… Raquel Welch?
… Raquel Welch?
11. August 2017

Ein Auftritt im knappen Fell-Bikini in „Eine Million Jahre vor unserer Zeit“ machte sie 1966 weltbekannt und begründete ihren Status als Sexsymbol der damaligen Zeit. Derzeit spielt die 76-Jährige eine Hauptrolle in der US-Serie „Date my Dad“.

Damals hat keiner damit gerechnet, dass der kleine Fellfetzen, den Raquel Welch als Höhlenmädchen Loana in einem Steinzeit-Film trug, für eine derartige Karriere sorgen sollte. Die junge Amerikanerin mit bolivianischen Wurzeln wurde 1966 schnell zur „meistfotografierten Frau des Jahres“ und ihre Kurven schmückten die Titelseiten der US-Magazine. „Na klar, für einige Fotos musste ich sexy Badekleidung tragen. Aber ich wurde nicht unverhohlen sexualisiert und hatte nicht das Gefühl, ausgenutzt zu werden“, blickt Welch heute auf ihren Karrierestart zurück. In späteren Jahren versuchte sie vergeblich, ihr Image als Sexsymbol loszuwerden. Sie genießt es aber dennoch, wenn sie als 76-Jährige noch heute von Fotografen umlagert wird, wenn sie in der Öffentlichkeit auftritt. Ihr gutes Aussehen führt Raquel Welch auf ihre Vergangenheit als Ballett-Tänzerin zurück. „Ich habe auf körperliche Fitness immer großen Wert gelegt.“

erfolgreiches aerobic-video

Heute helfe ihr vor allem Hatha-Yoga dabei, ihre Figur zu halten. Auf ihre immer noch vorhandene Wirkung auf Männer angesprochen, gesteht Welch: „Ich fühle mich gar nicht sexy. Ich trete selten vor den Spiegel und sage: Wow! Sondern so wie viele Frauen dieser Welt eher: Oh, du schon wieder.“

Ihr früher Ruf als Sexsymbol habe damals ihrem strengen bolivianischen Vater gar nicht gepasst. „Ich war schließlich seine Tochter. Und welcher lateinamerikanische Vater will schon, dass seine Tochter ein Sexsymbol ist?“, erklärte Raquel Welch kürzlich in einem US-Fernsehinterview. Ihrer Familie zuliebe habe sie sich auch lange gegen Nacktaufnahmen gewehrt, „obwohl der ‚Playboy‘ mindestens 57-mal angefragt hat“. 1979 habe sie dem Magazin dann aber trotzdem nachgegeben, um ihren neuen Film zu promoten. „Aber ich zeige auf den Fotos keine völlige Nacktheit“, betont sie.

Die Themen Schönheit und Gesundheit hat Raquel Welch auch kommerziell zu nutzen gewusst. Schon 1984 veröffentlichte sie unter ihrem Namen ein Beauty- und Fitness-Programm mit Tipps zu gesundem Leben und Essen, Mode und Schönheit und brachte auch erfolgreich ein Aerobic-Video auf den Markt. Später kamen Kosmetik-Produkte, Schmuck und vor allem Perücken dazu.


Heute vertreibt die Schauspielerin unter ihrem Namen sehr erfolgreich und preisgekrönt High-End-Perücken und Extensions in 75 verschiedenen Stilrichtungen, die auch von vielen aktuellen Stars getragen werden. Der Vermarktung ihrer Beauty-Produkte gilt inzwischen das Hauptaugenmerk der geschäftstüchtigen Schauspielerin.


Trotzdem ist Raquel Welch seit dem 2. Juni wieder auf den Bildschirm zurückgekehrt: In der amerikanischen Komödie „Date my Dad“ spielt sie die Schwiegermutter eines alleinerziehenden Vaters und versucht mit Hilfe der drei Töchter, diesem eine neue Frau zu finden. Für Raquel Welch ist dies die erste Rolle seit Längerem, denn zuletzt war sie 2012 in einem Gastauftritt in der TV-Krimi-Serie „CSI: Miami“ und 2013 in „House of Versace“ zu sehen. Branchenkennern zufolge könnte Raquel Welchs Schauspiel-Karriere durchaus noch weitergehen, zumal sie zuletzt durchaus auch in anspruchsvolleren Rollen überzeugen konnte. Viel Lob erhält sie auch von Kollegen, mit denen sie vor der Kamera zusammengearbeitet hat. Burt Reynolds, 2006 in „Forget about it“ ihr Filmpartner, schwärmte kürzlich: „Sie ist eine verteufelt gute Schauspielerin und wird immer besser und besser.“


Dass sie derzeit mit einer Hauptrolle wieder auf den Bildschirm zurückgekehrt ist, macht die Golden-Globe-Preisträgerin (1975 beste Hauptdarstellerin Musical/Komödie in „Die drei Musketiere“) natürlich besonders stolz.

„Ich bin
richtig happy“

Stolz ist Raquel Welch bis heute auch auf ihre bolivianischen Wurzeln. Da sie sich in vielerlei Hinsicht für ihre Landsleute engagiert, wurde sie vor zwei Jahren vom Verband der lateinamerikanischen Produzenten für ihr Lebenswerk und ihre Verdienste um Latinos im Filmgeschäft geehrt. Auch wenn sie bei ihrer ersten Heirat ihren bolivianischen Geburtsnamen Tejada gegen den Namen ihres Ehemannes, Welch, getauscht und ihn als Künstlername immer beibehalten hat, wäre ein Wechsel ihres Vornamens aus Karrieregründen für sie nie in Frage gekommen: „Raquel gehört einfach zu mir“, verriet sie kürzlich.

Zu ihren vier geschiedenen Ehen bekennt sie sich bis heute: „Ich bedauere sie nicht und habe noch gute Gefühle für alle diese Männer. Ich hatte mit allen schöne Zeiten.“ Seit ihrer vierten Scheidung 2003 lebt die 1997 mit einem Stern auf dem Hollywood Boulevard geehrte Schauspielerin allein in Beverly Hills: „Ich brauche keinen Mann mehr zur Unterstützung. Ich habe gelernt, mit mir alleine zurechtzukommen. Ich bin heute o.k. mit mir. Ich bin richtig happy.“ Sie habe bisher ein sehr schönes Leben gehabt. „Und ich mache mir nicht allzu viele Gedanken darüber, was noch kommt.“ Ihr positives Lebensfazit hat sie 2010 auch in ihrer Biografie „Beyond the cleavage“ niedergeschrieben.


Peter Schmidt

 

 

Zur Person:
Raquel Welch, geboren am 5. September 1940 in Chicago als Jo Raquel Tejada, gewann mit 14 Jahren einen Schönheitswettbewerb und wurde Fotomodell. Sie nahm Ballett- und Schauspielunterricht und wurde 1963 von Patrick Curtis entdeckt. 1965 bekam sie ihre erste Rolle in dem Elvis-Film „König der heißen Rhythmen“. Weltbekannt wurde sie mit ihrer Rolle in „Eine Million Jahre vor unserer Zeit“. In den 60er- und 70er-Jahren war sie eines der großen Sexsymbole ihrer Zeit, spielte in rund 50 Filmen mit (unter anderem „Bandolero“ und „Die drei Musketiere“). Ende der 70er zog sie sich aus dem Filmgeschäft zurück, kehrte aber in den 90er-Jahren wieder zurück. Größere Erfolge hatte sie meist nur noch in Fernsehserien („Sabrina“, „Seinfeld“), trat aber auch in Musicals am Broadway auf. Sie war viermal verheiratet: mit James Welch (1959 bis 1964, zwei Kinder), Patrick Curtis (1967 bis 1972), André Weinsfeld (1980 bis 1990), Richard Palmer (1999 bis 2008).

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