Oben ohne in den Frühling
Oben ohne in den Frühling
13. April 2017

Cabrios sind Autos für Genießer. Ihre Zahl steigt seit Jahren leicht. Auch in diesem Jahr kommen wieder neue Modelle auf den Markt.

Per Tastendruck öffnet sich das Verdeck und versenkt sich innerhalb weniger Sekunden im Heck. Sonnenstrahlen dringen ins Auto, der Fahrtwind kitzelt die Nase. Rund 2,1 Millionen Cabriofahrer in Deutschland genießen das offene Fahrgefühl. Tendenz leicht steigend. 2012 waren es nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) nur 1,9 Millionen offene Fahrzeuge. „Mit einem Cabrio kann man ein bestimmtes Lebensgefühl wie Offenheit und Spaß transportieren, das zahlt sich positiv auf eine Marke aus“, sagt Professor Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management an der Fachhochschule Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach bei Köln.

200.000 Cabrios mehr in fünf Jahren

Mercedes konnte in den vergangenen Jahren unter anderem so sein Image vom eher konservativen zu einem dynamischeren Hersteller wandeln. „Dadurch haben sich Marke, aber auch Fahrzeugbesitzer verjüngt“, sagt Bratzel. Cabriofahrer seien meist Genießer und vorsichtige Fahrer, da sie keine feste und schützende Hülle umschließt. Die Stückzahlen fallen im Vergleich zu geschlossenen Autos zwar gering aus. Aber: „Mit schicken Cabrios kann man Kunden ins Autohaus locken, viele Autofahrer verbinden damit Emotionen und Romantik. Auch wenn die meisten Interessenten später ein anderes Modell kaufen“, sagt Paolo Tumminelli, De­signprofessor an der TH-Köln. „Cabrios erhöhen das Image einer Automarke, kosten aber natürlich bei der Entwicklung Geld.“

Sieben Cabrios hat Daimler mit Mercedes, Smart und AMG dieses Jahr im Programm. So viel wie kein anderer Hersteller. „Cabrios sind Leuchtturmprojekte der Marke, sie bringen viel Fahrgenuss und sorgen für Emotionen“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Emotionalität werde immer wichtiger und für die Marke relevant, der Antrieb scheine bei Kunden immer weniger eine Rolle zu spielen.

Einen Trend zu deutlich mehr Cabrio-Modellen sieht Bratzel in den nächsten Jahren aber nicht. Auch Mercedes wird laut Zetsche künftig nicht noch mehr offene Modelle auf den Markt bringen. Zum Teil hängt das auch mit gesellschaftlichen Trends zusammen: „In unsicheren Zeiten greifen Autobesitzer lieber auf geschlossene, kokonartige Fahrzeuge zurück, die sie vor der Außenwelt abschotten und gefühlt mehr Sicherheit bieten als ein offenes Cabrio“, sagt Bratzel. Dabei sei es egal, ob das Klappdach aus Stahl oder Stoff besteht. Außerdem bereiten offene Autos der Unterhaltungselektronik sowie den großen digitalen Bildschirmen Probleme – bei Sonneneinstrahlung lässt sich auf den Monitoren wenig erkennen, oder sie reflektieren die Strahlen und blenden.


Fabian Hoberg

 

 

 

INFO:  Die wichtigsten neuen Cabrios im Überblick
Audi A5 Cabrio: Audis Mittelklasse-Coupé gibt es jetzt auch wieder ohne Dach. Es bietet vier Passagieren Platz und Motoren zwischen 140 kW/190 PS und 260 kW/354 PS, darunter zwei Diesel. Das Verdeck öffnet in 15 Sekunden, der Kofferraum fasst 320 bis  380 Liter. Preis: mindestens 44.000 Euro. Besonders stark: das S5 Cabrio mit einem Dreiliter-Sechszylinder und 260 kW/354 PS für 67.800 Euro.
BMW 4er Cabrio: Der BMW 4er bekommt ein Facelift. Im Vergleich zum Vorgänger verändern sich Frontschürze, Scheinwerfer und Heckstoßfänger. Serienmäßig leuchten nun Bi-LED-Lampen, das Navigationssystem Professional erhält eine überarbeitete Bedienoberfläche. Fahrwerk und Lenkung sollen straffer sein. Sechs Motoren zwischen 135 kW/184 PS und 240 kW/326 PS stehen zur Wahl, darunter drei Diesel. Preis: ab 46.800 Euro.
Mazda MX-5 RF: Der MX-5 ist der meistverkaufte Roadster: Seit 1989 haben mehr als eine Million Frischluftfans zum leichten Zweisitzer gegriffen. Das neue Modell MX-5 RF besitzt ein elektrisch versenkbares und festes Klappdach. Es öffnet und schließt in 13 Sekunden. Der drehfreudige 2,0-Liter-Benziner mit 118 kW/160 PS hat mit den 1.120 Kilogramm leichtes Spiel. Preis: ab 29.890 Euro.
Mercedes-AMG GT Roadster: Der neue Supersportwagen leistet mit seinem Vierliter-V8-Biturbo 350 kW/476 PS, der GT C Roadster sogar 410 kW/557 PS. Von 0 auf 100 km/h geht es in 3,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 316 km/h. Das Stoffverdeck öffnet in elf Sekunden. Überrollbügel und ein verstärkter Windschutzscheibenrahmen erhöhen die Steifigkeit. Preis: ab 129.180 Euro (GT C Roadster ab 160.650 Euro).
Mercedes E-Klasse: Platz für vier Erwachsene und einen sehr leisen Innenraum will das E-Klasse-Cabrio ab September bieten. Das Verdeck öffnet und schließt binnen 20 Sekunden. Ein Windschutzscheibenspoiler minimiert Luftgeräusche im Innenraum. Der Kofferraum fasst 310 bis 385 Liter. Die Motoren leisten zunächst 135 kW/184 PS bis 245 kW/333 PS. Allrad ist optional. Preise gibt es noch nicht.
Porsche 911 GTS Cabrio: Die Sportwagenikone gibt es dieses Jahr als besonders sportliches Modell GTS. Die 331 kW/450 PS des Cabrios werden entweder auf die Hinterräder oder auf alle vier Räder bei Carrera 4 GTS Cabrio geleitet. Mindestens 137.541 Euro kostet der mehr als 300 km/h schnelle, offene GTS-Porsche als 2+2-Sitzer. Mit klassischem Targa-Bügel kostet der Elfer mindestens 144.919 Euro – inklusive Allradantrieb.

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