Diese Menschen wollen „Amerika wieder großartig machen“
Diese Menschen wollen „Amerika wieder großartig machen“
6. Januar 2017

Milliardäre, Hedgefonds-Manager, Generäle, Loyalisten – Trumps Kabinett besteht aus Leuten, die ihm treu folgen, sich rechtzeitig positionierten oder in den vergangenen Jahren in Washington in Ungnade gefallen waren. Ein Überblick.

Dieses Kabinett könnte das reichste der Welt sein: Donald Trump hat mittlerweile einen Großteil seiner Regierungsmannschaft nominiert. Jetzt muss der Kongress sie bestätigen. Aus seiner Vorliebe für Geschäftspartner, Unternehmer und Milliardäre macht er keinen Hehl: „Ich will Menschen, die sich ein Vermögen erarbeitet haben, weil sie jetzt mit euch verhandeln werden“, verteidigte Trump seine Auswahl bei einer seiner Dankestouren in Des Moines, Iowa. Man könnte es als Drohung an die Wähler ansehen. An einigen Stellen konnten sich etablierte Politiker durchsetzen – doch der Großteil von Trumps Kabinett hat keinerlei Verwaltungserfahrung.

Mit Stabschef Reince Priebus schafft sich Trump einen sicheren Kanal zur Republikanischen Partei. Der Polit-Routinier, bislang Chef des Republican National Comittee, hat beste Kontakte in den Kongress und zum republikanischen Mehrheitsführer Paul Ryan – also zum Establishment jener Partei, die Trump in seinen Wahlkampfreden wiederholt scharf attackiert hatte. Mit Stephen Bannon, dem Ex-Kampagnenleiter von Trump, kam Priebus laut Medienangaben bislang gut zurecht.

Stephen Bannon soll Chef-Stratege des neuen Präsidenten werden. Bannon ist ehemaliger Goldman-Sachs-Manager und Gründer von Breitbart News, einer ultrarechten Webseite, die ihre nationalistische, oft verschwörungstheoretische Agenda nun auch nach Europa tragen will. Mit der Installation von Bannon und Priebus schafft sich Trump zwei Machtzentren, die miteinander konkurrieren – eine Methode, die er in seinem eigenen Firmengeflecht anwendet, um Gewinner und Verlierer voneinander zu scheiden.


17 Jahre hat Steven Mnuchin für das Investmenthaus Goldman Sachs gearbeitet, jetzt soll er Finanzminister werden. Der 53-jährige Hedgefonds-Manager gehörte zur Elite jener Branche, die wegen der Finanzkrise bei der US-Regierung in Ungnade gefallen war. Mnuchin kritisierte wie Trump den Dodd-Frank-Act, ein US-Gesetz, das nach dem Crash von 2007 die Finanzmärkte stabiler und transparenter machen sollte – es sei zu kompliziert.




Rex Tillerson hat sein gesamtes Berufsleben im Exxon-Mobil-Konzern verbracht, einem der größten Ölkonzerne der Welt. Dort war er vom Ingenieur zum Konzernchef aufgestiegen und hatte dabei auch zahlreiche Deals mit Rosneft, dem größten russischen Ölkonzern, eingefädelt. Entsprechend beste Kontakte bestehen nach Moskau und zu Russlands Präsident Putin. Für Trump ist Tillerson damit „einer der größten Wirtschaftsführer der Welt“ und bestens geeignet, künftiger Außenminister der USA zu sein.


General James „Mad Dog“ Mattis wird sein Büro im Pentagon beziehen, dem US-Verteidigungsministerium. Der hochdekorierte Marine braucht als Ex-Soldat dafür eine Sondergenehmigung des Kongresses. Er sieht den Iran als größte Bedrohung des Friedens im Nahen Osten und liegt damit auf einer Linie mit Trump, der den Atomdeal mit Teheran am liebsten aufkündigen und neu verhandeln möchte.


Der konservative Hardliner Jeff Sessions wird US-Justizminister. Bei seinen Kollegen in der Republikanischen Partei ist der Senator hoch angesehen, und er war stets einer der stärksten Kritiker von Präsident Obama und dessen Immigrationspolitik. Äußerungen in seiner Vergangenheit legten jedoch den Verdacht nahe, er sei ein Rassist. Diesen Vorwurf wies Sessions stets zurück und verwies auf seine Arbeit für Bürgerrechte.

Für die Arbeiterschaft im Land wird in den kommenden vier Jahren Andy Puzder verantwortlich sein. Puzder war bis dato Chef des Schnellrestaurant-Unternehmens CKE und sprach sich für die Automatisierung in der Branche aus. „Er wird kleine und mittlere Unternehmen von der Bürde unnötiger Regulierungen befreien“, verspricht Trump. Puzder ist prominenter Kritiker einer Mindestlohn-Erhöhung auf 15 Dollar und der Überstunden-Regelung der Obama-Administration.


Handelsminister wird Wilbur Ross, ein milliardenschwerer Investor, Trump-Freund und langjähriger Geschäftspartner, der angeschlagene Firmen kauft, restrukturiert und wieder verkauft. Er und der Investor Carl Icahn halfen Trump aus dessen fehlgeschlagenen Casino-Experimenten in Atlantic City heraus. Der 78-Jährige könnte jedoch zu einer schwierigen Personalie werden: Seine Private-Equity-Firma ist an Dutzenden US-Firmen und internationalen Firmen beteiligt, darunter Stahlfirmen. Als Handelsminister würde Ross über die Gesetze wachen, die über Wohl oder Wehe auch seiner eigenen Firmen entscheiden könnten.


Der Neurochirurg und Ex-Präsidentschaftskandidat Dr. Ben Carson wird in der Trump-Administration Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung. Carson war als Gesundheitsminister im Gespräch, sagte jedoch ab mit der Begründung, er habe nicht genügend administrative Erfahrung, um ein Ministerium zu führen. Der einstige Rivale Trumps fiel im Vorwahlkampf vor allem wegen seiner Anti-Haltung zu Abtreibungen auf und betonte immer wieder seinen christlichen Glauben.


Die Milliardärin Betsy DeVos wird Trumps Bildungsministerin. Sie tritt vor allem für sogenannte Charter Schools und Privatschulen ein und ist eine einflussreiche Großspenderin ohne politische Erfahrung. Sie will Bildungsgutscheine verteilen, damit die US-Amerikaner ihre Kinder auf die Bildungseinrichtung schicken, die ihnen geeignet erscheinen – gleich ob staatliche, private oder religiöse Schule.


Heimatschutzminister soll Ex-General John Kelly werden, er war Chef des US Southern Command und damit verantwortlich für Mittel- und Südamerika. Bereits vor der Wahl bot er an, sowohl für Trump als auch für Clinton zu arbeiten. Kelly ist der zweite General in Trumps Administration, der seine Vorliebe für Militärs auch schon öffentlich zum Ausdruck gebracht hat. Auch Kelly hat keinerlei administrative Erfahrung.




Rick Perry, einst Präsidentschaftskandidat 2012 und 2016, soll ein Ministerium führen, das er einst abschaffen wollte: das Energieministerium. Der Klimawandel-Skeptiker habe Manager-Qualitäten, argumentiert seine Partei. Im Wahlkampf hatte Perry Trump als „Krebsgeschwür des Konservatismus“ bezeichnet. Der konservative Think Tank Heritage Foundation plädiert dafür, große Teile des Ministeriums, die für Obamas ökologische Agenda arbeiten, zu schließen.


Chef der Umweltschutzbehörde wird ein erklärter Klimawandel-Skeptiker: Oklahomas Generalstaatsanwalt Scott Pruitt, der diese Behörde zuvor ständig scharf attackiert hatte. Er soll Obamas ökologische Agenda zugunsten der US-Öl- und Kohleindustrie ausradieren helfen. „Ein bisschen davon können wir lassen“, sagt Donald Trump, „aber wir dürfen kein Geschäft zerstören“.


Der dritte Ex-General in der Riege der höchsten Regierungsangestellten im Weißen Haus wird Mike Flynn als Nationaler Sicherheitsberater. Flynn gelangte prominent in die Medien, als er ebenso wie sein Sohn über Twitter Gerüchte verbreitete und Hillary Clinton mit Geldwäsche und Kinderpornos in Verbindung brachte. Seine Stellvertreterin wird K.T. McFarland, Ex-Mitarbeiterin von Ronald Reagan, die seither als politische Kommentatorin bei dem konservativen Sender Fox News überwinterte.


Mittelstandsbeauftragte der Trump-Regierung wird Linda McMahon, eine seiner treuesten Unterstützerinnen. Trump und McMahon kennen sich seit den Ausflügen des Selbstvermarktungs-Milliardärs ins Profi-Wrestling – McMahon ist Mitgründerin von World Wrestling Entertainment und mit dem Milliardär Vince McMahon verheiratet, mit dem Trump eine persönliche Fehde verband, die beide während eines Showkampfes austrugen. Trumps Kämpfer gewann und der Milliardär durfte dafür seinem Kontrahenten McMahon vor laufenden Kameras den Kopf rasieren.


Als leitenden Wirtschaftsberater beruft Trump den derzeitigen Chef von Goldman Sachs, Gary Cohn, ins Weiße Haus und zum Chef des einflussreichen Nationalen Wirtschaftskomittees. Cohn ist damit der dritte Investmentbanker dieses Unternehmens in der Riege der Top-Regierungsangestellten. Noch im Wahlkampf nahm Trump die Finanz­elite des Landes aufs Korn und machte sie für die Misere vieler Arbeiter und Familien im Land verantwortlich. Wörtlich sagte Trump: „Sie kommen mit Mord davon!“

Von Falk Enderle




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