Cowboy mit Manieren
Cowboy mit Manieren
28. Juli 2017

Keine Frage, dieses Mini-SUV ist ein echter Jeep. Der Kühlergrill und die runden Hauptscheinwerfer identifizieren den Renegade auf Anhieb als Mitglied der US-Geländewagenfamilie. Hinzu kommen handliche Außenmaße, kurze Überhänge und große Böschungswinkel sowie zuschaltbarer Allradantrieb. Dass der Einsteiger-Jeep eine Fiat-Plattform nutzt, schadet ihm nicht.

Bei unserem Testfahrzeug sorgt ein Zweiliter-Dieselmotor mit einer Leistung von 140 PS und einem früh anliegenden Drehmoment von 350 Newtonmetern für den Antrieb. Das neue Neungang-Automatikgetriebe arbeitet sauber und schnell, die Schaltvorgänge finden ruckfrei statt. Alternativ lassen sich die Schaltstufen auch manuell am Wählhebel einlegen.


Mit dem offroadtauglichen 4x4-Allradsystem, einer Bodenfreiheit von rund 20 Zentimetern sowie einem Böschungswinkel von 21 Grad vorn sowie 32 Grad hinten können wir uns auch abseits befestigter Straßen bewegen. Das Antriebssystem ermöglicht eine variable Verteilung der Motorkraft zwischen beiden Achsen und ist in der Lage, diese im Bedarfsfall auch nur auf ein Rad zu konzentrieren. Der Renegade ist zudem mit einer Selec-Terrain-Traktionskontrolle ausgestattet, die vier Modi („Auto“, „Snow“, „Sport“, „Sand/Mud“) offeriert.

Auf der Straße quittiert der Renegade plötzliche Lenkimpulse mit Karosserieneigung sowie Nachschwingen, was für Jeep-Modelle nicht untypisch ist. In schnell gefahrenen Kurven zeigt der Jeep eine deutliche Neigung zum Untersteuern. Der Grenzbereich kündigt sich früh an, das überfordert auch ungeübte Fahrer nicht. Das elektronische Stabilitätsprogramm greift sanft ein, wodurch kaum Geschwindigkeit reduziert wird.

Stauvolumen beträgt 351 Liter

Überhaupt ist der Renegade keineswegs ein rauer Bursche, eher ein Cowboy mit Manieren. Der Innenraum wirkt dank hochwertiger Materialien wohnlich, Hartplastik gibt es kaum. Alle Instrumente wie Bordcomputer Drehzahlmesser, Geschwindigkeitsanzeige sowie das Navigationsgerät sind gut zu erfassen. Durch den großen Radstand von 2,57 Metern haben fünf Personen bequem Platz und das auch im Fond. Allerdings könnten die Sitzwangen etwas mehr Seitenhalt bieten. Schade auch, dass sich die Neigung der Sitzflächen kaum verändern lässt. Richtig gespart wurde beim Kofferraum: Der Jeep bietet zwar Platz für die ganze Familie, das Stauvolumen beträgt aber nur 351 Liter. Bei umgeklappter Rückbank sind es immerhin bis zu 1.297 Liter. Sperrige Dinge zu transportieren, kann hier zu einer Herausforderung werden.

Punkten kann der Renegade bei der aktiven Sicherheit, da neben dem elektronischen Stabilitäts­programm und einem Brems­assistenten auch ein Reifen­druck­kontrollsystem serien­mäßig an Bord ist. Ab der getesteten Ausstattungsvariante ist der Renegade zudem ab Werk mit einem Fahrerassistenz-Paket ausgestattet. Das umfasst ein Auffahrwarn­system und einen Spurhalteassistenten. Der Spurhalteassistent warnt den Fahrer mittels Signalton und Lenkim-puls, wenn das Fahrzeug die Spur ohne Blinkerbetätigung verlässt. Gegen Aufpreis ist ein Totwinkelassistent lieferbar, der den Fahrer mit einem Symbol im jeweiligen Außenspiegel warnt, wenn sich dort ein anderer Verkehrsteilnehmer befindet. Darüber hinaus unterstützt das System beim Rückwärtsausparken, indem es warnt, wenn andere Fahrzeuge den hinteren Bereich kreuzen. Ab Werk besitzt der Renegade zudem Nebelscheinwerfer mit Abbiegelichtfunktion und einen Geschwindigkeitsbegrenzer.

Alle Ausstattungsvarianten bieten sieben Airbags inklusive der Vorhang-Airbags vorn und hinten. Auch Isofix-Kindersitzbefestigungen auf den äußeren Rücksitzen sind Standard.

Die Palette der Motorisierungen für den Italo-Amerikaner ist breit gefächert. So werden drei Benziner und drei Diesel-Motoren angeboten. Die Otto-Motoren, ein 1,6 Liter-Motor mit 110 PS sowie ein 1,4-Liter-Aggregat in zwei Leistungsstufen mit 140 PS beziehungsweise 170 PS erfüllen sowohl mit Schaltgetriebe als auch mit dem Neun-Stufen-Automatikgetriebe die Euro-6-Abgasnorm. Den von uns gefahrenen Zweiliter-Diesel gibt es auch mit 170 PS. Außerdem ist ein 1,6-Liter-Diesel mit 120 PS im Angebot.

Mit vier Ausstattungslinien („Sport“, „Longitude“, „Limited“, „Trailhawk“) bietet Jeep ausreichend Optionen für jeden Geschmack. Bereits die Basisausstattung „Sport“ bringt eine manuelle Klimaanlage mit Pollenfilter, elektrische Fensterheber vorn und hinten, ein höhen- und reichweitenverstellbares Lenkrad, ein MP3-fähiges CD-Radio mit Lenkradbedienung, USB-Anschluss sowie vier Lautsprecher und eine Berganfahrhilfe mit.


Karin Weise

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