… Siegfried Rauch?
… Siegfried Rauch?
21. Juli 2017

Als „Traumschiff“-Kapitän Paulsen wurde er nach der Jahr­tausend­wende zum TV-Star. Heute lebt der passionierte Pfeifenraucher auf einem oberbayerischen Bauernhof, arbeitet mit Leidenschaft in seinem Wald und geht als Autor auf Lesereisen.

Geburtstagsfeiern sind so gar nicht seine Sache, deshalb bezeichnete der Schauspieler Siegfried Rauch im April seinen 85. Jubeltag wieder mal als „grausigsten Tag im Jahr“: „Wenn ich zehn Freunde einlade, sind fünf weitere beleidigt. Abhauen ist auch schwierig. Zum 80. bin ich in ein Thermalbad geflüchtet, da hat mir ein Wildfremder unter Wasser die Hand gegeben und gratuliert“, klagt Rauch über zu viel Aufmerksamkeit. Obwohl er vor vier Jahren vom Schauspielberuf weitgehend Abschied genommen hat, genießt der Landsberger immer noch eine große Popularität, auch wenn er sich oft lieber allein in seinen Wald flüchten würde. Die geliebte körperliche Arbeit beim Holzmachen und auf seinem Kartoffelacker tut ihm gut und hält ihn fit. „Ich hab hier weniger Feinstaub und bin ganz glücklich. Ich hab 600 Kühe um mich herum – und 200 Einwohner, perfekt.“ Dass er auch mit 85 noch blendend aussieht, führt Rauch aber auf etwas anderes zurück: „Ich habe die beste Frau“, macht er seiner Karin, mit der er seit 53 Jahren verheiratet ist, ein Riesenkompliment. „Die Glamour-Welt ist mir zu pseudo. Heute liebe ich meine Pfeife, trinke gern ein Glaserl und habe die tollste Köchin an meiner Seite“, genießt Rauch sein heutiges Leben „weit ab vom Schuss“. Ab und zu ein bisschen Streit habe seiner Ehe bisher nicht schaden können. „Vor drei Jahren hatten wir Goldene Hochzeit. Vier Türen hat unsere Ehe bisher gekostet, eine gute Bilanz! Absolute Harmonie ist nicht erstrebenswert.“ Das Eheversprechen „Bis dass der Tod uns scheidet“ ist ihm wichtig: „Man muss Sachen haben, die einem heilig sind.“

Siegfried Rauchs Karriere ging in den 60er-Jahren steil nach oben und hat ihn schon früh nach Hollywood geführt, wo er in dem siebenfach oscarprämierten Streifen „Patton – der Rebell“ oder in „Le Mans“ an der Seite von Steve McQueen agierte. Mit McQueen, der sogar Taufpate seines ersten Sohnes war, hat ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verbunden: „Ihn vermisse ich mehr als mein Traumschiff. Er hatte etwas, was nur wenige haben – Charisma!“ In einem Interview anlässlich seines 85. Geburtstages verriet Rauch, dass er sich selbst im Fernsehen oder Kino nicht gerne sieht: „Ich habe noch keine ganze Folge Bergdoktor geschafft. Man sieht sich selbst immer anders.“ Überhaupt ist er kein TV-Fan: „Weder ‚Tatort‘ noch ‚Dschungelcamp‘, Polit-Shows sind für mich eine Qual. Es ist viel Quatsch im Fernsehen. Ich schau aber gern eine Doku über Eisbären.“ Statt im Internet ist er lieber in der Natur unterwegs. Seine computeraffinen Enkel schickt er gelegentlich raus an die frische Luft. „Wenn wir im Wald sind, sie im Dreck spielen und wir Feuer machen, sind sie überglücklich.“

„Ich finde heimat sehr wichtig“

Gefreut hat sich Rauch über die Verleihung der Bayerischen Heimatmedaille 2015: „Ich finde Heimat sehr wichtig“, betont er und fügt hinzu, dass er in den letzten drei „Traumschiff“-Jahren in seiner Kabine auf dem Laptop am liebsten Fotos aus dem Bayerischen Oberland angeschaut hat: „Da habe ich gewusst: Jetzt ist Schluss.“ Im Rückblick auf seine lange Karriere bekennt Rauch heute kritisch: „Da war einiges Belangloses dabei, manches war einfach nichts.“ Zur Schauspielerei hat er inzwischen Abstand gewonnen, auch wenn immer noch „Traumschiff“-Wiederholungen laufen. „Es ist schon manchmal ein Ballaballa-Beruf, viele nehmen ihn zu wichtig.“ Trotzdem wurde ihm kürzlich eine weitere Ehrung zuteil. Am 15. Mai erhielt er mit seiner „Traumschiff“-Besatzung in Düsseldorf den Tourismus-Medien-Ehrenpreis „Goldene Sonne“.

Er spielt golf und macht musik

Jetzt als Rentner genießt Rauch sein Leben mit der Familie. Wichtig geworden ist ihm inzwischen sein Mittagsschläfchen, daran habe sich sogar sein Agent gewöhnen müssen. Er geht auch gern zeitig ins Bett und kommt immer früh aus den Federn. „Ich sorge dann dafür, dass er sein Wunsch-Mittagessen und seinen Mittagsschlaf bekommt“, schildert Rauchs Frau Karin den üblichen Tagesablauf. Allerdings klagt sie ein wenig über die Unordentlichkeit ihres Partners. „Man merkt, dass er ein Hotelmensch ist und alles stehen und liegen lässt. Wo Siggi ist, ist Unordnung!“

Seinen Bauernhof aus dem Jahr 1742 hat das Paar 1973 gekauft und ist direkt in das renovierungsbedürftige Anwesen in Untersöchering eingezogen. Längst ist der Hof saniert, wobei Karin Rauch die Hauptlast getragen hat, weil ihr Mann handwerklich unbegabt ist. Wenn er nicht im Wald oder auf dem Feld arbeitet, malt Siegfried Rauch gerne, spielt Golf oder macht Musik. In den vergangenen Jahren sind auch einige Bücher von ihm erschienen, in denen er seine „schönsten Weihnachtsgeschichten“ erzählt, oder Anekdoten aus seinem Berufsleben preisgibt („Käpt‘ns Dinner“). Damit geht er im Dezember unter dem Titel „Bergweihnacht“ wieder auf Lesereise. Ehrenamtlich engagiert sich Rauch für die Stiftung Kinderzukunft sowie als Botschafter für die bayerische Seenschifffahrt und die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG).


Peter Schmidt

 

 

Zur Personi:
Siegfried Rauch, geboren am 2. April 1932 in Landsberg/Lech, studierte Theaterwissenschaften, machte dann aber eine Schauspielausbildung. Nach dem Kino-Debüt in „Geier-Wally“ (1956) spielte er ab 1958 an Theaterbühnen, unter anderem in Bremen, München, Berlin und Hamburg. Größte Kinoerfolge waren die Rollen als Hauptmann Steiger in dem mit sieben Oscars ausgezeichneten „Patton – Rebell in Uniform“ (1970) und als Rennfahrer Stahler an der Seite von Steve McQueen in „Le Mans“ (1971). Im Fernsehen war er in vielen Krimis zu sehen und in Serien wie „Es muss nicht immer Kaviar sein“ (1977), „Mein Freund Winnetou“ (1980), „Die glückliche Familie“ (ab 1987), „Der Bergdoktor“ (ab 2008) und vor allem in der Kapitänsrolle im „Traumschiff“ (1999 – 2013). Er veröffentlichte auch als Sänger einige Platten, zuletzt 2015 „Moonlight & Lovesongs“. Er ist seit 1964 mit seiner Frau Karin verheiratet. Das Paar hat zwei Söhne.

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