… Gina Lollobrigida?
… Gina Lollobrigida?
30. Juni 2017

Neben Sophia Loren war sie zwischen 1950 und 1975 das weibliche italienische Sexsymbol des internationalen Films, war in rund 70 Streifen zu sehen und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Danach machte sich die heute fast 90-Jährige als Fotografin und Bildhauerin einen Namen.

In den vergangenen Jahren ist es ruhig geworden um Gina Lollobrigida: Nur ihr langjähriger Prozess gegen ihren letzten Lebensgefährten Javier Rigau Rifols brachte sie wieder in die Schlagzeilen. Die Schauspielerin prozessiert gegen ihren 34 Jahre jüngeren Partner, weil dieser sie 2010 in Spanien mit gefälschter Vollmacht ohne ihr Wissen geheiratet hat. Da jedoch die spanischen Behörden von einer Echtheit des Dokuments ausgehen, wurde die Ehe 2013 ins Amtsregister eingetragen. Derzeit klagt Lollobrigida, die am 4. Juli stolze 90 Jahre alt wird, in Rom gegen Rifols: „Ich wurde betrogen. Er hat mich zu einem Notar gebracht und mir gesagt, dass ich ein Schriftstück unterschreiben muss, um ein Zivilverfahren wegen Medienangriffen gegen mich fortführen zu können. Es war auf Spanisch und ich habe unterschrieben, ohne zu wissen, worum es geht“, sagte „La Lollo“ vor Gericht aus.

Junge Männer wollten ihr Geld

Dies ist nicht die einzige Justizerfahrung, die sie machen musste. 2014 hatte ihr Sohn Andrea Milko Skofic vergeblich versucht, seine Mutter unter Vormundschaft stellen zu lassen, weil er um sein Erbe fürchtet. Angeblich umgebe sich die Diva mit jüngeren Männern, die an ihr Geld wollten. Zuletzt war in den italienischen Medien zu lesen, dass die Lollobrigida ihr Herz an ihren jungen Manager verschenkt habe. Ihr Sohn hat den 29-Jährigen angezeigt, weil er angeblich eigenmächtig Schmuck und Immobilien im Wert von sieben Millionen verkauft und für sich teure Autos angeschafft habe. Selbst als Gina Lollobrigida wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus kam, hat Rifols weiterhin alles versucht, um den Kontakt Andrea Milko Skofics zu seiner Mutter zu verhindern.

„Gina Nazionale“, wie sie auch genannt wurde, stand letztmals 1997 vor der Filmkamera, als sie in der französischen Produktion „XXL“ an der Seite von Gérard Depardieu zu sehen war. Abgesehen von einem kurzen Gastspiel 1995 in „101 Nacht – Die Träume des M. Cinema“ war ihre Schauspielkarriere allerdings schon in den späten 80er-Jahren mit Auftritten in einigen Fernsehproduktionen zu Ende gegangen.

Für ihre Rolle der Francesca Gioberti in der US-Fernsehserie „Falcon Crest“ erhielt sie aber 1984 noch ihre zweite Golden-Globe-Nominierung. Im Jahr darauf hatte sie auch noch einen kurzen Theatererfolg am Broadway in einem Tennessee-Williams-Stück.

Schon in den 70er-Jahren hatte die Leinwand-Ikone immer öfter im Schatten ihrer jüngeren Landsmännin Sophia Loren gestanden. Dank ihrer vielseitigen künstlerischen Talente verlegte sie sich damals schon auf andere Bereiche und wandte sich zuerst der Fotografie zu. Bekannt wurde sie durch ihre Prominenten-Porträts, etwa von Paul Newman, Salvador DalÍ, Fidel Castro oder Henry Kissinger, hatte aber auch Erfolg als Modefotografin für die Zeitschrift „Vogue“ und mit vier Foto-Bildbänden (1972-93).

Nach ihren Fernseharbeiten („Falcon Crest“, „Love Boat“, „Die Zwillingsschwestern“) wandte sich Lollobrigida ab 1990 der Bildhauerei zu, der sie sich ja schon im Studium gewidmet hatte, und nahm Unterricht bei dem bekannten italienischen Bildhauer Giacomo Manzù. Nachdem ihre riesige Bronzeplastik in Adlerform 1992 auf der Weltausstellung in Sevilla den italienischen Pavillon schmückte, wurde Gina Lollobrigida in die Kunstakademie von Florenz aufgenommen.

2003 veranstaltete sie eine große Ausstellung in Moskau und dann in Paris ihre erste umfassende Werkschau. Die gezeigten 44 Bronze- und Holzarbeiten waren teilweise nach Motiven aus ihren Filmen entstanden oder bezogen sich auf ihre Kolleginnen Marilyn Monroe und Liza Minelli, denen die Ausstellung gewidmet war. In einer eigenen Ladenkette namens „Gina“ bietet die „Lollo“ heute ihre Werke einem breiten Publikum zum Kauf an. Ihre Arbeit als Künstlerin ist auch Thema einer Autobiografie, die vor einem guten Jahrzehnt unter dem Titel „Gina Lollobrigida, my world“ veröffentlicht wurde.

Auch politisches Interesse gezeigt

Das politische Interesse Lollobrigidas, das sie als Jury-Mitglied schon 1986 auf der Berlinale bei ihrem Protest gegen den RAF-Siegerfilm „Stammheim“ gezeigt hatte, gipfelte 1999 in einer Kandidatur für das Europäische Parlament: Die „Lollo“ trat als Kandidatin des Wahlbündnisses ihres Landsmanns Romano Prodi an, verfehlte den Einzug ins Parlament aber deutlich. In politischer Mission trat sie dann ein Jahr später nochmal in Erscheinung, als sie in verschiedenen Ländern für die Einführung des Euro warb. Ehrenamtlich hat sie sich für Ärzte ohne Grenzen, die Unesco und die Unicef engagiert.


Die einst „schönste Frau der Welt“ ist auch kurz vor ihrem 90. Geburtstag noch künstlerisch aktiv: Sie arbeitet weiter als Fotografin, hält aber von digitaler Fotografie wenig: „Damit kann selbst ein dreijähriges Kind Fotos machen.“ Vor allem aber widmet sie sich ihren Skulpturen. „Bildhauerei ist keine Frage der Kraft – was wichtig ist, das sind die Augen“, betont Lollobrigida, die schon lange eine Freundschaft zu dem deutschen  Modeschöpfer Harald Glööckler pflegt. 

  Peter Schmidt

 

Zur Person:
Luigina (Gina) Lollobrigida, geboren am 4. Juli 1927 in Subiaco/Italien, bekam als Kind Unterricht in Gesang, Tanz und Zeichnen. 1946 erhielt sie ein Uni-Stipendium in Bildhauerei und Malerei und wurde als Opernsängerin ausgebildet. 1945 übernahm sie erste Theater- und ab 1947 Filmrollen. Populär wurde sie auch durch Schönheitswettbewerbe, mit drei war sie „schönstes Kleinkind“ Italiens und 1947 Dritte bei „Miss Italia“. Mit „Fanfan, der Husar“ und „Die Schönen der Nacht“ begann 1952 ihr internationaler Aufstieg. Zum Weltstar wurde sie mit Filmen wie „Der Glöckner von Notre Dame“ (1956) oder „Fremde Bettgesellen“ (1965). Sie bekam zahlreiche große Filmpreise, den italienischen Verdienstorden und das Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion. Seit den 70er-Jahren war sie überwiegend als Fotografin und zuletzt als Bildhauerin erfolgreich. Aus der Ehe mit dem Arzt Milko Skofic (1949-71) ging 1957 Sohn Andrea Milko hervor. Sie lebt in Rom.

Merken

Merken

Bild der Woche