… Dorthe Kollo?
… Dorthe Kollo?
7. Juli 2017

In den 60er- und 70er-Jahren gehörte sie mit Hits wie „Wärst du doch in Düsseldorf geblieben“ zu den beliebtesten Schlagerstars in Mittel- und Nordeuropa. Danach arbeitete sie sieben Jahre lang beim NDR als Rundfunk- und Fernsehmoderatorin und wandte sich der Volksmusik zu. Heute singt sie vorwiegend Jazz. Am 17. Juli wird Dorthe Kollo 70 Jahre alt.

Dorthe Kollo konnte in über 60 Bühnenjahren als Sängerin und Moderatorin große Erfolge feiern. Schon mit acht Jahren veröffentlichte sie in Dänemark ihre erste Single und bekam dort mit zwölf ihre erste Goldene Schallplatte. Die Tochter eines Orchester-Kapellmeisters versuchte dann in den 60er-Jahren ihr musikalisches Glück in Deutschland, wo sie 1984 als 16-Jährige mit „Junger Mann mit roten Rosen“ ins Rampenlicht trat. Zu Evergreens geworden sind die Titel „Sind Sie der Graf von Luxemburg?“, „Jeder Schotte“ und vor allem „Wärst du doch in Düsseldorf geblieben“, wofür es 1968 sogar eine Goldene Schallplatte gab. „Das Lied ist gut gemacht und gut von mir vorgetragen“, erklärt Dorthe heute den Erfolg dieses Titels. Sie hatte damals wegen eines Opern-Engagements ihres Mannes ein paar Jahre in Düsseldorf gelebt: „Man sollte mir einen Preis dafür geben, dass ich Düsseldorf so berühmt gemacht habe. Ich fahre heute noch gerne dorthin. Es ist meine Schicksalsstadt.“

„ich fühlte mich ganz allein“

Im Rückblick auf ihre Karriere als Kinderstar bedauert Kollo, dass sie wegen der vielen Auftritte kaum mit Gleichaltrigen spielen konnte: „Ich war früh erwachsen, weil ich meist mit Erwachsenen zu tun hatte.“ Zum Glück hätten immer gute Produzenten dafür gesorgt, dass es aufwärts ging, denn „damals hat man Künstler noch richtig aufgebaut“. Ihre Karriere sei harte Arbeit gewesen, erzählte sie kürzlich in einem Rundfunk-Interview. „Man musste immer dranbleiben. Aber ich habe dabei viele interessante Menschen und große Künstler kennengelernt. Die größten Stars waren die nettesten.“

Vor gut zwei Jahren verriet Dorthe, dass ihre Mutter und Managerin damals ihre Gagen heimlich für eigene Zwecke ausgegeben hatte. „Ich hege heute keinen Groll. Sie hat das wohl als eine Art Darlehen betrachtet, das sie dann aber nie zurückzahlen konnte“, zeigt sie Verständnis für ihre 2013 verstorbene Mutter. Aus ihrer 2014 erschienenen Autobiografie „Ich bin immer noch hier“ erfährt man von einer zweiten Krise: Mit 17 war sie schwanger geworden, hat sich dann aber wegen ihrer Karriere für einen Abbruch entschieden. „Ich fühlte mich ganz allein auf der Welt und sprach mit niemandem darüber. Nicht weil ich mich schämte. Aber die Rücksicht auf meine Mutter wog schwer.“ Nur drei Jahre später bekam sie dann mit ihrem Mann René das Wunschkind Nathalie, die heute eine erfolgreiche Jazz-Musikerin ist. Aus zweiter Ehe hat Kollo  seit 1983 noch die Tochter Jill.


2012 wollte Dorthe sich eigentlich in Dänemark mit ihrem letzten Swing-Album („Das Glück liegt hier“) vom Musik-Business verabschieden, aber seit zwei Jahren ist immer wieder die Rede von einem komplett neuen Album für den deutschsprachigen Raum: „Wir wollen was machen. Aber wenn man etwas macht, will man auch Erfolg damit haben“, zeigt sie keine Eile, zumal sie zum Glück von einem Hit nicht mehr abhängig sei. Dennoch will sie in diesem Jahr musikalisch wieder mehr Gas geben. Schon im Januar präsentierte sie ihren vor genau 50 Jahren komponierten Hit „Wärst du doch in Düsseldorf geblieben“ als Remake in brandneuem Sound. Und in diesen Tagen erscheint zudem die CD „Das Beste von Dorthe“ als Download und Streaming.

„ich habe jetzt den richtigen“

Kollo, die in Dänemark immer noch Konzerte gibt und in Jazz-Revuen und Musicals singt, ist immer noch eine attraktive Erscheinung. „Ich schwimme morgens, gehe zum Laufen oder in die Sporthalle. Und ich gehe gern mit meinem Hund spazieren“, erläutert sie ihr Fitnessprogramm. Inzwischen hat sie sogar schon an einem Halbmarathon teilgenommen. Ziemlichen Ehrgeiz entwickelt sie auch beim Golfen: „Mein Handicap ist 25,2, aber ich will auf 18 runter. Man muss sich ja ein Ziel setzen.“ Zuletzt hat sie noch mit dem Boxen angefangen, „weil man da so gut seinen Stress rauslassen kann.“ Offen gesteht die Sängerin aber auch, dass sie sich gelegentlich einer Botox-Behandlung unterziehe. „Ich habe keine moralischen Vorbehalte dagegen. Die Menschen sollten hier tun, was sie wollen.“ Schon in ihrer Biografie hatte sie sich zu einer Nasenkorrektur bekannt. Solange ihr Mann, der deutsche Reeder Heiner Dettmer, und ihre beiden Töchter mit ihr und ihrem Aussehen zufrieden seien, „ist das für mich in Ordnung“, sagt die zum vierten Mal verheiratete Sängerin. Aus ihren Ehen habe sie unheimlich viel an Lebenserfahrung gewonnen und wäre ohne sie nicht so geworden, wie sie heute ist. „Ich habe jetzt den Richtigen. Ein toller Mann“, schwärmt sie von Heiner Dettmer, mit dem sie in der Nähe von Bremen auf einem luxuriösen Anwesen lebt. „Ich lebe gern auf dem Land. Aber zum Einkaufen muss ich doch nach Berlin.“ Immer wieder zieht es Dorthe Kollo auch privat nach Dänemark, wo in Kopenhagen ihre beste Freundin lebt und sie eine kleine Holzhütte am Meer besitzt.


Peter Schmidt

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