50er-Jahre-Look: Zurück zu mehr Glamour
50er-Jahre-Look: Zurück zu mehr Glamour
8. August 2014

Wer einen Frauenkörper in die Luft malt, zeichnet meist eine Sanduhr. Oben etwas breiter, an der Taille schmal und ab den Hüften wird es wieder weiter. Genau diese Figur formt ein Rock wie kein anderer: der weit abstehende Glockenrock. Er erlebt gerade sein Comeback.

Enges Oberteil, betonte Taille und ein tellerförmiger, schwingender Rock: Mit seinem „New Look“ hat Modedesigner Christian Dior in der Nachkriegszeit ein völlig neues Bild von Weiblichkeit kreiert. Der bis dato konservativen Kleidung setzte er verführerische Outfits entgegen, die die Kurven der Frau in Szene setzten. Der Glockenrock stand im Zentrum dieses neuen Looks. An der Taille eng geschnitten und nach unten hin weit abfallend, um bei jeder Bewegung verführerisch zu schwingen.

Der Saum sollte das Knie umspielen

Der Saum rutschte mit den Jahren peu à peu nach oben – von der Wadenmitte kurz unter und schließlich knapp über das Knie. Schauspielerin Audrey Hepburn trug das Modell in dem Hollywood-Film „Ein Herz und eine Krone“ im Jahr 1953. Auch die Stilikonen Marilyn Monroe, Grace Kelly und Sophia Loren verdrehten der Männerwelt mit dem weit schwingenden Kleidungsstück die Köpfe.

Doch plötzlich verschwand der Glockenrock aus den Schaufenstern der Modegeschäfte. Die Frauen trugen fortan casual. Statt verspielter Röcke wurde zu Jeans oder Hosenanzügen gegriffen. „Wenn überhaupt, dann wurden Kleider getragen“, erklärt Nina Peter vom Deutschen Mode-Institut (DMI). Dem kurzen Verwandten wurde indes kaum Beachtung zu Teil – weder von den potenziellen Käuferinnen noch von den Designern. Doch nun ist der Glockenrock wieder auf nahezu jeder Modenschau zu sehen, in unterschiedlichsten Farben und Schnitten.

„Keine Rockform wird derzeit so viel besprochen“, sagt Peter. Sie hat beobachtet, dass in den vergangenen zwei Jahren sich die Mode wieder mehr in Richtung Weiblichkeit entwickelt hat. Der Glamour der 50er-Jahre ist zurück – und das zu Recht, findet Peter: „Der große Vorteil des Glockenrocks ist, dass er einfach jeder Figur schmeicheln kann. Etwas dickere Oberschenkel werden perfekt kaschiert.“ Die Betonung liegt dabei jedoch auf dem kleinen Wörtchen „kann“.

Denn dazu muss der Glockenrock richtig kombiniert werden, und zwar mit einem figurbetonten Oberteil wie einem ärmellosen Shirt oder einer Bluse und darüber einem Blazer. Wer oben herum etwas Weites trägt, wirke eher wie ein unförmiger Kleiderhaufen. „Wichtig ist auch, dass der Rock taillenhoch, nicht hüfthoch getragen wird“, erklärt die Modeexpertin. „Das macht eine schmale Figur“.

Ein Gürtel, der über dem Bund sitzt, betont die Taille zusätzlich. „Alle Kleidungsstücke müssen über dieser Linie enden“, erläutert die Einkaufsberaterin Anette Helbig aus Hannover. Jacken und Blazer sollten also kurz gewählt werden, das Oberteil wird in den Rock gesteckt.

Auch bei der Länge sollten modebewusste Frauen aufpassen: „Von Röcken, die bis zur Wade oder gar zum Boden reichen, rate ich eher ab“, erklärt Peter. „Denn die meisten Frauen wirken dadurch deutlich kleiner als sie tatsächlich sind.“ Nur wer groß und sehr schlank sei, sollte zu den langen Varianten greifen. Knielange Glockenröcke schmeicheln hingegen jeder Frau. „Wer schöne Knie hat, kann gerne einen kurzen Rock wählen.“

Aber die wirklich sehr kurzen Röcke sind nichts für jeden. „Diese Längen sind eher für die junge Zielgruppe gedacht“, sagt Stephanie Zarnic, Personal Shopperin aus München. Allen anderen und insbesondere Geschäftsfrauen empfiehlt sie ein paar Zentimeter mehr Stoff. „Wird das Knie von Stoff umspielt, sieht das einfach sehr elegant und feminin aus“, findet Zarnic.

Mindestens genauso wichtig wie die richtige Länge des Glockenrocks ist das dazu passende Paar Schuhe. „Klassisch werden Ballerinas getragen – so, wie es Audrey Hepburn Anfang der 50er vorgemacht hat“, erklärt Zarnic. Weil der glockenförmige Rock die Beine jedoch optisch kürzer wirken lässt, rät die Expertin ihren Kundinnen grundsätzlich zu hohen Schuhen. „Sehr gut passen High Heels“, findet sie. „Auf jeden Fall muss der Schuh schmal sein, sonst wirkt der Fuß gegenüber der schmalen Taille derb.“

Die Auswahl an Stoffen, Farben und Mustern ist in diesem Sommer sehr breit. „Für die etwas jüngere Zielgruppe gibt es tolle Kreationen mit Streifen, Blumendruck oder Pünktchen sowie Spitze am Saum“, berichtet Helbig. Es finden sich sogar Modelle aus Tüll, die mit floralen Mustern aus Spitze verziert wurden. Hierzu passen etwa feine, weiße Oberteile. Etwas älteren Frauen rät die Einkaufsberaterin zu den ruhigeren einfarbigen Glockenröcken aus etwas dickerem Stoff. Diese passten grundsätzlich auch hervorragend ins Büro.

Jana Illhardt



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