Auf dem Mode-Olymp
Auf dem Mode-Olymp
10. März 2017

Sich zu wehren, lohnt nicht mehr, auch Liebhaber schicker Fußbegleiter müssen es einsehen – der schon längst salonfähige Sneaker wird in diesem Jahr für Frauen wie Männer endgültig zum Mode-Highlight. Genau: Ein Turnschuh ist der Trendschuh der Saison.

Selten sind sich die Modeexperten so einig, wenn es darum geht, den Haupttrend für die nächste Saison zu benennen. Denn bei der Schuhmode für Frühjahr und Sommer kommt niemand um den Sneaker herum. „Im Schuhbereich bleibt der Sneaker Nummer eins – und zwar unisex“, schreibt das Deutsche Mode-Institut in seinem Trendbericht für den Sommer. Und das, obwohl mancher Experte den stetigen Aufstieg seit einigen Saisons schon am Ende sah. Doch: „Der Sneaker passt perfekt zum aktuellen Leger-Trend. Alle wollen sportlich aussehen, sich verjüngen“, erklärt Claudia Schulz vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie. Weitere Gründe für den Hype:

1. passt zu Allem

Die klassischen Sportmarken feiern ein Comeback. „Die Werbekampagnen erheben den Sneaker zum Must-have“, berichtet Schulz. Dabei wird er nicht mehr nur mit sportlicher Kleidung kombiniert, sondern in jedes Outfit integriert. Für Frauen heißt das etwa: „Er passt zum Sweatshirt und Plisseerock oder aber zur Seidenbluse.“ Es gibt unzählige Kombinationsmöglichkeiten. Ein paar Tipps sollten dennoch beachtet werden: „Wer eine filigrane Figur hat, sollte darauf achten, dass der Schuh nicht zu klobig ausfällt“, rät Ines Meyrose, Modeberaterin aus Hamburg. Dann seien weniger derbe Modelle vorteilhaft. „Es empfiehlt sich auch, etwas Volumen ins Outfit zu bringen, etwa durch einen Rock oder ein weiter geschnittenes Oberteil.“

2. neu interpretiert

Neu ist, dass der Sneaker vielfältiger geworden ist als bisher. Zum einen greifen die Designer allgemeine Trends auch für die Schuhe auf. „Naturmaterialien halten Einzug, etwa mit Kork als Obermaterial“, sagt Kristina Caspary-Gallus vom Verband der deutschen Mode- und Textildesigner. Auch der Jeans-Trend spiegele sich im Sneaker, „vor allem in Form von Denim-Einsätzen“, ergänzt Schulz. Und die Branchensprecherin prophezeit: „Wir werden ihn in vielen Abwandlungen sehen. Es gibt ihn mit Klettverschluss, elastischen Senkeln oder als Slip-on“ – Hauptsache bequem, funktional in der Handhabung und mit weichem Material. Ein Hingucker sind Modelle mit hochgezogener Lasche: „Sie reicht etwas über den Rist und lässt das Bein dadurch schlanker erscheinen, was besonders für Frauen mit kräftigeren Beinen ideal ist“, erklärt Caspary-Gallus.

Neben den klassischen sportiven Modellen mit Neopren- und Mesh-Einsätzen füllen sogenannte Hybride die Regale der Schuhläden. „Sie sehen oben etwa aus wie Budapester, haben aber eine typische Sneaker-Sohle“, erklärt Schulz. Andere Modelle haben eine dicke Plateausohle mit tiefen Rillen oder Sägezahn-Profil. „Solche voluminösen Sohlen aus leichtem Material sind ein großes Thema“, sagt Meyrose. Meist sind sie in hellen Farben gehalten. „Das verkörpert die Leichtigkeit des Sommers.“ Bei anderen Varianten seien sie wie der restliche Schuh eingefärbt. Denn auch das zeichnet die neuen Sneaker aus: Sie sind minimalistischer gestaltet als bislang.

3. Metallic und mit Applikationen

Doch nicht alle Sneakermodelle sind deswegen auch unbedingt dezenter gehalten. So bleibt laut Caspary-Gallus ein Trend zu Metallic-Effekten bestehen. Während jedoch im vergangenen Jahr dunkle, matte Töne angesagt waren, glänzen nun die Oberflächen in Silber oder Gold. Und Schulz berichtet von „lauten Farben“ wie einem knalligen Gelb oder einem glänzenden Blau. Dabei handle es sich zumeist um monochrome Modelle mit gleichfarbiger Sohle. Ein Hingucker darunter sind etwa komplett silberne Sneaker. „Ich empfehle, die Metallfarbe des Schuhs im Outfit noch einmal aufzunehmen, etwa durch Schmuck oder Nieten am Gürtel“, sagt Modeberaterin Meyrose. Idealerweise passe dazu eine Jeans mit starker Waschung und ein legeres Hemd. Auch Pastelltöne kann sich die Expertin in der Kombination gut vorstellen. Als Kontrast dazu gibt es Sneaker im Camouflage-Muster, gerne kombiniert mit pinkfarbenen Applikationen. Und wer etwas Individuelleres sucht? So mancher Sneaker sieht aus, als hätte man ihn selbst mit Patches verziert, beispielsweise mit Smileys oder Kussmündern.

Jana Illhardt



Slipper und Mokassins – Die trendigen Alternativen für den Mann

Die Männermode wird auch bei den Schuhen legerer – und das liegt nicht allein an den angesagten Sneakern. Auch Slipper und Mokassins haben Anteil daran. Sie sind die trendigen Alternativen für den Mann im Sommer 2017.

Wer bei der Arbeit Anzug trägt und voll im Trend liegen möchte, sollte Schuhe im italienischen Style dazu kombinieren. „Sie haben verschlankte Leisten, sind aus poliertem, meist cognacfarbenem Brushleder gefertigt und an der Ferse sowie der Spitze gefinisht“, beschreibt Claudia Schulz vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie in Berlin. Statt Veloursleder ist an solchen Modellen oft feines, gebürstetes Nubuk verarbeitet worden.

Und sollen es mal komplett geschlossene Schuhe sein, greift der trendbewusste Mann im Sommer nach Ansicht der Experten zu Desert Boots mit heller Sohle und farbigen Schnürsenkeln. „Die gehen sowohl zum modernen Anzug, zur Chino oder zur Jeans“, sagt die Modeberaterin Ines Meyrose aus Hamburg.

Experten prophezeien außerdem eine Entwicklung zu auffälligeren Farben. Wenngleich sie etwas zurückhaltender ausfallen als die Modelle für Frauen. Aber Branchensprecherin Schulz verrät nach einem Blick in die neuen Kollektionen: „Es gibt einen Trend zu roten Schuhen, beispielsweise Budapester aus Velours oder Bootsschuhe aus Rauleder.“



Alternativen für die Frau

Es gibt natürlich auch einen Schuhmarkt neben den Sneakern. Und dort gelten laut dem Deutschen Mode­institut für Frauen flache, spitze Mules und Babouches als die Trendschuhe für Frauen.

Bei letzteren handelt es sich ursprünglich um einen im marokkanischen Stil gehaltenen Schuh mit dünner Sohle, offenem Fersenbereich und spitzer Kappe, gefertigt aus knallbuntem Leder oder Filz. Vor allem sieht man aber moderne Abwandlungen im Handel, etwa Hybriden in der Optik von schicken Halbschuhen.

„Sie sind flach und bequem und passen damit genau zum Zeitgeist“, erklärt Kristina Caspary-Gallus vom Verband der deutschen Mode- und Textildesigner den Trend. Der Mule ist die schicke Variante des trendigen Schlupfschuhs. Er läuft wie der Babouche spitz zu, hat aber einen Block- oder Pfennigabsatz.

Für das Frühjahr erwartet Claudia Schulz vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie, dass Frauen wieder gerne zum Loafer greifen. Diesen Halbschuh zum Reinschlüpfen mit Absatz werde es ebenfalls in neuen Interpretationen geben, „in Richtung College-Stil“. Und die ganze Schuhmode für Frauen ist geprägt von stärkeren Farben. „Während wir im Winter noch viele pastellige Töne hatten, wird es nun fröhlich“, sagt Caspary-Gallus.








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