Mehr an Handball denken
Mehr an Handball denken
28. August 2015

Patrick Schulz gehört zu den Leistungsträgern beim Handball-Zweitligisten HG Saarlouis. Doch eine Woche vor dem Saisonstart richtet der Torwart mahnende Worte an seine Mitspieler. Eine Zittersaison soll es nicht wieder geben.

Patrick Schulz hütet bei Handball-Zweitligist HG Saarlouis seit Sommer 2014 das Tor. Damals kam er von Drittligist SG LVB Leipzig ins Saarland. Zuvor sammelte der 1,96 Meter lange gebürtige Magdeburger unter anderem beim SC Magdeburg und Eintracht Hildesheim Erstliga-Erfahrung. 2009 wurde er sogar mit der deutschen Jugend-Nationalmannschaft an der Seite der aktuellen A-Nationalspieler Patrick Groetzki (Rhein Neckar Löwen) und Patrick Wiencek (THW Kiel) in Ägypten Weltmeister. In der kommenden Saison, die am 15. August mit einem DHB-Pokal-Turnier in der heimischen Stadtgartenhalle begann, soll rechtzeitig der Klassenverbleib gesichert werden. Das erste Ligaspiel findet am 29. August ab 19.30 Uhr gegen den TV Emsdetten in Saarlouis statt.

Erstliga-Erfahrung
in Magdeburg und Hildesheim

„Wir haben von Beginn an richtig gut trainiert und gut Gas gegeben – vor allem im athletischen Bereich. Da hatten wir auch sehr viel aufzuholen“, sagt der Schlussmann. „Alle haben super mitgezogen und auch in den Handball-Einheiten herrscht eine gewisse Disziplin, die ich gut finde. Die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, gefällt mir im Moment auch sehr gut.“ Inhaltlich ging es in den Einheiten bisher vornehmlich um die Abwehrarbeit – auch, um den Torhütern das Leben leichter zu machen als noch in der letzten Saison. „Wir haben in vielen Spielen gegen Ende einfach zu viele Fehler gemacht. Auch wir Torhüter haben dabei nicht gut ausgesehen“, erinnert sich Schulz an die Rückrunde der Vorsaison, in der die HG teilweise deutliche Niederlagen kassierte: „Wenn wir weiterhin auf hohem Level spielen können, bereit sind, dem anderen zu helfen und viele Wege zu gehen, können wir die Basis legen, um viele Spiele zu gewinnen.“ Die gute Athletik macht sich bereits jetzt bemerkbar, was auch Auswirkungen auf die Spielweise der Mannschaft hat. „Lücken werden schneller geschlossen, es ist immer öfter eine helfende Hand da, wo man sie braucht. Ganz allgemein ist die Beweglichkeit in der Abwehr schon deutlich besser geworden“, erklärt Schulz, „Jeder weiß, was zu tun ist. Charakterlich haben wir dieses Jahr mehr Spieler, die unserem Spiel ihren Stempel aufdrücken wollen.“

Genau das passt zum Konzept des Trainers Heine Jensen, der die Qualitäten der unterschiedlichen Spieler effizient in seinen Spielplan einfließen lassen und sie herausstellen will, statt der Mannschaft ein System aufzudrücken. Auch die ruhige Art des neuen Manns an der Seitenlinie kommt an: „Wir brauchten einfach mal einen Tapetenwechsel“, meint Schulz: „Für einen Spieler ist es immer wichtig, neue Ansichten zu hören und neue Einflüsse zu bekommen. Nur so kann man sich auch selbst hinterfragen und weiterentwickeln.“

Wie viele andere Trainer auch legt Heine Jensen Wert auf eine gute Abwehrarbeit und schnelles Umschaltspiel. Davon sollen vor allem die Torhüter profitieren: „Wir werden versuchen, eine kompakte Abwehr hinzubekommen, um den Torhütern gute Bedingungen zu bieten. Durch Ballgewinne wollen wir dann schnelle Konter umsetzen. Das ist der Plan und ich habe auch schon auf Videos der letzten Saison gesehen, dass wir das Potenzial dazu haben“, sagt Jensen. Den Torwart freut’s – wobei er sich auch eine grundsätzliche Veränderung in so manchem HG-Kopf wünschen würde: „Ich bin der Meinung, dass sich alle Spieler noch ein bisschen mehr mit dem Thema Handball auseinandersetzen könnten. Bei einigen ist das durchaus zu kurz gekommen in letzter Zeit“, meint Patrick Schulz. Das Problem: Die meisten HG-Spieler sind keine Profis, sondern gehen arbeiten oder studieren. „Ich denke, dass wir dieses Jahr mit den Neuzugängen und den vielen jungen Leuten noch einmal anders aufgestellt sind. Ich hoffe, dass die Einstellung auch über den Saisonstart hinaus so bleibt und dass es sich dabei nicht nur um Anfangseuphorie handelt.“

Mithelfen, dass es so kommt, können vor allem die Neuzugänge. Ibai Meoki Etxebeste, Yann Polidore, Martin Murawski und Jerome Müller heizen das Training an: „Sie wollen sich in die Mannschaft spielen und geben richtig Gas. Ibai ist sehr spielintelligent und bringt eine gute Stimmung mit. Er ist sehr wissbegierig und spricht viel mit seinen Nebenleuten. Das finde ich sehr angenehm“, sagt Schulz, „Auch Yann ist nach seiner langen Verletzungspause im Moment zwar noch auf der Suche nach sich selbst, aber er ist auf einem guten Weg.“ Den jungen Jerome Müller, der zusammen mit Mannschaftskamerad Lars Weissgerber mit der deutschen U19-Nationalmannschaft an der WM in Russland teilnimmt, sieht er auch persönlich als echten Gewinn: „Er ist für sein Alter schon sehr weit, und er weiß, worum es geht. Ich hoffe, dass er so auch die anderen Jungen mit ins Boot holen kann.“ Linksaußen Martin Murawski war schon einmal Mannschaftskollege von Patrick Schulz: in der Saison 2012/2013 bei Eintracht Hildesheim. „Er ist jemand, der uns in der Abwehr auf der Seite eine ganz andere Stabilität bringt als letzte Saison. Er ist auch ein guter Schütze und Siebenmeterwerfer“, beschreibt Schulz seinen alten und neuen Mitspieler.

Ob die Mannschaft stärker ist als letztes Jahr, kann Torwart Schulz noch nicht einschätzen, weil die Mannschaft aufgrund unterschiedlicher Umstände noch nicht oft in voller Besetzung trainieren konnte. Neben den WM-Fahrern Müller und Weissgerber fehlten auch Rechtsaußen Philipp Leist (Auslandsaufenthalt), Michael Schulz (Schulterverletzung) und Philipp Kessler (Urlaub). „Ich habe aber das Gefühl, dass wir besser aufgestellt sind als letzte Saison. Sofern wir das System des Trainers verinnerlichen und natürlich wenn Nikos wieder zurückkommt“, sagt der 26-Jährige. Rückraumspieler Nikolaos Riganas erlitt am Saisonende einen Kreuzbandriss, wurde in seiner griechischen Heimat operiert und wird 2015 wohl kein Spiel mehr bestreiten können. Spätestens wenn es im Training darum geht, die Spielsysteme einzustudieren, sollten alle einsatzfähigen Spieler dabei sein.


 In den vergangenen Wochen legten die Saarlouiser Handballer Grundlagen an Kraft und Schnelligkeit für eine Saison, die wohl noch schwerer wird als die letzten beiden. Und da konnte sich die HG nur aufgrund wirtschaftlicher Probleme anderer Clubs in der Liga halten. „Gerade die vier Aufsteiger bringen sehr gute Qualität mit und natürlich auch die Absteiger aus der 1. Bundesliga. Erlangen und Minden sind meine absoluten Topfavoriten, und die werden nur wenige Punkte liegen lassen“, meint Patrick Schulz. „Dahinter wird es in einem breiten Mittelfeld eng werden. Für uns gilt es einfach, eine gewisse Konstanz zu entwickeln.“

Genau die fehlte dem Team in der letzten Spielzeit. Nicht selten folgten auf ein gutes Spiel zwei schwächere. Das muss sich ändern, will die HG im Unterhaus der „stärksten Liga der Welt“ bestehen. „Wenn wir konstanter werden sehe ich uns eigentlich gut genug, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben“, sagt Schulz und spricht seinen Mitspielern mit dem Folgenden aus der Seele: „Wir wollen Spiele gewinnen – auch mal drei, vier in Folge. Wir wollen dann auch wissen, wieso wir sie gewonnen haben. Und zwar nicht, weil der Gegner schlecht war. Wir wollen jedem Gegner unser Spiel aufdrücken.“ Gelingt der HG dies, wird man in Saarlouis erstmals seit drei Jahren wieder vorzeitig die Nichtabstiegs-Sektkorken knallen hören – und nicht erst nach einer Entscheidung am grünen Tisch.

Sebastian Zenner

 

 

INFO:
„Die Jungs haben gut gearbeitet und trainiert und teilweise auch schon ordentlich gespielt. Von daher bin ich recht zufrieden,“ sagt HGS-Trainer Heine Jensen kurz vor dem Ende der Vorbereitungsphase. „Aber wir müssen auch demütig bleiben, die Füße auf dem Boden behalten, denn wir wissen, dass vor uns noch ein langer Weg liegt. In jedem Fall aber freuen wir uns, dass es jetzt losgeht.“ Die HG startet übrigens eine Woche später als der Rest der Liga, weil das ursprünglich für den 22. August geplante Spiel in Rimpar auf den 16. September verlegt werden musste. Handball gibt es an diesem 22. August aber für Saarlouis doch: Die HGS bestreitet an diesem Tag nun ein weiteres Vorbereitungsspiel gegen den starken französischen Zweitligisten Mulhouse mit Ex-HGS-Kreisläufer Ingars Dude in seinen Reihen.

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