Automatisch gut?
Automatisch gut?
9. Juni 2017

Der Dacia Duster kommt jetzt mit Schaltautomatik. Besonders günstig ist er damit nicht. Ob er trotzdem noch preiswert ist, klärt der Test des Duster dCi 110 EDC.

So manche Experten hatten dem Dacia Duster zum Marktantritt 2010 einen Schiffbruch vorausgesagt. Geiz ist geil – dieser Trend schien gerade abzuebben, als die Renault-Tochter mit dem billigsten SUV für Deutschland warb. In einem Segment, das damals noch etwas exklusiver war als heute. Aber: Quasi aus dem Stand kam der Duster in Deutschland auf 11.500 Verkäufe in den ersten Monaten. Seit 2011 gewann er zudem vier Mal in Folge die Auszeichnung des wertbeständigsten Autos seiner Klasse, die Eurotax Schwacke und die Fachzeitung „Autobild“ jährlich vergeben. Auch in anderen Ländern ist der Duster durchgestartet. Weltweit hat Dacia seit 2010 mehr als zwei Millionen der Autos verkauft.

Frontantrieb oder Allrad, Benziner oder Diesel, Magerkost oder Topausstattung – alles war bislang verfügbar. Nur etwas hat gefehlt: ein Automatikgetriebe. Das Warten hat ein Ende, wenn auch vorerst nur für Dieselkäufer. Den Fronttriebler Dacia dCi 110 4x2 gibt es jetzt mit dem aus diversen Renault-Modellen bekannten Sechs-Gang-Automaten EDC. Letzteres steht für „Efficient Dual Clutch“, ein Doppelkupplungsgetriebe also. Testkandidat war ein damit ausgestatteter Duster in gehobener „Prestige“-Aufmachung. Ausstattungsbereinigt errechnet sich der Aufpreis fürs EDC-Getriebe damit auf 1.300 Euro. Das ist günstig. Nicht mehr ganz so günstig, aber immer noch preiswert, erscheint das Gesamtpaket. Inklusive Klimaanlage, Lederpolsterung, Tempomat, Festeinbaunavi, Multimediasystem mit USB, Aux- und Bluetooth-Anbindung kostet dieser Dacia 17.950 Euro. Weitere Extras sind rar, dafür bezahlbar. Sitzheizung vorne (150 Euro), Einparkhilfe hinten mit Rückfahrkamera (350 Euro) oder Navigationskarten für Westeuropa (50 Euro) sind Beispiele.

Ordentliches Fahrverhalten

Schon nach wenigen Kilometern zeigt sich, dass Schaltbox und Maschine gut miteinander harmonieren. Klar, die knapp 110 PS des 1,5 Liters aus dem Renault-Regal sind nicht atemberaubend und das Drehmoment von 250 Newtonmeter nicht brachial. Allerdings wird der Zenit schon bei 4.000 Umdrehungen (Leistung) und 1.750 Umdrehungen (Drehmoment) erreicht. Das sind absolut bedarfsgerechte Werte. In 11,9 Sekunden erreicht der Duster aus dem Stand die 100er-Marke.


Das wird im Straßenverkehr niemand ernsthaft ausprobieren, lässt aber genug Sicherheitsreserven erahnen, etwa beim Überholen. Mehr als knapp 170 km/h Spitze sind nicht drin. Ganz ehrlich: Mehr macht in einem Duster weder Sinn noch Spaß, obwohl das Fahrwerk (MacPherson-Vorderachse mit unteren Dreiecksquerlenkern und Querstabilisator, Verbundlenkerhinterachse mit Schraubenfedern) inzwischen etwas straffer abgestimmt ist als früher. Bei „normalem“ Gebrauch und Autobahngeschwindigkeiten um die 130 km/h wirkt das Auto spursicher und stringent auf Kurs. Gleiches gilt für den kurvenreichen Landstraßenteil der Testroute.


Dass das gesamte Fahrverhalten ein für diesen Preis unerwartetes Niveau erreicht, liegt zum größten Teil an der intelligenten Getriebeabstufung. Die holt zwar nicht das Letzte aus dem Antriebsstrang raus, ist aber für dieses Fahrzeug wie geschaffen. Bei voller Beschleunigung leitet die Automatik bei etwa 4.000 Umdrehungen den Gangwechsel ein. Das ließe Luft nach oben, ist aber ökonomisch. Bei normaler Fahrweise heißt es schon bei etwa 2.000 Umdrehungen „erste Kupplung auf“, während die zweite gleichzeitig schließt (daher der Name Doppelkupplungsgetriebe). Sinn der modernen Technik, bei der elektrische Stellmotoren die Schaltvorgänge einleiten: Die Gangwechsel erfolgen fast ohne Unterbrechung der Zugkraft. Diesen Nachweis liefert auch der Duster. Wem das zu langweilig ist, der kann auch selbst schalten. Allerdings nur am Schalthebel selbst, der dafür aus der Automatikstellung herauszuwippen und anschließend in klassischer Manier nach vorne oder hinten zu bewegen ist. Lenkrad-Schaltpaddel gibt es nicht.


Ebenfalls schade: Die Gangwahlanzeige gibt nur im manuellen Modus Auskunft. Im automatischen Betrieb lässt sie den Fahrer im Zweifel, welcher der sechs Gänge wohl gerade gewählt ist. Ebenfalls abschaltbar ist die serienmäßige Start-Stopp-Automatik, wobei diese ohnehin so programmiert ist, dass sie unter gewissen Bedingungen selbstständig den Dienst verweigert. Zum Beispiel dann, wenn die für die Abgasreinigung notwendige Betriebstemperatur noch nicht erreicht ist oder solange die Scheiben-Frei-Funktion der Klimaanlage noch läuft. Kompromisse müssen Dacia-Kunden angesichts des Preises akzeptieren. Innen gibt es viel harten Kunststoff zu sehen und zu fühlen. Der Fahrersitz könnte eine Beinauflagenverlängerung vertragen. Die Geräuschdämmung wurde zwar verbessert, lässt aber immer noch großzügig den rotzig-röhrigen Klang des Diesels durch. Dafür hat man an einem Prinzip festgehalten, das Dacia fast schon als Philosophie vermarktet: kein Schnickschnack. Bestes Beispiel ist das „Media-Nav Evolution“ genannte Infotainmentsystem. Die Bedienung ist simpel, die Funktion zweifelsfrei, die Wertigkeit des zentral platzierten Ensembles um Klassen besser als die früheren Aufsetzlösungen auf dem Cockpit. Bei Sonneneinstrahlung aber ist die Ablesbarkeit des steil stehenden, sieben Zoll großen Touchscreen behindert.


Optische Auffrischungen gibt es obendrein. Die Wabenstruktur des Kühlergrills fällt ins Auge, genau wie die in drei Segmente unterteilte Lichtarchitektur der Frontleuchten. Die meisten Käufer werden den Duster aber wohl nicht wegen chromfarbener Zierteile wählen, sondern wegen seiner praktischen Vorzüge.
Zu nennen ist vor allem seine Wendigkeit mit einem 10,40 Meter-Wendekreis, seine 20,5 Zentimeter Bodenfreiheit für Ausflüge in unwegsameres Gelände und sein Kofferraumvolumen von bis zu 1.636 Litern. Und natürlich der Ruf der Robustheit, den sich der Duster in sieben Jahren erarbeitet hat. Rabatte beim Dacia-Händler gibt es traditionell nicht, dafür aber drei Jahre Garantie bis zu 100.000 Kilometer. Da die Wiederverkaufswerte der Baureihe hoch sind, lässt der Test der Automatik-Variante ein klares Urteil zu: ein vernünftiges Angebot.

 Alex Mannschatz

 

 

INFO:
Dacia Duster
dCi 110 EDC
Getriebe: 6-Stufen-Automatik
Hubraum: 1.461 ccm
Zylinder: 4 (in Reihe)
Leistung: 80 kW (109 PS)
bei 4.000 U/min
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 11,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 169 km/h
Verbrauch: 4,5 (innerorts: 4,4 / außerorts: 4,5) l/100 km
Einstiegspreis: 17.950 Euro

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