutscher Bestatter ein alter Hase ist, arbeitet er oft unter Zeitdruck und Anspannung. Beim Wachbleiben hilft der Bohnenkaffee, den Rüdiger Kußerow den ganzen Tag aus einer Tasse des Van-Gogh-Museums trinkt. Zur Entspannung hört er Klassik-Radio. Schon sein Großvater war Bestatter. Das Familienunternehmen wurde 1936 in Friedrichshain gegründet. Später zog die Familie in die Neuköllner Silbersteinstraße, wo Kußerow auch geboren wurde und bis heute lebt und arbeitet. Sein Unternehmen ist eines von etwa 300 Bestattungsunternehmen der Hauptstadt. Etwa 2.700 Menschen sterben jeden Monat in Berlin. Sein eigenes Verhältnis zum Tod? Schon als Kind hat er zwischen Särgen gespielt und mit sechs seinen ersten Toten gesehen. Seitdem sind dem trauerpsychologisch geschulten Bestatter-Meister viele bewegende Schicksale begegnet. Als Christ denkt er: „Da oben haben es einige vielleicht besser als hier.“ Im Schrank stehen neben Urnenkatalogen und einer Sammlung von Bestatter-Modellautos auch Bibeln auf Deutsch, Türkisch und Arabisch.

Daniela Noack

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