„Alles reinwerfen“
„Alles reinwerfen“
19. Mai 2017

Handball-Zweitligist HG Saarlouis kämpft nach wie vor um den Klassenverbleib und plant bereits für die kommende Saison. Vier Spieltage vor dem Ende braucht das Team aber noch vier Punkte.

Der Klassenverbleib ist noch nicht in trockenen Tüchern, aber die Planungen laufen bereits. Die HG Saarlouis bekommt einen neuen Spielmacher: Julius Linskog Andersson. Der 22-jährige Schwede kommt von Fyllingen Bergen (Erste Liga Norwegen) und soll die Rolle des nach Eisenach abwandernden Ibai Meoki übernehmen. Andersson ist mit 140 Treffern in 22 Spielen der mit Abstand beste Torschütze der Ersten Liga Norwegens. Aber um ihn in der Stadtgartenhalle spielen zu sehen, muss die HG erst noch den Klassenverbleib sichern. Am Samstag (20 Uhr) geht es zur DJK Rimpar.

„So einen spielintelligenten und torgefährlichen Spielmacher haben wir gesucht. Julius habe ich schon längere Zeit im Auge, und beim zweitägigen Probetraining hat er uns überzeugt. Er spricht gut Deutsch, und wir erwarten uns von ihm mehr Stabilität im Spielaufbau“, freut sich HG-Trainer Jörg Bohrmann über den Sommer-Neuzugang. Dessen Vater Robert war schwedischer Nationalspieler und trainiert den Erstligisten HC Erlangen.

Bisher wurden bereits für den nach Ferndorf abwandernden Kapitän Jonas Faulenbach Rückraumspieler Arthur Muller vom FC Mulhouse (Dritte Liga Frankreich), für den künftigen Co-Trainer Philipp Kessler Linksaußen Pascal Noll (TSV Bayer Dormagen) sowie Falk Kolodziej (HBW Balingen-Weilstetten II) und Max Hartz (SV 64 Zweibrücken) verpflichtet.

„Wir wollten uns auf der Spielmacher-Position komplett neu aufstellen und sind überzeugt, mit Julius Andersson und Falk Kolodziej das richtige Duo dafür gefunden zu haben“, findet der HG-Vorsitzende Richard Jungmann. Von den neuen Spielmachern erhofft er sich auch eine positive Wirkung auf den zu oft glücklos agierenden Linkshänder Yann Polydore, dessen Vertrag in Saarlouis bis 2018 läuft. Der Vertrag von Andersson gilt nur für die 2. Bundesliga und zunächst auch nur für eine Saison.

Trotz starker Leistungen in den vergangenen Spielen, fünf Heimsiegen in Folge und einem 29:29-Unentschieden gegen den direkten Konkurrenten Wilhelmshavener HV konnte sich die HG noch nicht aus dem Abstiegskampf verabschieden. Das liegt an der großen Leistungsdichte der zweiten Tabellenhälfte. Zwischen Platz elf (EHV Aue, 32:36 Punkte) und dem ersten Abstiegsplatz 17 (SG Leutershausen, 28:38) liegen gerade einmal vier Zähler – also zwei Siege. Dabei hat Leutershausen noch ein Spiel weniger auf dem Konto als die Konkurrenten. Saarlouis ist derzeit Tabellen-13. (31:37), „Die Aufsteiger haben sich diese Saison sehr gut verkauft. Dazu sind Wilhelmshaven und Hamm mittendrin, die ich beide vor Saisonbeginn eigentlich im vorderen Tabellendrittel gesehen habe“, versucht sich Bohrmann an einer Erklärung dieser außergewöhnlich spannenden Konstellation. Dass die Tabelle die guten Ergebnisse der vorigen Wochen nicht belohnt, „darf für uns keine Rolle spielen. Wir müssen uns so oder so optimal auf die Spiele vorbereiten und alles in die Waagschale werfen“, weiß Bohrmann.

Die Personalplanungen für die kommende Saison laufen quasi „nebenher“ auf Hochtouren. Für Kapitän Faulenbach steht bereits ein Nachfolger fest: Der 23-jährige Arthur Muller stammt aus dem französischen Mulhouse. Beim früheren französischen Zweitligisten MHSA Mulhouse, der zwischenzeitlich um den Aufstieg in die Erste Liga spielte, bekam er seinen ersten Profivertrag. Nach der Pleite des Clubs wechselte er  dann zum FC Mulhouse in die Liga National 1, die mit der Dritten Liga in Deutschland vergleichbar ist. In den ersten 18 Spielen der laufenden Saison erzielte er bereits 149 Tore. Auch im Probetraining in Saarlouis konnte er die Verantwortlichen von seinen Fähigkeiten überzeugen und wurde mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet. „Er ist knapp zwei Meter groß, ein typischer Shooter, hat aber auch technische Qualitäten. Ich denke, dass wir mit ihm einen sehr guten Mann verpflichtet haben“, glaubt Jungmann. Der frühere Jugend-Nationalspieler Pascal Noll kommt im Sommer vom West-Drittligisten TSV Bayer Dormagen, für den er in der Anfang Mai beendeten Runde in 30 Spielen 154 Tore erzielte. Sein Zweijahres-Vertrag gilt für die Zweite und Dritte Liga. „Ich halte viel von Jörg Bohrmann und sehe hier eine große persönliche Herausforderung, die mich weiterbringen kann“, meint der 21-jährige Automobilkaufmann in Ausbildung, der die Stadtgartenhalle bereits kennt: „Ich weiß, dass die Saarlouiser Fans ihrem Team immer den Rücken stärken. Da ich sehr gerne nah an den Fans bin, freue ich mich darauf.“

Philipp Kessler wird der neue Co-Trainer

In Saarlouis freut man sich auch auf ihn. „Pascal ist ein junger, sehr ehrgeiziger Spieler mit großem Potenzial. 2012 sind wir gemeinsam deutscher Jugendmeister geworden“, sagt HG-Trainer Jörg Bohrmann über Noll, den er bereits nach Dormagen lotste. Auch Philipp Kessler weiß: „Er wird uns verstärken.“ Trotzdem reißt Kesslers Rücktritt eine Lücke. „Ich brauche einfach eine neue Herausforderung, bei der ich mich weiterentwickeln kann“, sagt der 32-jährige Routinier, der seit fast 14 Jahren in der Zweiten oder Dritten Liga aktiv ist. Ihm ist wichtig, „zu einem Zeitpunkt abzutreten, zu dem ich auf hohem Niveau noch meine Leistung bringen kann“. Als Co-Trainer bleibt der Diplom-Sportlehrer dem Team künftig erhalten.

„Wir werden uns mit ihm im Rückraum sowohl qualitativ als auch quantitativ verbessern“, sagt Richard Jungmann über den ebenfalls feststehenden Neuzugang Falk Kolodziej. Der ist 23 Jahre alt, Spielmacher und kommt vom Bundesligisten HBW Balingen-Weilstetten, der ihn meist in der Zweiten Mannschaft in der Dritten Liga Süd einsetzte. Sein Vertrag gilt bis 2019. „Er ist menschlich ein ganz feiner Kerl und sportlich ein Kämpfertyp. Damit entspricht er unseren Vorstellungen und wird gut zur Mannschaft passen“, sagt Jungmann. Trainer Jörg Bohrmann lobt „seine große Spielintelligenz. Wir erhoffen uns einiges, auch wenn er noch jung ist“, sagt Bohrmann über den Bayer und Sohn des ehemaligen Erstliga-Profis Christoph Kolodziej.

Vater von Max Hartz ist der saarländische Rekord-Nationalspieler Jürgen Hartz. Hartz junior ist 19, kommt vom Drittligisten Zweibrücken und hat für ein Jahr unterschrieben. Ob er fest zum Zweitliga-Kader gehören wird oder zunächst in die Zweite Mannschaft rückt, entscheidet sich nach der Sommer-Vorbereitung. Die Verträge beider Neuzugänge gelten für beide Ligen.


Sebastian Zenner

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