Tieren eine Stimme geben
Tieren eine Stimme geben
16. Juni 2017

Im Hinblick auf die im September an­stehende Bundes­tagswahl hat FORUM die drei be­­kann­testen deutschen Tierschutz­organisationen nach ihren Top-3-Forderungen an die Bundesregierung gefragt.

Deutscher Tierschutzbund

Themengebiete: Heimtiere, Tierversuche, Wildtiere.
Einnahmen: 12,67 Millionen Euro.
Aktuelle Projekte: Unter anderem Kampagnen Katzenschutz und Tier­heime, Exotenschutz im Tierschutz­zentrum Weidefeld, Auslandstierschutz im Tierschutz- und Kastrationszentrum Odessa (Ukraine).
Aktionsraum: Deutschland (plus einzelne Projekte im Auslandstierschutz, in der Ukraine und in Rumänien, siehe www.tierschutzbund.de/information/hintergrund/tierschutz-ausland).
Gründungsjahr: 1881
Gründungsland: Deutschland
Mitgliederzahl: 800.000

 Top-3-Forderungen vom DTSB  an die deutsche Bundesregierung: 

1. Tierschutz-Verbandsklage

Wir fordern ein durchgreifendes, bundeseinheitliches Tierschutz-Verbandsklagerecht. Wo der Tierschutz, der als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist, nicht verwirklicht wird, müssen seriöse Tierschutzorganisationen das Recht haben, ihn anstelle der Tiere gerichtlich einzuklagen. Da der Bund bislang untätig blieb, haben schon acht Bundesländer in Eigenregie Verbandsklagegesetze auf Landesebene erlassen. Diese sind zum Teil sehr unterschiedlich. Wie die übrigen Bundesländer verfahren werden, bleibt offen. Der Bund muss hier auch deshalb tätig werden, um endlich für gleiche Rechtsverhältnisse in ganz Deutschland zu sorgen.

2. Tierschutzgesetz (am Beispiel Landwirtschaft)

Wir fordern eine grundlegende Neufassung des Tierschutzgesetzes, weg vom Tiernutzgesetz zu einem wirklichen Tierschutzgesetz. Das umfasst besonders auch die Probleme in der landwirtschaftlichen Tierhaltung. So fordern wir im Detail unter anderem ein Ende der massenhaften Tötung von Eintagsküken, einen Ausstieg aus der Fixierung von Sauen im Kastenstand, ein Ende von nicht-kurativen Eingriffen am Tier und ein Verbot der Schlachtung trächtiger Rinder. Bisher stehen wirtschaftliche Interessen meist über dem Schutz der Tiere. Die Politik versucht vor allem auf freiwilliger Basis, Verbesserungen für die Tiere umzusetzen. Die Politik der „verbindlichen Freiwilligkeit“ von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hat bisher jedoch kaum etwas geändert. Der Gesetzgeber muss endlich auch als solcher aktiv werden. All dies muss eingebunden sein in eine übergeordnete nationale Nutztierstrategie.

3. Tierversuche

Wir fordern einen schnellstmöglichen Ausstieg aus Tierversuchen und eine Stärkung der Alternativmethoden zum Tierversuch. Hierfür ist eine Strategie mit einem konkreten Zeitplan zum Ausstieg und Zwischenzielen notwendig. Die Niederlande haben einen derartigen Plan Ende 2016 vorgestellt. Eine vergleichbare Strategie für Deutschland fordern wir auch von der Bundesregierung. Stattdessen wird die Alternativmethodenforschung in Deutschland nach wie vor stiefmütterlich behandelt. Versuche an Tieren in der Forschung scheinen noch immer höchste Priorität zu genießen. Statt Tierversuche weiter zu fördern, müssen Gelder und Ressourcen mit aller Kraft in tierversuchsfreie Forschung fließen. Dies ist auch einer der Aufträge aus der EU-Tierversuchsrichtlinie.



PETA Deutschland

Themengebiete: Nutztiere,
Tierversuche, Entertainment-Tiere.
Einnahmen: 5,70 Millionen Euro.
Aktuelles Projekt: Verbot von Pelzfarmen in Deutschland.
Aktionsraum: International.
Gründungsjahr: 1980 (Peta Deutschland: 1993)
Gründungsland: USA
Mitgliederzahl: über 1,1 Millionen Unterstützer und Spender.

 Top-3-Forderungen von Peta  an die deutsche Bundesregierung: 

1. Legalisierte Tierquälerei in der Landwirtschaft beenden(www.legalisierte-tierqual.de/)

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa eine Milliarde Tiere für die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern getötet. Ganz legal werden Schweinen, Hühnern und Rindern Körperteile ohne Betäubung amputiert, um sie an die Produktionsanlagen anzupassen. Rund 50 Millionen männliche Küken werden nach dem Schlüpfen getötet, weil sie für die Agrarindustrie nutzlos sind. Puten, die in der Turbozucht unter dem eigenen Gewicht zusammenbrechen, hohe Fehlbetäubungsquoten in Schlachthöfen, Kühe, die ihr Leben lang im Stall angebunden sind: die Liste der Gräuel in der pervertierten Agrarindustrie ist endlos. Der Grund für die legalisierte Tierquälerei liegt auf der Hand: Einige CDU-Bundestagsabgeordnete (http://www.peta.de/undercover-bei-bundestagsabgeordneten#.WRRUpTdBpaQ) sind selbst Landwirte und Mitglieder in den mächtigen Bauernverbänden. Im Bundestag setzen sie unverhohlen ihre Interessen und die ihrer Verbandskollegen durch.

2. Tierversuche beenden

Alle elf Sekunden stirbt ein Tier in einem deutschen Versuchslabor, insgesamt drei Millionen pro Jahr – so viele wie nie zuvor. Die Zahlen sind ein Armutszeugnis für die Bundesregierung. Während Tierversuche mit mehreren Milliarden Euro gefördert werden, erhalten tierfreie Alternativmethoden nur einen Bruchteil davon. Studien zeigen, dass Tierversuche nicht dazu geeignet sind, menschliche Reaktionen auf Krankheiten oder Medikamente präzise vorauszusagen. Mehr als die Hälfte der Tiere wird in der sogenannten Grundlagenforschung verwendet, bei der es meist nur darum geht, die Neugier von skrupellosen Forschern zu befriedigen.

3. Verbot von exotischen Heimtieren

Jahr für Jahr werden rund 600.000 Reptilien nach Deutschland importiert, um in deutschen Wohnzimmern zu enden. Viele der Tiere sterben früh, aber im Internet oder auf Exotenbörsen kann für ein paar Euro Nachschub besorgt werden. Ein großer Teil der Tiere stirbt schon auf dem Transport nach Deutschland, wie eine Peta-Recherche (http://reptilienhandel.peta.de/) 2016 zeigte. Im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist zwar ein Verbot von Exotenbörsen und Wildfangimporten versprochen worden, doch nicht einmal dies wurde umgesetzt.



VIER PFOTEN

Themengebiete: Heimtiere, Nutztiere, Wildtiere.
Einnahmen: 15,27 Millionen Euro (in 2015)
Aktuelle Projekte: Fokus auf Heim-, Nutz- und Wildtiere.
Aktionsraum: International
Gründungsjahr: 1988 (in Deutschland/Hamburg: 1994)
Gründungsland: Österreich/Wien
Mitgliederzahl: Keine Mitglieder, aber Spender in Deutschland: 191.639 (in 2015).

 Top-3-Forderugen von Vier Pfoten an die deutsche Bundesregierung: 

1. Nationale Nutztierstrategie

Vier Pfoten fordert eine Verschärfung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sowie finanzielle Anreize für eine artgemäße Tierhaltung. Wir brauchen gesetzliche Regelungen, um die Anbindehaltung von Milchkühen abzuschaffen und die Fixierung von Sauen in Kastenständen zu beenden. Betäubungslose Kastrationen von Tieren, Kupieren von Schnäbeln, Kürzen von Schwänzen und die betäubungslose Enthornung von Kälbern müssen verboten werden. Bestehende Gesetze, so auch die für Transport und Schlachtung von Tieren, müssen dringend strenger kontrolliert und umgesetzt werden. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt setzt nach wie vor leider nur auf freiwillige Vereinbarungen, die weder behördlich kontrollierbar sind, noch sanktioniert werden können, anstatt gesetzliche Vorgaben auszuweiten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft betont stets, dass freiwillige Vereinbarungen Vorrang vor gesetzlichen Regelungen hätten. Grund: Man befürchte die Abwanderung der Tierhaltung ins Ausland, wenn höhere gesetzliche Anforderungen anstünden.

2. Verbot der Haltung von Wildtieren in Zirkusbetrieben

Vier Pfoten fordert ein Verbot der Wildtierhaltung in Zirkussen. Auch zwei Drittel der deutschen Bevölkerung sowie die Bundestierärztekammer sprechen sich für ein striktes Verbot aus. Der Bundesrat hat mit einem Beschluss im März 2016 nunmehr zum dritten Mal die Bundesregierung aufgefordert, die Haltung von bestimmten Tieren wildlebender Arten in Zirkusbetrieben zu verbieten.

Doch die Bundesregierung blockiert ein Verbot seit Jahren. Statt zu dem seit über einem Jahr vorliegenden Beschluss der Bundesländer Stellung zu beziehen, verweist das von CSU-Minister Christian Schmidt geführte Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf einen langwierigen Prüfungsprozess, ohne zu sagen, wann der Prozess abgeschlossen sein wird. Im Bundestag haben sich alle Fraktionen (SPD, Bündnis90/Die Grünen und Die Linke) für ein Wildtierverbot ausgesprochen bis auf die CDU/CSU Fraktion.

3. Einführung einer bundesweiten Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen

Vier Pfoten fordert die Einführung einer bundesweiten Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen. Dadurch könnte der unkontrollierte und ansteigende illegale Handel mit Hunden und Katzen eingedämmt werden, da die Herkunft eines Tieres beim Kauf einfacher festzustellen wäre. So ein System ist einfach und kostengünstig umzusetzen durch die Harmonisierung bereits existierender nationaler Register.

Trotzdem weigert sich die Bundesregierung, ein verpflichtendes Kennzeichnungs- und Registrierungssystem von Hunden und Katzen in Deutschland einzuführen. Die Begründung lautet: Der bürokratische Aufwand und die Belastung für Tierhalter sei zu hoch und (gegenüber dem Nutzen) nicht verhältnismäßig.




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