… Alfred Biolek?
… Alfred Biolek?
4. August 2017

Mit Sendungen wie „Bio‘s Bahnhof“ oder „Alfredissimo“ wurde er zwischen 1978 und 2006 zum Fernsehstar. Zudem entdeckte er zahlreiche Nachwuchs-Talente im TV- und Musik-Business. Nach einem schweren Treppen-Sturz 2010 kämpfte er sich mühsam ins Leben zurück. Heute lebt der 83-Jährige wieder in seinem geliebten Köln und unterstützt mit seiner Stiftung Jugendliche in Afrika.

Das Jahr 2010 war für Alfred Biolek eine Zäsur: Bei einem Sturz auf einer Wendeltreppe zog er sich schwere Kopfverletzungen zu und musste operiert werden. Danach lag er längere Zeit im Koma und leidet seitdem unter gelegentlichem Gedächtnisverlust. Noch heute kann er sich an diesen Unfall nicht mehr erinnern. Durch die Lektüre der eigenen Biografie konnte er dann viele Erinnerungslücken wieder auffüllen. „Alles war neu für ihn: dass er kochen kann, dass er prominent ist, dass er ein Fernsehstar war“, macht Adoptivsohn Scott die schwere Krise Bioleks deutlich. Der „klügste TV-Entertainer Deutschlands“ musste nach dem Unfall sein Leben total umstellen. Geholfen hat ihm dabei, dass er nach zehn Jahren Berlin-Aufenthalt wieder nach Köln zurückgekehrt ist, „wo immer noch viele Menschen leben, mit denen ich befreundet bin. Ich brauche eine Umgebung, die zu meinem neuen, kleineren Leben passt.“

wurde im TV als schwul geoutet

Die Zeiten seiner legendären Partys und Essenseinladungen sind längst vorbei. Biolek lebt inzwischen zurückgezogen, geht gerne im Park spazieren, auch wenn er dabei auf den Rollator angewiesen ist. Auch einen Konzertbesuch gönnt er sich hin und wieder noch, obwohl ihm das nach eigener Aussage immer schwererfällt. Regelmäßige Kontakte zu seinen Freunden sind ihm wichtig, ebenso seine morgendliche Zeitungslektüre und abends ab acht natürlich das Fernsehen: „Ich habe 300 Programme, mir wird nicht langweilig. Ich bin ein Zapper“, sagt der gelernte Jurist, der seine einstige harsche Kritik („Das Fernsehen ist eine einzige Katastrophe!“) heute deutlich abgemildert äußert: „Das Fernsehen ist nicht besser oder schlechter als zu meiner Zeit. Es ist anders.“ Auch politisch hat der in einem streng katholischen Elternhaus aufgewachsene Biolek seine Ansichten modifiziert. „Früher war ich sehr konservativ. Ich war sogar mal CDU-Mitglied und bin immer mit Anzug und Krawatte durch die Gegend gelaufen. Inzwischen bin ich nach links gerückt, bin sozialer, aufgeschlossener, liberaler eingestellt“, gestand er kürzlich in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Entscheidend zu dem Einstellungswandel beigetragen hatte Bioleks beruflicher Wechsel 1970 nach München, wo er mit der Münchener Bohème um Rainer Werner Fassbinder in Berührung gekommen war. Auch dass ihn der Regisseur Rosa von Praunheim 1991 in einer TV-Show als schwul geoutet hat, sieht Biolek heute als Wendepunkt: „Ich habe einen Schlag bekommen, der sehr wehgetan hat, aber irgendwo hat der Schlag eine Verspanntheit gelöst“, bekennt er sich inzwischen befreit zur Homosexualität.

Biolek bedauert, dass er so gut wie gar nicht mehr kochen kann, „weil ich nicht mehr fit genug bin. Beim Kochen muss man viel denken und stehen, das ist mir zu anstrengend.“ Fürs Kartoffel- und Karottenschnippeln reiche es aber trotzdem noch. Wenn er heute daran denke, so wie früher üblich, für zehn Leute kochen zu müssen, bekäme er „eine Panikattacke“. Auch die Liebe zum Wein habe er auf ärztliche Empfehlung hin aufgegeben. Allenfalls trinke er mal einen alkoholfreien Wein, den er im benachbarten Biomarkt kaufe und den er sogar zu Restaurantbesuchen mitbringe: „Die Kellner wissen und respektieren das.“


Biolek kann auf ein erfolgreiches Leben zurückblicken: Grimme-Preis, Goldene Kamera, Karl-Valentin-Orden, Deutscher Fernsehpreis fürs Lebenswerk und Großes Bundesverdienstkreuz sind nur einige seiner vielen Auszeichnungen. „Ich wollte Priester werden, Zirkusdirektor oder Dirigent. Und ich bin von allem etwas geworden“, sagte Biolek kürzlich. Daneben hat er sich auch sozial engagiert. Über ein Jahrzehnt lang unterstützte seine Alfred-Biolek-Stiftung mit rund 1,5 Millionen Euro Jugendliche in Afrika, seit kurzer Zeit führt ein neuer Stiftungsfonds diese Aufgabe weiter.

„Ich wollte priester werden“

Mit seinem Alter von 83 Jahren geht Biolek entspannt um: „Ich habe keine Beschwerden; der Rücken, die inneren Organe: alles gut. Zwar zwickt mal das Knie, aber ich nehme keine Medikamente.“ Dreimal in der Woche geht „Bio“ zum Physiotherapeuten, wo er an einer Rudermaschine trainiert und anschließend massiert wird. Er lebe immer noch sehr gerne und erfreue sich an vielen schönen Erinnerungen. „Wenn eine Sache nicht mehr geht, sucht man sich Ersatz und freut sich über andere Dinge, die vorher vielleicht gar nicht aufgefallen sind.“ Allzu viele Gedanken über seinen Tod macht Alfred Biolek sich nicht, sondern erhofft sich noch ein paar gute Jahre: „Aber irgendwann, so mit Ende 80 oder Anfang 90, kann es von mir aus auch zu Ende gehen.“ Wenn man ihn schlecht behandle oder ihm die Unwahrheit sage, das empfinde er als unangenehm, nicht aber den Tod. Einen Wunsch hat der 83-Jährige aber dennoch. Gerne würde er noch mal nach New York reisen, wo er in den 70er-Jahren ein paar Monate lang gelebt hat.


Peter Schmidt

 

 

Zur Person:
Alfred Franz Maria Biolek, geboren am 10. Juli 1934 in Freistadt/Tschechoslowakei, arbeitete 1958 nach seinem Jura-Examen als Assistent an der Uni Freiburg und promovierte dort 1962. 1963 kam er ins Justiziariat des ZDF. Schnell wechselte Alfred Biolek in die Redaktion, wo er erste Sendungen (unter anderem „Nightclub“, „Drehscheibe“) moderierte. Ab 1970 arbeitete er für die Münchener Bavaria, wo ihm als Produzent von Carells „Am laufenden Band“ 1974 der Durchbruch gelang. Mit den Sendungen „Kölner Treff“ und „Bio‘s Bahnhof“ wurde er Ende der 70er zum TV-Liebling und Entdecker vieler Nachwuchskünstler (unter anderem Anke Engelke, Helge Schneider). In den 80er-Jahren folgten Sendungen wie „Bei Bio“ und „Mensch Meier“. Von 1991 bis 2003 moderierte er die Talk-Show „Boulevard Bio“ und von 1994 bis 2006 seine Koch-Show „Alfredissimo“. Zudem war er mit seiner Produktionsfirma an zahlreichen TV-Sendungen beteiligt.

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