Wenn Tränen und  Schampus fließen
Wenn Tränen und Schampus fließen
16. Juni 2017

Die Rhein-Neckar Löwen feiern mit ihren Fans den zweiten Meistertitel der Vereinsgeschichte. Bei der großen Sause in Mannheim wird es einige Male sehr emotional. Einer ihrer besten Spieler dankt ab. Nicht nur deshalb dürfte die kommende Saison kompliziert werden.

Im Jubel über den erneuten Titel-Coup flossen bei den Rhein-Neckar Löwen immer wieder die Tränen. Viel Wehmut schwang mit, als der alte und neue Handball-Meister seinen Party-Marathon mit Schampus und Schale nach dem Saisonfinale in Mannheim fortsetzte. Zwar überwog die Freude über den zweiten Meistertitel der Vereinsgeschichte. Doch der Abschied von Rückraumstar Kim Ekdahl Du Rietz löste bei Fans, Mannschaftskollegen und Trainerteam gemischte Gefühle aus. Mit der Meister-Gala endete auch die Karriere des erst 27 Jahre alten Weltklassespielers. Weil er keine Lust mehr auf Handball hat. „Kim ist ein außergewöhnlicher Mensch“, sagte Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen gerührt nach dem abschließenden 33:28 gegen die MT Melsungen. „Ich respektiere seine Entscheidung, verstehen werde ich das nie.“

In seiner schwedischen Heimat will Ekdahl Du Rietz jetzt erst mal eine Auszeit nehmen, anschließend geht er wohl auf eine Weltreise. Von seinen Mitspielern wurde er im goldenen Konfettiregen der SAP Arena umarmt, geküsst und geherzt. Kapitän Andy Schmid benutzte die Meisterschale kurzerhand als Tablett und servierte dem Schweden eine Flasche Whiskey.

Roggisch warnt vor kommender Saison

Den Verlust des Rechtshänders werden die Löwen in der kommenden Spielzeit wohl kaum kompensieren können. Sie verlieren „einen der besten Halblinken der Welt“, wie ihr Sportlicher Leiter Oliver Roggisch sagte. „Das kannst du nicht mit einer Person ersetzen. Jeder einzelne Spieler muss daher mehr tun.“ Es war schon eine kleine Überraschung, dass den Badenern mit Ekdahl Du Rietz die Titelverteidigung geglückt ist. Rekord-Champion THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt verfügen über ein deutlich größeres Budget als die Mannheimer. Kiel aber offenbarte die ganze Saison über immer wieder überraschende Schwächen. Flensburg versagten im Endspurt des Meisterschaftsrennens die Nerven. Die Löwen nutzten das aus. Schon am 31. Mai hatten sie mit einem deutlichen 28:19-Erfolg gegen den THW den Titel perfekt gemacht. Roggisch warnte aber bereits vor der kommenden Spielzeit. „Wenn wir da oben bleiben wollen, müssen wir aufpassen. Und wir müssen uns gezielt verstärken“, sagte der Weltmeister von 2007. „Wir haben keine Sorge, aber wir sehen einfach, dass andere Vereine sich entwickeln. So, wie wir das auch getan haben.“ Erst seit 2005 spielen die Löwen durchgehend in der Bundesliga. Die beiden Meistertitel sind die größten Erfolge des Clubs. Kluge Transfers brachten die Badener über die Jahre Stück für Stück auf Augenhöhe mit den Spitzenteams aus dem Norden. So wie die von Ekdahl Du Rietz oder Kapitän Schmid, der zum vierten Mal infolge als bester Bundesliga-Spieler ausgezeichnet wurde. Mit einer erneuten Schwächephase der Kieler in der kommenden Saison rechnet kaum jemand. Auch Melsungen dürfte dank zahlreicher Top-Transfers erstmals um den Titel mitspielen. Bis auf Roggisch verschwendete jedoch kaum ein Löwen-Akteur am Wochenende irgendwelche Gedanken daran. Es blieb auch nicht viel Zeit. Nach dem Empfang durch die Stadt folgte am Sonntag die Meisterfeier.


Nils Bastek

 

 

INFO: Füchse siegen zum Abschied
Der 32:28-Auswärtssieg am letzten Spieltag beim SC DHfK Leipzig war für die Füchse Berlin ein guter Abschluss: Manager Bob Hanning sprach angesichts der gewonnenen Klub-WM, dem Einzug ins EHF-Pokalfinale und der erneuten Europapokal-Qualifikation gegenüber der „Berliner Zeitung“ geradezu überschwänglich von einer „herausragenden“ Spielzeit.
Kleiner Makel allerdings bleibt die Saison-Abschlussphase. Am Ende habe leider die Kraft gefehlt, „um die Saison vollkommen zu machen“, sagte Hanning. Das unnötig verlorene EHF-Cup-Finale gegen Göppingen und die verpasste Chance, den THW Kiel noch von Rang drei zu verdrängen und sich für die Champions League zu qualifizieren, sei bitter, aber nun nicht mehr zu ändern. „Wir sind noch nicht so weit, wie viele vielleicht schon gedacht haben“, erklärte Trainer Velimir Petkovic, der im Dezember von Erlingur Richardsson übernommen hatte und mit der Entwicklung des Teams generell sehr zufrieden ist. „Uns fehlt einfach ein bisschen die Erfahrung“, sieht Petkovic als Hauptgrund, warum die Füchse doch noch ein bisschen hinter den Spitzenteams in der Bundesliga wie Meister Rhein-Neckar Löwen, die SG Flensburg-Handewitt sowie dem THW Kiel etwas hinterherhinkt. Ausdrücklich erwähnte der Trainer die beiden Jung-Nationalspieler Paul Drux und Fabian Wiede. „Beide sind noch nicht am Ende der Entwicklung.“. Auch Hanning glaubt, dass die beiden Jungstars „noch besser werden“. Beide waren allerdings auch von Verletzungsproblemen gebeutelt. „Grundsätzlich können wir nur auf die Champions League hoffen, wenn eine der drei Top-Mannschaften schwächelt“, sagte Hanning dem „Tagesspiegel“. Genau dies traf in dieser Saison allerdings auf den THW Kiel zu: Die runderneuerte Mannschaft von Trainer Alfred Gislason hatte große Probleme. Aber trotz zahlreicher Gelegenheiten waren die Füchse jedoch nicht in der Lage, aus der Schwäche des Rekordmeisters Kapital zu schlagen – auch in den direkten Duellen gab es klare Niederlagen. „In solchen Situationen müssen wir in Zukunft zur Stelle sein“, forderte Hanning, gegenüber dem „Tagesspiegel“.

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