Ein Hybrid namens Drouser
Ein Hybrid namens Drouser
9. Juni 2017

Was früher ziemlich uncool als „Kleid über Hose“ bezeichnet wurde, wird diesen Sommer unter dem neuen Kunstnamen wahrscheinlich einer der wichtigsten Trends in der Damenmode werden.

So lange es für einen vermeintlichen Trend keinen griffigen Namen gibt, wird er als solcher auch gar nicht richtig wahrgenommen. Das zeigt aktuell wieder das Beispiel „Drouser“. „Was zum Teufel ist oder sind Drouser?“ könnte frau sich da natürlich sogleich fragen. Und beim Googeln im besten Fall auf die Modekolumne der „Süddeutschen Zeitung“ vom Februar 2017 verwiesen werden, wo in Kurzform alles Wissenswerte über den Hybriden aus „Dress“ und „Trouser“, sprich Kleid über Hose, berichtet wird.

Ein cooler Name befördert den nicht mehr neuen Trend

Als hingegen schon im Herbst 2015 sogar mal die „Bild“-Zeitung darauf hingewiesen hatte, dass Promis wie Rihanna oder Rita Ora, Star-Bloggerinnen wie Sara Donaldson und Streetstyle-Ikonen wie Veronika Heilbrunner oder Top-Stylistinnen wie Pip Edwards den zuletzt in den 1990er-Jahren gesehenen, gewohnungsbedürftigen Look, damals bestehend aus luftigen Sommerkleidchen über meist weiten Hosen, als Alternative zu den gängigen Leggings unterm Dress, öffentlich getragen hatten, wurde das als neue Fashion-Idee kaum zur Kenntnis genommen. Auch wenn Gwen Stefani oder Björk dieses Outfit bereits in den 90ern zu ihrem Markenzeichen gemacht hatten. Als das Magazin „Elle“ ein Jahr später im Herbst 2016 seinen Leserinnen das gleiche Thema als Outfit-Empfehlung hatte nahebringen wollen, hatte das immer noch niemanden brennend interessiert. Obwohl die empfohlene Kombi von Bluejeans, schwarzen Skinny-Jeans oder Schlaghosen zu süßen Sommerkleidern mit Hilfe von schönen Bildern durchaus animierend präsentiert worden war.

Aber „Kleid über Hose“, das hörte sich halt wenig fashionable sondern eher dröge an. Zumal früher halb Asien dies als Alltagsrobe trug. Dass die Redakteurinnen von „Cosmopolitan“ oder „Elle“ noch im Februar 2017 nicht mit dem bereits kreierten Zauberwort „Drouser“ hantierten, sondern immer noch von „Dress over Pants“ beziehungsweise „Kleid über Hose“ geschrieben hatten, spricht nicht gerade für ihre Trendfühligkeit. Auch wenn die „Elle“ diese spezielle Kleiderkomposition als den „wichtigsten Streetstyle-Trend von der London Fashion Week“ bezeichnet hatte.

Und nicht nur, weil Drousers auch auf den internationalen Catwalks für die Sommersaison 2017 zu sehen waren. Und zwar nicht bei irgendeinem Label, sondern auch bei Karl Lagerfelds meinungsbildender Luxus-Brand Chanel. Und keine Geringere als Emma Stone ließ sich anlässlich ihrer Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin für „La La Land“ bei den British Academy Film Awards im Februar genau mit diesem Chanel-Ensemble aus Schwarz mit funkelndem Silber und floralen Mustern ablichten.

Ein geeigneter Look für „Normalos“ bei Hochzeitsfeiern

„Aufgeweckte Red-Carpet-Follower“, so die „Süddeutsche Zeitung“, werden jetzt eilig anmerken, dass sowohl Model Gigi Hadid wie auch Schauspielerin Emma Watson schon früher – Watson sogar immer wieder im Hosen-Kleid-Mix – gesehen wurden, diese Variante also mitnichten ganz neu im Showbusiness sei. Um mit einem passenden Zwitterwort zu antworten: Jein. Natürlich gab es diese Kombination schon, wie mittlerweile alles in der Mode… Aber da hieß das Ganze noch lange nicht Drouser. Und ohne griffigen Namen, kein griffiger Trend. Hätte nicht irgendwer das Wort Jeggings erfunden, uns wäre vermutlich viel erspart geblieben. Jedenfalls können jetzt eigentlich sämtliche Stylistinnen, die für ihre Schützlinge bereits eine pinkfarbene oder durchsichtige Cut-Out-Robe bestellt hatten, noch einmal von vorn anfangen. Ab jetzt ist der oder das Drouser der absolute Favorit bei den Oscars. Zumal Drouser, so ein weiteres Argument der „Süddeutschen“, von Promi-Damen, besonders aus den USA, sicherlich derzeit auch gerne als politisches Statement gegen Donald Trump und dessen Frauenbild eingesetzt werden. Schließlich möchte der US-Präsident Ladys am liebsten ausschließlich in femininen Röcken und Kleidern sehen. Drousers seien daher so etwas wie ein „hypridangetriebener Protestlook“, der noch getoppt werden könne durch die „Spoilervariante, Rock an Hose“.

Während Drousers bei Chanel nur ein Eyecatcher sind, bilden sie bei Elie Saab gewissermaßen das Herzstück der gesamten Sommerkollektion. Sie wurden komplett neu interpretiert in Richtung einer zeitgemäßen Ball-Robe. Wobei im Zigaretten-Stil geschnittene Hosen mit Satin-Kleidern zusammengefügt wurden. Was sie nicht nur zu Red-Carpet-Favoriten, sondern auch zur idealen Klamotte für glamouröse Hochzeitsbesucherinnen machen dürfte. Valentino präferiert in Sachen Drousers hingegen bodenlange Hemdkleider zu beinweiten Plissee-Hosen. Auch auf den Laufstegen von Jill Stuart, Osman oder Ellery war der neue Trend ausgiebig zu bestaunen. Das dürfte manchen Promi-Ladys garantiert gefallen, beispielsweise Gigi Hadid, die jüngst in Versace-Drousers gesichtet wurde, Dakota Johnson, die sich in einem Gucci-Ensemble gezeigt hatte, oder Kendall Jenner, die sich in Kleid-Hose von Givenchy gehüllt hatte.

Achtung: Könnte sein, dass demnächst durch geschickte Wortkreationen weitere interessante Fashion-Trends auftauchen werden. Wie wäre es beispielsweise mit „Smogging“? Genau, Smoking-Jacke über Jogginghose…

Peter Lempert


Merken

Merken

Bild der Woche