Ein Verein weint
Ein Verein weint
5. Juni 2015

Der 1. FC Saarbrücken hat es nicht geschafft, muss ein weiteres Jahr in der Regionalliga spielen. Am Ende versagten im Elfmeter­schießen die Nerven. Das sportliche Fundament ist immerhin gelegt.

Wir werden uns sammeln und dann neu angreifen. Die Mannschaft hat Unterstützung verdient“, sagte FCS-Präsident Hartmut Ostermann und traf damit wohl auf Zustimmung aller Anhänger der Blau-Schwarzen. Während der „Chef“ ruhig und gefasst wirkend, auf dem Platz der Würzburger Arena Interviews gab, spielten sich in der anderen Ecke des Feldes ergreifende Szenen ab. Abgeschirmt von einer Polizeikette trauerten Spieler, Trainer, Betreuer und Offizielle des FCS vor dem Fan-Block. „Wir sind stolz auf unser Team“, tönte es tausendfach und lautstarke „Döringer, Döringer“-Rufe kamen auf, als der Mittelfeldspieler gestützt von seinen Team-Kollegen Max Rupp und Patrick Zoundi vor den Block geführt wurde. Der 24-Jährige wurde am vergangenen Sonntag zur tragischen Figur. Der FCS war für den Hessen die letzte Chance zur Rückkehr in den bezahlten Fußball, nachdem sein Vertrag in Wiesbaden ausgelaufen war. Nach eineinhalb Jahren Verletzungspause mit mehreren Operationen hatte sich „Döre“ wieder rangekämpft. Trainer Fuat Kilic nennt ihn gerne „meinen Krieger“, die Nummer sechs auf der Doppelsechs wurde Stammspieler und Führungsspieler, schonte weder sich noch Gegner. In Würzburg kassierte er früh eine Gelbe Karte, zog sich wieder einmal eine Platzwunde zu und schleppte sich von Krämpfen geplagt durch die Verlängerung.

„Krieger“ Döringer scheiterte vom Punkt

Als er als siebter Schütze am Elfmeterpunkt scheiterte, brach für ihn eine Welt zusammen. Von Weinkrämpfen geschüttelt wurde Döringer in die Kabine gebracht, eine halbe Stunde später waren die Tränen getrocknet, der Frust dennoch groß. „Ich wollte Verantwortung übernehmen, ich habe versagt. Es tut mir leid, für den Verein, für seine unglaublichen Fans. Ich bin leer, einfach total leer.“

1:0 hatte der FCS das Hinspiel verloren, das Rückspiel aber für sich entschieden. Felix Luz egalisierte das Resultat nach einer Stunde vom Elfmeterpunkt, ausgerechnet jener Luz, der gut eine Stunde später vom Punkt scheitern sollte. Da die Würzburger Kickers bereits einen Elfmeter verschossen und drei Saarbrücker getroffen hatten, hatte der FCS alle Trümpfe in der Hand. Doch Luz traf den Pfosten. „Ich übernehme die volle Verantwortung, ich bin für solche Situationen geholt worden. Ich habe es verbockt“, zeigte der 33-Jährige Größe. Zuvor hatte sich der ehemalige Bundesliga-Profi als Vorbild in die Schlacht geworfen, scheute keinen Zweikampf und wurde zum Leitwolf einer aufopferungsvoll kämpfenden Truppe. „Mir fehlen die Worte. Die Mannschaft hat alles gegeben, niemand kann ihr einen Vorwurf machen“, sagte Trainer Kilic.

Dennoch bedarf die abgelaufene Saison einer gründlichen Aufarbeitung. Das sportliche Fundament der Mannschaft steht.

Alle Leistungsträger besitzen Verträge für kommende Saison

Alle Leistungsträger besitzen – teilweise langfristige – Verträge, die Abwehr mit Torwart David Hohs und Abwehrchef Peter Chrappan steht, auch das defensive Mittelfeld mit Döringer und Kapitän Jan Fießer ist stark besetzt. Dennoch holperte sich das Team durch die Rückrunde und erreichte am Ende nur mit viel Glück den zweiten Platz, was vor allem daran lag, dass die spielerischen Darbietungen häufig zu wünschen übrigließen.

 Im Angriff erfüllte Matthew Taylor trotz 13 Saisontoren nach gutem Beginn die Erwartungen nicht, Felix Luz fiel mit einer Verletzung ein halbes Jahr aus. Als katastrophale Fehleinschätzung seitens des Trainerteams sollte sich der Umgang mit Patrick Schmidt herausstellen. Der 21-Jährige, der am Rande des Relegationshinspiels sagte, „dass ich wohl fünf oder sechs Kurzeinsätze bekommen hätte, wenn ich hier geblieben wäre“, entwickelte sich in Homburg zum Torjäger und wurde von Sportjournalisten zum „Spieler der Saison“ gewählt. Der als Nachfolger verpflichtete Rufat Dadashov ließ hingegen jede Regionalliga-Tauglichkeit vermissen. So befindet sich der Club seit geraumer Zeit auf Stürmersuche, zudem wird eine Alternative für das offensive Mittelfeld gesucht, weil sich bei Rückkehrer Sven Sökler Licht und Schatten abwechselten.  Möglich ist ebenfalls, dass Spieler, die noch unter Vertrag stehen, die Freigabe erhalten werden. Kandidaten hierfür sind neben Dadashov auch Patrick Zoundi, Max Rupp, Andre Mandt oder Steffen Schäfer. „Man muss uns jetzt ein paar Tage Zeit geben, und dann gehen wir die Planungen an“, sagte Kilic. Drei Wochen lang haben die Spieler des 1. FCS Saarbrücken nun Urlaub, bevor im letzten Juni-Drittel der Trainingsstart erfolgt.


Dominique Rossi

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