Nach gedacht: Testwahlgespräch
Nach gedacht: Testwahlgespräch
21. April 2017

Die Frage kam ziemlich unvermittelt mitten im üblichen Austausch von Neuigkeiten, wenn man sich länger nicht mehr gesehen hat: „Seid Ihr eigentlich zufrieden mit eurer Wahl?“. Die Freunde aus Nordrhein-Westfalen stehen selbst demnächst vor der Wahl, die als großer Test für die Bundestagswahl gilt. Zufrieden mit dem ersten Test im Saarland unter „Schulz-Bedingung“?

Die Koalitionsverhandlungen haben doch gerade erst begonnen, antworte ich. Wie sollen wir jetzt schon sagen können, ob wir zufrieden sind? So realpolitisch-pragmatisch war die Frage natürlich nicht gemeint. Was die „im Reich“ von der Saar-Wahl wussten, war schlicht: Mit „dem Schulz“ wird es im Saarland (politisch) irgendwie Rot, typisch, und das auch noch mit Lafontaine (im „Reich“ sagen nur wenige „Oskar“)! Die Umfragen waren ja klar. Und dann das!

Womit wir beim eigentlichen Thema waren: „Die ganzen Prognosen stimmen doch sowieso nicht“. Mein Versuch, zwischen Prognose und Stimmungsbild zu unterscheiden, scheiterte erwartungsgemäß kläglich. Zweiter Anlauf: Nur weil die Umfragen so waren, dass Rot-Rot möglich war, hat die CDU so deutlich gewonnen. Erstaunen. Ich zeige auf die vielen Ex-Nicht-Wähler, die diesmal CDU gewählt haben. Aber dann würden ja die Meinungsforscher Politik machen? Schon. Aber das machen Politiker eben auch mit den Umfragen.

Brauchen also Politiker die Umfragen, um zu wissen, was das Volk so denkt? Dann bräuchten die ja auch gar nicht mehr mit den Menschen zu reden, wenn sie nur genügend Umfragen haben? Das lässt sich kontern: Wer so denkt, macht schnell Fehler, und alles kommt am Ende ganz anders. Wähler können nämlich ziemlich eigen sein. Die lesen auch Umfragen und Kommentare – und ziehen daraus schon mal ganz andere Schlüsse. Ob das auch für „den Schulz-Effekt“ gilt? Der hat sich ja auch erledigt, oder? Bei uns (in NRW) gewinnt wohl trotzdem wieder die Kraft. In Umfragen liegt jedenfalls die SPD-Ministerpräsidentin klar vorn.

Und wenn auch dort keiner mehr die Grünen will? frage ich. Und um die Verwirrung komplett zu machen: Ihr müsst schon selbst überlegen, was ihr wollt. Die Saarländer haben jedenfalls das gewählt, was sie schon lange vor der Wahl mehrheitlich für ihr Land immer gesagt haben. Übrigens in allen Umfragen! Vielleicht war das ja der eigentliche Test.

Oliver Hilt

Oliver Hilt beobachtet für FORUM die saarländische Politik.



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