„Überretuschierte Bilder sind nicht zeitgemäß“
„Überretuschierte Bilder sind nicht zeitgemäß“
4. August 2017

Denise Krentz lässt in ihrem Fotostudio atemberaubende Werbe-, Beauty- und Fashion-Aufnahmen entstehen. Im Interview spricht sie über ihre Anfänge, ihr Equipment, das Shooting mit Katy Perry und neue Projekte.

Frau Krentz, wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Es war zunächst mein Wunsch, Illustratorin zu werden. Ich arbeitete tagsüber in einer Werbeagentur als Praktikantin und war ab und an Model für kleinere Werbejobs. An meinen freien Wochenenden durfte ich einem künstlerisch ambitionierten Fotografen assistieren, was mein Interesse an der Fotografie geweckt hat.

Ihre Fotos sind höchst professionell. Wie haben Sie das fotografische Know-how erlernt?

Ich besuchte einige Jahre die Fachhochschule für Foto- und Filmdesign in Dortmund, habe in dieser Zeit jedoch schon praktisch gearbeitet und letztlich den Weg über das Fotografenhandwerk genommen.

Welche waren Ihre ersten Aufträge?

Meine ersten Aufträge waren Testimonials, Anzeigenkampagnen für den Sparkassenverband, Personality-Aufnahmen für Vorstände und Geschäftsführer. Aufgaben, die ich auch heute noch gerne übernehme.

Sie fotografieren unter anderem Kampagnen für Fernsehsender und international renommierte Marken, darunter etwa Chanel, Babor oder auch Automobil-Hersteller wie Fiat. Wie gestaltete sich Ihr Weg dorthin?

Mein Weg ging von der Werbung zur Mode und schließlich auch zur Kosmetik. Seit 1996 arbeite ich mit meinem Mann Ulf Krentz gemeinsam. Wir wurden schnell weiterempfohlen, gewannen das Vertrauen unserer Kunden und bekamen stets neue Aufträge. Weitere Kontakte kamen über einen Repräsentanten in München, der uns aufgebaut hat.

Mit welchem Equipment fotografieren Sie?

Wir sind technisch sehr breit aufgestellt und das eingesetzte Equipment richtet sich nach den Anforderungen des Jobs. Generell arbeiten wir gerne im digitalen Mittelformat (Hasselblad und Mamiya), ab und an auch mit einer KB DSLR und mittlerweile auch für stehende Bilder öfter mal mit einer RED-Filmkamera, dann kommt natürlich jeweils noch das Licht dazu, das heißt, Studioblitzanlage und HMI-Tageslichtsysteme.

Wie viel Zeit nimmt die Bearbeitung eines Beauty-Fotos ungefähr in Anspruch? Verändern Sie bei der Bearbeitung sehr viel?

Licht und Make-up sollten schon so perfekt sein, dass die Haut an sich strahlt. Wir versuchen also, möglichst viel des Looks schon bei der Aufnahme zu erzielen. Überretuschierte Bilder sind nicht zeitgemäß, deshalb halten wir uns eher zurück.

Fotografieren Sie die meisten Aufnahmen im Fotostudio oder entsteht auch viel outdoor?

Wir arbeiten sehr gerne outdoor. Oftmals wird aber das Studio vom Kunden vorgezogen. Deutschland ist nicht sehr wetterbeständig.

Sie haben unter anderem schon Katy Perry fotografiert. Kam sie zu Ihnen ins Studio?

Katy Perry haben wir in der BMW Welt in München fotografiert, das war eine Charity-Aktion von Pro7, der Red Nose Day.

Konnten Sie selbst auch ein paar Worte mit ihr wechseln?

Ja, natürlich unterhält man sich mit seinem Gegenüber. Katy Perry ist absolut professionell. Sie war nach einem ausgedehnten Filmdreh für Pro7 sofort wieder voll präsent und hat später noch alle Karten persönlich unterschrieben. Sie ist eine sehr disziplinierte und sehr angenehme Frau.

Wie muss ein Bild sein, damit Sie zufrieden sind?

In der Werbung muss ein Bild funktionieren und sein Ziel erreichen. Für mich ist der Ausdruck des Menschen wichtig, der vor meiner Kamera steht. Ich mag keine „Fassade“ und suche die Persönlichkeit.

Haben Sie ein Faible für spezielle Model-Typen, Farben oder Details?

Nein, nicht wirklich. Ein Model muss für mich aber Ausdruck im Gesicht haben. Egal ob jung oder alt, ich liebe es, mich mit Menschen zu unterhalten und verborgene Seiten zu entdecken.

Suchen Sie die Make-up-Artisten, die die Models schminken, selbst aus? Lassen Sie ihnen freie Hand oder sagen Sie ihnen genau, wie das Make-up sein soll, damit es zum Foto passt?

Der Make-up-Artist ist für mich extrem wichtig, das sind Künstler und ich achte darauf, ihre Kreativität nicht zu beschneiden. Es ist ein sehr kleiner Kreis und wir kennen uns schon viele Jahre. Natürlich fließen Vorstellungen ein, es ist aber ein sich entwickelnder Prozess, nur so werden außergewöhnliche Ergebnisse erreicht. Es gibt aber auch Produktionen, bei denen es sehr genaue Angaben gibt. Diese werden von den Produktmanagern gemeinsam mit den Artisten erarbeitet.

Arbeiten Sie immer im Team?

Ja, ich arbeite mit meinem Mann gemeinsam. Er ist für Licht und Technik zuständig. Als Stilllifer beherrscht er diesen Bereich, es gibt bei uns eigens entwickelte Beleuchtungskörper sowie auch angefertigte Lichtkonzepte. In unserem Team hat der Kunde so den Vorteil, dass Technik und Kreativität jeweils die volle Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Welche waren Ihre außerge­wöhnlichsten Shootings?

Ach, das ist schwer zu sagen, die Tiere für Galeria Kaufhof waren zum Teil sehr beeindruckend, aber das Schöne an unserem Beruf ist ja gerade die Abwechslung, irgendwie ist jedes Shooting besonders.

Haben Sie schon einmal Aufträge abgelehnt? Wenn ja: Welche waren das?

Bevor ich mit meinem Mann gearbeitet hatte, habe ich es abgelehnt, Stills (Standbilder eines unbewegten Motivs – Anmerkung der Redaktion) zu fotografieren. Das war nicht mein Thema und ist es auch heute noch nicht. Ich bin froh, dass dieser Bereich von ihm und unseren Mitarbeitern übernommen wird. Sie machen es fantastisch.

Gibt es ein Wunschmodel oder eine/n bestimmte MusikerIn/SchauspielerIn, die/den Sie gerne einmal fotografieren möchten? Wie würden Sie sie/ihn in Szene setzen?

Für mich gibt es keinen Unterschied, ob jemand prominent ist oder nicht. Ich freue mich, wenn wir unsere Ideen umsetzen können und es Spaß macht, mit den Menschen zu arbeiten, die man fotografiert. Es ist schön, wenn man sich gerne an die Produktionstage und das Team erinnert.

Welche Projekte und Shootings stehen bei Krentz Photography an?

Wir arbeiten daran, unseren Filmbereich auszubauen. Das ist ein tolles Medium in das wir viel Engagement stecken, so freuen wir uns über jedes neue Projekt in diesem Bereich. Mir gefällt die Teamarbeit im Film und ich liebe die zusätzlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Mit der jetzigen Technik entnehmen wir bereits Standbilder in absolut druckfähiger Auflösung, eine neue, vollkommen angenehme Arbeitsweise, die noch vor Kurzem unmöglich erschien.

Interview: Kristina Scherer-Siegwarth



Weitere Infos und Impressionen:

www.krentzphotography.com/beauty

und www.krentzphotography.com/fashion



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